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Interview: Vorsicht bei Selbstanzeige - es drohen folgenschwere Fehler
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Scheidle & Partner Treuhand

Interview: Vorsicht bei Selbstanzeige - es drohen folgenschwere Fehler

Diplom-Finanzwirtin Andrea Witte ist Fachanwältin für Steuerrecht. Foto: Scheidle und Partner

Für Steuersünder, die unversteuertes Geld auf ausländischen Konten deponiert haben, wird es immer enger. Für Betroffene, die einer Entdeckung zuvorkommen wollen, kann eine Selbstanzeige strafmildernd oder gar strafbefreiend wirken.

Doch dieses Vorgehen sollte unbedingt gründlich überlegt und vorbereitet werden, warnt die Augsburger Wirtschaftsprüfungsund Steuerberatungsgesellschaft Scheidle & Partner Treuhand. Wer hier vorschnell handelt, kann folgenschwere Fehler begehen. Für wen eine Selbstanzeige sinnvoll ist, was dabei beachtet werden sollte und wo Fallstricke lauern, erklärt Andrea Witte, Fachanwältin für Steuerrecht in der Kanzlei.

B4B SCHWABEN: Abgesehen von den Nachweisen, die die Banken fordern: Warum wird es für Steuersünder jetzt immer kritischer?

Andrea Witte: Immer mehr ausländische Bankinstitute gehen dazu über, Auszahlungswünschen nur noch per Scheck nachzukommen. Wer mit einem Scheck, der höher als 15.000 Euro ist, zu einer deutschen Bank geht und diesen einlösen will, muss jedoch detailliert darlegen, woher das Geld stammt.

Laut dem deutschen Geldwäschegesetz betrifft dies nicht nur Bargeld und Schecks, sondern beispielsweise auch Edelmetalle oder Wertpapiere mit einem Wert über 15.000 Euro. Wer nicht nachweisen kann, woher Geld oder Wertgegenstände stammen, bekommt spätestens bei seiner Bank Probleme.

Eine Selbstanzeige ist hierfür oft die einzige Lösung. In welchen Fällen wirkt diese sich strafbefreiend aus?

Damit eine Selbstanzeige strafbefreiend wirkt, muss sie eine Nacherklärung beinhalten, die alle unvollständigen Angaben aus den letzten zehn Jahren komplett ergänzt und falsche Angaben berichtigt. Voraussetzung ist zudem, dass die hinterzogenen Steuern innerhalb der vom Fiskus vorgegebenen Frist nachgezahlt werden. Diese beträgt in der Regel nur einen Monat nach Zahlungsaufforderung.

Und wenn der Steuersünder diese Angaben nicht so schnell parat hat, etwa weil er sie erst anfordern muss?

 Selbstanzeigen, die unpräzise und unvollständig sind, bergen stets besondere Gefahren. Deshalb wird von Schätzungen zumeist abgeraten, sofern nicht tatsächlich eine Entdeckung unmittelbar droht.

Da die Einkünfte auf Grund von sogenannten thesaurierenden Fonds oder auch von Veräußerungen von Wertpapieren in der Regel nicht anhand der wertmäßigen Entwicklung des Depots geschätzt werden können und es hier zu erheblichen steuerlichen Gewinnen in manchen Jahren kommen kann, ist eine Schätzung selbst dann gefährlich, wenn man recht großzügig vorgeht. Denn wenn man sich – und sei es auch nur in einem Jahr – zu seinen Gunsten verschätzt hat, ist die Selbstanzeige bereits insgesamt nicht mehr wirksam.

Welche Fehler sollten reuige Steuersünder vermeiden, damit ihre Selbstanzeige nicht zu größerem Schaden führt?

Der häufigste Fehler ist die Abgabe bewusst oder unbewusst unvollständiger Selbstanzeigen. Viele Steuersünder haben Angst, alle Details offenzulegen, und verschweigen auch in der Selbstanzeige noch einige Fakten oder vergessen tatsächlich lange zurück liegende Sachverhalte. Grundsätzlich sind sämtliche bislang nicht versteuerten Einkünfte für alle strafrechtlich noch nicht verjährten Besteuerungszeiträume nachzuerklären. Wer dabei Tatbestände, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, verschweigt, kann nicht mehr mit einer Strafbefreiung rechnen.

In welchen Fällen ist besondere Vorsicht geboten?

Vor allem wenn Auslandskonten und -depots in der Nacherklärung angegeben werden, interessiert sich der Fiskus sehr genau für die Herkunft des Geldes. Stammt es aus einer nicht versteuerten Erbschaft oder Schenkung, sollte die Selbstanzeige um diese Hinterziehung von Erbschaft- und Schenkungsteuer erweitert werden.

Gibt es für diesen Sonderfall auch besondere Aspekte zu beachten?

Gerade Erbfälle sind höchst brisant, weil es sich in der Regel um eine Mehrheit von Erben handelt. Sobald die sogenannte Erbengemeinschaft auseinander gesetzt ist, und die einzelnen Erben die Einkünfte erzielen, sollten sich alle Erben untereinander abstimmen und ihre Selbstanzeigen zeitgleich einreichen.

Prescht ein Mitglied der ehemaligen Erbengemeinschaft vor, sind alle anderen Mitglieder unwiderruflich strafbar, weil durch die vorzeitige Selbstanzeige des einen die Tat der anderen entdeckt ist. Solange die Einkünfte in Erbengemeinschaft erzielt werden, ist eine gesonderte und einheitliche Gewinnfeststellungserklärung abzugeben, die auch dann strafbefreiend für alle Mitglieder der Erbengemeinschaft wirkt, wenn sie nur von einem abgegeben wurde.

Wie gehen Steuersünder am besten vor, wenn sie sich zu einer Selbstanzeige entschließen?

Steuersünder, die sich selbst beim Fiskus anzeigen wollen, sollten ihr Vorgehen genau abwägen. Sobald die Entscheidung gefallen ist, sollte unverzüglich ein mit der Erstattung von Selbstanzeigen erfahrener Berater aufgesucht werden.

Häufig wird der eigene Steuerberater nicht in Betracht kommen, weil er wegen der langjährigen Mitwirkung an falschen Steuererklärungen befangen ist und unter Umständen ein eigenes strafrechtliches Risiko eingeht.

Das Finanzamt kündigt einem Unternehmen eine Betriebsprüfung an. Ist eine Selbstanzeige jetzt noch möglich?

Generell gilt: Wenn den Finanzbehörden die Steuerhinterziehung schon bekannt ist, sieht das Gesetz trotz Nacherklärung der Einkünfte keine Straffreiheit vor, da die Voraussetzungen für eine Selbstanzeige dann nicht gegeben sind. Ist der Firma bereits eine Betriebsprüfung bekannt gegeben, ist die Selbstanzeige des Unternehmers nicht mehr strafbefreiend.

Sie ist ebenfalls unwirksam, wenn ein Steuersünder schon über die Einleitung eines Straf- oder Bußgeldverfahrens wegen Steuerhinterziehung informiert wurde. Trotzdem kann auch in dieser Situation eine Selbstanzeige oder die Kooperation mit dem Fiskus noch sinnvoll sein, um etwa die Strafe abzumildern.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über unsere Interviewpartnerin Andrea Witte

Die Diplom-Finanzwirtin Andrea Witte ist Fachanwältin für Steuerrecht und Partnerin der Kanzlei Scheidle & Partner Treuhand Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen unter anderem im Steuerstrafrecht und im Unternehmenssteuerrecht. Zudem zählen Unternehmensnachfolge, Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie die Steuergestaltung zu ihren Fachgebieten. Die Kanzlei Scheidle & Partner Treuhand Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft ist Mitglied bei HLB Deutschland, einem Netzwerk unabhängiger Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften.

 

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