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Innovation als Treiber in der Krise?
Wirtschaftskrise

Innovation als Treiber in der Krise?

Trotz Wirtschaftskrise sollten Unternehmen Transformation und Innovation nicht aus dem Blick verlieren. Foto: Adobe Stock/ natali_mis
Trotz Wirtschaftskrise sollten Unternehmen Transformation und Innovation nicht aus dem Blick verlieren. Foto: Adobe Stock/ natali_mis

Die deutsche Wirtschaft kommt nicht so richtig in Schwung. Wie können Unternehmen in Bayerisch-Schwaben trotz Konjunkturflaute und hoher Standortkosten den Wandel stemmen?

Für Matthias Ruppel, Vorstandsvorsitzender der Goldhofer Aktiengesellschaft aus Memmingen, sind vor allem die Bürokratie und Regulatorik ein großes Problem. Das verhindere oft, in der Produktentwicklung schnell genug zu sein. „Wir sind trotz und nicht wegen der Bedingungen in der Lage, uns am Markt zu behaupten“, sagt Ruppel.

Das Unternehmen produziert zum einen Flugzeugschlepper, die Flugzeuge an Flughäfen bewegen. Zum anderen Schwertransportlösungen für große und schwere Güter wie Teile von Windkraftanlagen. „Man muss Entwicklungen schnell erkennen und schnell auf den Markt bringen. Vieles der Bürokratie kostet nicht nur Geld, sondern bremst uns aus, und das Ausbremsen ist eines der größten Probleme“, erklärt er.

Vier Transformationsfelder für Industrie in Bayerisch-Schwaben

Doch gerade diese Innovation kann in einer Wirtschaftskrise schnell leiden, wenn Unternehmen etwa bei Forschung und Entwicklung sparen. Markus Partik, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der vbw Bezirksgruppe sieht derzeit vier Entwicklungen, in denen wesentliche Transformationen stattfinden. Zum einen ist da der Bereich der Dekarbonisierung. „Politisch vereinbarte Ziele zur Erreichung der Klimaneutralität haben in den letzten Jahren die technologische Entwicklung unter anderem in der Mobilität vorangetrieben“, erklärt Partik. Durch den demografischen Wandel ändere sich zum einen, welche Produkte nachgefragt werden. Zum anderen ändert sich die Beschäftigungsstruktur. Schon heute fehlen den Unternehmen Arbeits- und Fachkräfte. Drittens

Als drittes Transformationsfeld nennt Partik die Digitalisierung von Prozessen, Produkten und Verwaltung. Das Dauerthema habe durch die Lockdowns während der Corona-Pandemie einen starken Schub erfahren. Die Corona-Pandemie hat sich auch auf das vierte Transformationsfeld ausgewirkt, die De-Globalisierung. Auch Kriege, Handelsstreitigkeiten und Protektionismus verändern den Welthandel und die Arbeit der Unternehmen.

Gefahr der Deindustrialisierung

Bayern und damit auch die Unternehmen in Bayerisch-Schwaben sind laut einer Studie des IW Köln im Auftrag der vbw in diesem Transformationsprozess stärker gefordert als die anderen Bundesländer. Grund sind die energieintensive Industriestruktur und die exportorientierte Wirtschaft. Auch wenn die vbw Bayern in vielen Bereichen gut aufgestellt sieht, ist sie wegen der Deindustrialisierung auch besorgt. Laut vbw erbringt das verarbeitende Gewerbe in Bayern rund ein Viertel der Wertschöpfung. In Bayerisch-Schwaben liegt der Anteil bei 26,2 Prozent. Vor zehn Jahren waren es hier noch 29,4 Prozent. 

„Die Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandorts hat in den letzten Jahren deutlich gelitten“, erklärt Partik. Das sieht er mit Blick auf die wirtschaftlichen Verflechtungen kritisch. Denn am Erfolg der Industrie hängen auch Arbeitsplätze in der Dienstleistungsbranche. „Die branchenübergreifende und überregionale Vernetzung der Industrie ist groß – und sorgt für Wohlstand in allen bayerischen Regionen“, erklärt Partik.

Investieren und Reformen

Als Grund für die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit nennt Partik die „alten Bekannten“: „Hohe Energiepreise und Arbeitskosten sowie eine ständig steigende Belastung durch bürokratische Vorgaben haben die Gewinne von Unternehmen schrumpfen lassen und schränken den Spielraum für Zukunftsinvestitionen ein“, so Partik.

Wie können Unternehmen also trotz der schwierigen Rahmenbedingungen innovativ bleiben und investieren? Zum einen spielt die vbw den Ball der Politik zu. „Von der Bundesregierung erwarten wir endlich einen gezielten Reformwillen und effektive Umsetzungsstärke bei notwendigen Gesetzesvorhaben und Maßnahmen zur raschen und nachhaltigen Verbesserung der Standortbedingungen für die Wirtschaft“, sagt Partik.

Zum anderen haben die Unternehmen auch einiges selbst in der Hand. Ruppel von der Goldhofer Aktiengesellschaft, sieht in Innovation die größte Chance seines Unternehmens. Mehr als zehn Prozent seiner über 1.000 Mitarbeitenden seien reine Entwickler. Zudem arbeitet das Unternehmen etwa mit der Hochschule Kempten zusammen. „Wir müssen immer neue Lösungen finden für Probleme, die es bis dahin nicht gab“, erklärt Ruppel. „Innovation ist der Kern vom Kern unseres Geschäftsmodells.“ Er wünscht sich, dass die Politik dieses Problem erkennt und Prozesse beschleunigt werden.

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