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IHK-Präsident Reinhold Braun: „Es wäre so einfach, das Bürokratie-Problem zu lösen!“
Interview

IHK-Präsident Reinhold Braun: „Es wäre so einfach, das Bürokratie-Problem zu lösen!“

Reinhold Braun ist der Präsident der IHK Schwaben und Geschäftsführer von Sortimo. Foto: Michael Arnold / B4BSCHWABEN.de
Reinhold Braun ist der Präsident der IHK Schwaben und Geschäftsführer von Sortimo. Foto: Michael Arnold / B4BSCHWABEN.de

Schwaben steckt noch immer in einer wirtschaftlichen Krise. Der neue IHK Präsident und Sortimo Geschäftsführer Reinhold Braun ruft die Politik deshalb zu einer Agenda 2030 auf. Was er darunter versteht, verrät er im Interview.

B4BSCHWABEN.de: Herr Braun, jüngst haben Sie auf einer Pressekonferenz gefordert, Schwaben brauche eine „Agenda 2030“. Was meinen Sie damit genau?

Reinhold Braun: Wir müssen größer denken. Ich habe den Eindruck, dass wir uns derzeit in vielen Einzelmaßnahmen verlieren – und das ist nicht förderlich. Betroffen sind alle wichtigen Bereiche unserer regionalen Wirtschaft: Arbeitskräfte, Energie, Bürokratie. Unsere Unternehmen arbeiten seit geraumer Zeit im Krisenmodus. Deshalb brauchen sie ein klares Maßnahmenpaket, das Antworten darauf gibt, wie wir gestärkt aus dem Krisenmodus herauskommen. Die Unternehmen benötigen Planungssicherheit. 

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Probleme, vor denen schwäbische Unternehmen derzeit stehen? 

Ich bin der Meinung, dass die Bürokratie momentan problematischer ist als jemals zuvor. Dabei ist es so einfach, hier eine Lösung zu finden. Die Politik – sowohl in Brüssel, Berlin als auch in München – muss sauber analysieren und herausarbeiten, welche Vorschriften wirklich sinnhaft sind und wo Regelungen abgebaut werden können. Viele Dokumentationspflichten sind ein „Nice-to-have“. Sie haben im Unternehmensalltag keinen praktischen Mehrwert. Wenn wir jetzt diese unnützen Regeln abbauen, werden in den Unternehmen neue Kräfte frei. Und was wäre ein wichtiger Schritt raus aus der Rezession. 

Um diese Agenda 2030 anzustoßen, hat die Deutsche Industrie- und Handelskammer einen Brief an den Kanzler mitverfasst. Was steht da genau drin? 

Im Prinzip stehen in diesem Brief alle Themen, die ich Ihnen genannt habe. Verdichtet und mit Lösungsansätzen unterlegt. Wir haben in dem Brief klar gemacht, wie angespannt die wirtschaftliche Lage ist. Und wie wichtig es ist, sich endlich richtig zu priorisieren und zu fokussieren, damit unsere Wirtschaft im internationalen Wettbewerb nicht abgehängt wird. Der Brief ist dabei ausdrücklich kein Alleingang der IHK, sondern ein konstruktiver Vorstoß, an dem die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft mitgearbeitet haben. 

Sie sind ja nicht nur IHK-Präsident, sondern auch selbst Unternehmer. Können Sie mir aus Ihrem Alltag eine bürokratische Hürde nennen, die bei Sortimo besonders viele Kräfte kostet? 

Die schiere Menge an Daten, die erhoben wird, bindet viel zu viel Personal. Am aufwändigsten sind meiner Erfahrung nach der Datenschutz und das Lieferkettengesetz. Durch die vielen Regeln verlieren wir uns – wie ich vorhin bereits sagte – im „Kleinklein“. Das kostet viel Mühe. Ich will damit nicht sagen, dass Datenschutz und Lieferketten unwichtig sind. Aber wir investieren viel Manpower und damit Geld in diese beiden Themen, haben aber keine Wertschöpfung daraus. Und das ist ein Problem, da die Inflation und die hohen Energiepreise die Unternehmen finanziell zusätzlich belasten. 

Ist Sortimo also auch in der Krise? 

Sortimo arbeitet mit der Krise, aber wir sind nicht in der Krise. Zum Beispiel erzeugen wir einen bestimmten Teil unsere benötigten Energie selbst. Somit fallen bei uns die gestiegenen Preise nicht so sehr ins Gewicht. Nichts desto trotz stehen wir natürlich auch vor der Herausforderung neue Mitarbeiter finden, was in Zeiten des Arbeitskräftemangels nicht unbedingt einfach ist. 

Haben Sie dafür auch eine so pragmatische Lösung wie beim Thema Bürokratieabbau an Bord? 

Wir setzen zum Beispiel auf die Schulpatenschaften der IHK Schwaben. Damit können wir uns als attraktives Ausbildungsunternehmen positionieren. In unserem Unternehmen motivieren wir unsere Kolleginnen und Kollegen dazu sich weiterzubilden, um fit für die Zukunft zu bleiben. Die Beschäftigten sind die wichtigste Ressource eines Unternehmens. Deshalb ist es auch eine der größten Verantwortungen der Unternehmer, sich gut um sie zu kümmern. 

Doch selbst mit teil-autarker Energieversorgung und guten Mitarbeitern bleibt das Ausland für viele Unternehmen eine Herausforderung, da es sich dort oft günstiger produzieren lässt. Wie schätzen Sie die Situation ein? 

Die Energiekosten sind in Deutschland deutlich teurer, als im Ausland. Das ist ein Standortnachteil, den wir uns nicht schönreden können. Deshalb hat Sortimo in die eigene Stromversorgung investiert. Damit konnten wir uns zwar von den Stromkosten unabhängiger machen. Aber ein Marktbegleiter, der weniger für Strom bezahlen muss, weil er im Ausland produziert, hätte dieses Geld in Innovation investieren können. 

Wenn wir über gestiegene Energiekosten sprechen, müssen wir auch das Thema Zinsen und Inflation reden. Wie gehen Sie damit bei Sortimo um?

 Sortimo hat den großen Vorteil, dass wir gut 50 Jahre erfolgreich gewirtschaftet haben. Wir haben eine sehr hohe Eigenkapitalquote und versuchen, wenn möglich, immer aus dem Cashflow heraus zu investieren. Kredite fallen bei uns finanziell deshalb auch nicht so ins Gewicht. Ich denke, das ist auch klassisches Mittelstands-Denken. Nichts desto trotz ist natürlich auch Sortimo von anderen Märkten abhängig. Etwa bei der Beschaffung von Rohstoffen. Und hier bekommen wir die gestiegenen Preise auch zu spüren. Insgesamt kann ich Ihnen aber versichern: Sortimo geht es gut. 

Schwaben ist eine Exportregion. Bislang liegt der Fokus auf dem innereuropäischen, nordamerikanischen und asiatischen Markt. Südamerika und Afrika sind bislang noch weniger auf dem Schirm unserer Unternehmen. Gibt es dort aber nicht auch Potential? 

Obwohl diese Regionen noch nicht im Fokus stehen, sind sie meiner Meinung nach höchstinteressant. Deswegen würde ich nicht sagen, dass diese Märkte nicht auf dem Radar der Unternehmen sind. Es geht vielmehr um etwas anderes: Wenn Unternehmen im Ausland gute Geschäfte machen wollen, ist Planungssicherheit ganz wichtig. Für Südamerika wird derzeit an einem Freihandelsabkommen gearbeitet, das für mehr Planungssicherheit sorgen soll. Bei diesen Fragen ist aber auch die Politik gefordert. Mein Apell ist deshalb an München, Berlin und Brüssel: Schaffen Sie gute Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen und sie werden den Weg aus der Krise erfolgreich meistern.

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