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Beim Augsburger Rüstungsunternehmen Renk Group AG jagt ein Rekord den anderen. Im vergangenen Geschäftsjahr haben Umsatz, Auftragseingang und Auftragsbestand neue Höchststände erreicht. Ende des Jahres hatte Renk einen Gesamtauftragsbestand von 6,68 Milliarden Euro und seinen Umsatz um rund 20 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro gesteigert. Vor allem das Verteidigungsgeschäft hatte deutlich zugelegt: um 24 Prozent.
Gleichzeitig geht es Renks CEO Alexander Sagel mit Blick auf „die Lage“, die er nicht genauer definierte, in der Rüstungsindustrie nicht schnell genug.
„Jetzt ist der Moment, in dem alle Beteiligten – Politik, Industrie und Gesellschaft – noch einmal zusätzliche Anstrengungen unternehmen müssen“, sagte Sagel auf der Hauptversammlung und forderte hier mehr Tempo. Sagel hat hierzu zwei Forderungen genannt: Erstens solle die Lieferkette der Rüstungsindustrie als unverzichtbare Säule der Landes- und Bündnisverteidigung verstanden werden. „Zweitens: Europa muss seine Zusammenarbeit im Verteidigungssektor intensivieren und seine Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit konsequent fördern“, forderte Sagel.
Zudem bekennt sich Renk laut Sagel zur Partnerschaft mit den USA. Diese seien der wichtigste Partner in der Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Seit Donald Trumps zweiter Amtszeit ist das Verhältnis zwischen den USA und der NATO angeschlagen. So wollen die USA zum Beispiel Truppen aus Deutschland abziehen. Sagel fordert, dass das transatlantische Bündnis gestärkt wird.
Renk America hatte 2025 einen Auftragseingang von mehr als 500 Millionen US-Dollar. Zudem hat Renk in den USA das auf Präzisionsgetriebe und Antriebstechnologien spezialisierte Unternehmen Cincinnati Gearing Systems gekauft und als Renk America Marine & Industry integriert.
Renk konzentriert sich in Zukunft fast komplett auf die Rüstungsindustrie. Bis 2030 soll der Konzernumsatz, ohne Zukäufe, auf 2,8 bis 3,2 Milliarden Euro steigen. Das Rüstungsgeschäft soll daran einen Anteil von bis zu 90 Prozent haben. Dementsprechend teilte Sagel auf der Hauptversammlung mit, dass am Standort Rheine, Flächenreserven eines Werks für Industriegetriebe für den Rüstungssektor genutzt werden sollen.
Renk will sich im Rahmen seiner Agenda „NextGen Mobility“ in Zukunft weiter darauf konzentrieren, seine Fahrzeuge zu elektrifizieren und zu hybridisieren. Auch Digitalisierung und Autonomisierung spielen eine Rolle. Zudem will sich Renk in der Rüstungsindustrie neue Produktsegmente erschließen und Unternehmen zukaufen. Konkreter wurde Sagel hier nicht.
Er kündigte aber an, dass Renk auf der Rüstungsmesse Eurosatory gemeinsamt mit der finnischen Rüsungsfirma Patria das erste schwere Ketten-UGV im Bereich zwischen 10 bis 20 Tonnen präsentieren will. Für Renk sei das ein wichtiger Schritt in das wachsende Marktsegment der unbemannten Landplattformen. „Die Frage ist nicht, ob Drohne oder Panzer, ob bemannt oder unbemannt – die Zukunft liegt in der intelligenten Kombination und Nutzung dieser Systeme“, sagt Sagel mit Blick auf die Entwicklung der Rüstungsindustrie.
Ganz will sich Renk aber nicht aus dem zivilen Bereich herausziehen: Sagel hofft bei alternativen Energien und der Smartindustrie ebenfalls auf ein Stück Kuchen. „Der Fokus liegt hier auf der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sowie Kostenoptimierung“, sagte er.
Für 2026 erwartet Renk, dass Umsatz und EBIT erneut wachsen: Der Umsatz soll bei über 1,5 Milliarden liegen, das EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro. Durch die Ergebnisse des ersten Quartals sieht sich Renk in diesem Kurs bestätigt.
Ende dieses Jahres wird den Aktionären eine Dividende von 0,58 Euro je Aktie ausgeschüttet. Der Bilanzgewinn lag 2025 bei 64,77 Millionen Euro. Im August 2025 hat Triton seine verbliebenen Anteile an die Renk Group verkauft und hat sich damit nach fünf Jahren wieder vollständig zurückgezogen. 2020 hatte Triton Renk von VW abgekauft.
Claus von Hermann ist auf eigenen Wunsch aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Sein Nachfolger, Klaus Richter, wurde mit einer Zustimmungsquote von 99 Prozent gewählt. Richter war bisher unter anderem im Vorstand der Airbus Group, Präsident des Branchenverbandes BDLI und Vorstandssprecher der Diehl Gruppe. „Mit Dr. Klaus Richter gewinnt Renk einen erfahrenen Strategen, der unsere Wachstumsphase mit der richtigen Expertise begleitet“, sagt Sagel.