3,5 Milliarden Euro Schaden

Handel kämpft gegen „Kavaliersdelikt“ Ladendiebstahl

Die Bürgermeister-Fischer-Straße von oben. Foto: Iris Zeilnhofer/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Shoppen ohne zu bezahlen – das kostete den Deutschen Handel 2018 rund 3,5 Milliarden Euro. Besonders beliebt sei diese „Bagatelle“ bei Diebesbanden aus dem Ausland, erklärt der Handelsverband Bayern und plädiert für eine Ursachen-Bekämpfung: Höhere Strafen.

Klein und teuer: diese Kombination gilt als beliebt, wenn es um Ladendiebstähle geht. Ein Parfüm, ein Videospiel, oder ein teurer Lippenstift verschwinden schnell in (Jacken)Taschen. Wer weiß wie, kann auch verhindern, dass es beim Verlassen des Geschäftes piepst. Dadurch geht dem deutschen Einzelhandel jährlich laut einer EHI-Studie durchschnittlich knapp 1 Prozent des Umsatzes verloren. In Zahlen sind das rund 3,5 Milliarden Euro im letzten Jahr. Ladendiebstahl ist also kein Kavaliersdelikt.

„Gut organisierte Banden schlagen immer häufiger zu“

2016 wurden 355.972 Fälle von Ladendiebstahl in Deutschland erfasst. Organisierte Diebesbanden seien mit eines der Hauptprobleme, so Bernd Brenner, Bezirksvorsitzender des Handelsverband Bayern. Nicht die Gelegenheits-Diebstähle durch Teenager oder Kleptomanen. Auch HBE-Vizepräsident Matthias Zwingel erklärte im Oktober 2018: „Gut organisierte Banden schlagen immer häufiger zu. Da sind oft Profis am Werk, die auf Bestellung klauen. Wir brauchen stärkere repressive Maßnahmen der Justiz.“

Der Handel sieht sich hier von der Politik alleingelassen, denn die Strafen für Ladendiebstahl seien sehr gering – gerade bei Ersttätern oder Waren im Wert von wenigen hundert Euro. Täter hätten nicht einmal Untersuchungshaft zu fürchten, erklärte Brenner bei einem Empfang in Augsburg. Das locke Täter, gerade aus dem Ausland, an, ist er überzeugt. Der Anteil nicht deutscher Tatverdächtiger lag 2016 laut polizeilicher Kriminalstatistik bei rund 44,6 Prozent.

Hohe Aufklärungsquote, hohe Dunkelziffer

Die Statistik spricht zwar von einer Aufklärungsquote von gut 90 Prozent bei Ladendiebstählen, doch das gilt nur für angezeigte Fälle. Hierbei wird oft der vor Ort geschnappte Täter vom Handel mitgeliefert. Das Problem ist die Dunkelziffer. Höhere Strafen hätten hier einen abschreckenden Effekt und würden Ladendiebstähle nicht weiter bagatellisieren, ist der Handelsverband überzeugt.

Überwachung als Lösung?

Ganz machtlos sind die Geschäfte nicht. Aber Maßnahmen wie Kameraüberwachung, Security am Eingang  oder Ladendetektive kosten zum einen Geld, zum anderen würden dadurch auch die Mitarbeiter der Läden bei Ihrer Arbeit überwacht werden. Auf den Kosten bleiben zudem die Einzelhändler sitzen.

Hunderte Millionene Euro Steuerverluste

Doch durch Diebstahl verliert nicht nur der Handel Geld. Auch dem Staat gehen mehrere hundert Millionen Euro an Steuern durch die Lappen – und damit der ganzen Gesellschaft. Es sollte daher im politischen Interesse liegen, hier schärfer durchzugreifen. Doch es geschieht, laut Handelsverband, aktuell nichts. „Letztlich wurden wir zum Klau-Paradies“, betonte Brenner mit Nachdruck.

Für Waren zu bezahlen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Dennoch rechnet die Statistik vor, dass sich jeder Bürger jährlich an Waren im Wert von 28 Euro bedient, ohne zu bezahlen. Es sollte im gesellschaftlichen und politischen Interesse liegen, organisierte Kriminalität mit allen Mitteln zu bekämpfen.

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Der Handel sieht sich hier von der Politik alleingelassen, denn die Strafen für Ladendiebstahl seien sehr gering – gerade bei Ersttätern oder Waren im Wert von wenigen hundert Euro. Täter hätten nicht einmal Untersuchungshaft zu fürchten, erklärte Brenner bei einem Empfang in Augsburg. Das locke Täter, gerade aus dem Ausland, an, ist er überzeugt. Der Anteil nicht deutscher Tatverdächtiger lag 2016 laut polizeilicher Kriminalstatistik bei rund 44,6 Prozent.

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