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B4BSCHWABEN.de: Wenn ich an ein mittelständisches Unternehmen denke: Vielleicht 50 Mitarbeitende, der Chef hat wenig Wissen zu KI, die Mitarbeitenden auch nicht so wirklich. Wie kommt man dahin?
Dr. Marietta Menner: Am Centre for Future Production machen wir verschiedene Angebote, insbesondere im Rahmen des KI-Produktionsnetzwerks. Das kann erst mal eine Beratung sein, in der man prüft: Was macht das Unternehmen, wo liegen die Herausforderungen und wo könnte es eine Schnittstelle zu unseren Forschungsaktivitäten geben? Ich blicke mit dem Unternehmen da auch gerne spielerisch drauf, denn ich bin auch LEGO® Serious Play®-Trainerin. Da ist es zum Beispiel immer sehr spannend, mit Klemmbausteinen Fragen wie „Wo stehen wir aktuell und was ist unser Ziel in fünf Jahren?“ zu visualisieren. Da kommen bei Mitarbeitenden oft konkrete Ansatzpunkte heraus, wo wir ansetzen können. Zum Beispiel ist der Wissenstransfer im Unternehmen ein Riesenthema. Gerade bei Mittelständlern sind ganz viele Wissensträger oft die älteren Mitarbeiter. Die haben oft gar nicht die Zeit dazu, ihr Wissen umfänglich weiterzugeben. Dafür kann man KI-Tools nutzen, um den Wissenstransfer zur jüngeren Generation effektiver zu gestalten. Das wäre erst mal ein kleiner Einstieg, der neben dem spielebasierten Ansatz unterstützt, Technikängste zu überwinden.
Wie weit ist unsere Region bereits beim Thema KI?
Ich glaube, dass hier in der Region unglaublich viel passiert. Wir haben ja kürzlich das Centre for Future Production gegründet, welches vielfältige KI-Kompetenzen der Universität Augsburg bündelt. Unsere Arbeiten im KI-Produktionsnetzwerk strahlen weit über die Region hinaus, und werden deutschlandweit wahrgenommen. Zum Beispiel sind wir für unsere Bildungsarbeit vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) für den Hermann-Schmidt-Preis nominiert. Eine Rolle spielt hier auch, dass man bei in unserem KI-Erlebnisraum „Halle 43“ sehen kann, wie künstliche Intelligenz angewendet wird, und auch selbst ins Tun kommt. Ein Vorteil in der Region ist, dass die Forschungseinrichtungen an den Themen übergreifend zusammenarbeiten und auch Unternehmen daran beteiligt sind. Ich denke, wir sind auf alle Fälle auf einem sehr, sehr guten Weg, vor allem, weil wir interdisziplinär vorgehen.
Wenn wir noch mal zu dem Augusta-Preis zurückkommen: Sie sind Führungskraft in einem männlich dominierten Bereich. In Deutschland stagniert seit zehn Jahren der Frauenanteil in Führungspositionen bei ca. 29 Prozent. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?
Ich denke, das sind verschiedene Aspekte. Ein Aspekt, den ich auch immer wieder im Bekanntenkreis mitbekomme, ist, dass man sich selbst oft eine gehobene Stelle nicht zutraut. Ich konnte in diese Rolle hineinwachsen und habe schrittweise mehr Sicherheit bekommen. Es bräuchte vielleicht auch mehr Begleitung, um in eine Führungsrolle hineinwachsen zu können. Ein anderer Aspekt ist, dass es als Führungskraft nach wie vor sehr schwierig ist, Beruf und Familie zu verbinden. Die häufig noch sehr unflexiblen Betreuungszeiten schränken einen in der Arbeitsplanung schon sehr ein. Wenn man dann kein familiäres Umfeld hat, das unterstützt, ist es unglaublich schwierig, den Aufgaben als Führungskraft gerecht werden zu können. Ich finde, es braucht beispielsweise auch mehr Betreuungsmodelle direkt in den Arbeitsstätten der Eltern, auch für Kinder über das Kita-Alter hinaus. Denn am Ende des Tages muss sonst aktuell eigentlich immer ein Partner beruflich zurückstecken und das ist dann häufig immer noch die Frau.
Welche Bedeutung hat der Augusta-Preis aus Ihrer Sicht für Frauen, in der Wirtschaft, in Unternehmen, in Führungspositionen?
Der Preis schafft Sichtbarkeit für das, was Frauen leisten. Er zeigt auch, wie unterschiedlich die Wege sein können, und ermutigt. Mein Weg zum Beispiel, von der Auszubildenden zur Geschäftsführung, von der Pädagogik in die Naturwissenschaften: Das ist kein geradliniger Weg. Das zeigt, dass es viele verschiedene Wege gibt, Zukunftspionierin oder Top-Managerin zu werden. Dass die verschiedenen Fähigkeiten und Kompetenzen, die ich mir auf meinem Lebensweg aneigne, am Ende zusammenführen und einen beruflich weiterbringen. Es lohnt sich, verschiedene Abzweigungen auf dem Lebensweg zu nehmen. Mir ist bei der Preisverleihung klargeworden, dass diese ganzen Schritte, bei denen ich mich früher gefragt habe, warum ich sie gehen muss, am Ende Mosaiksteine sind und auf meinem Weg Sinn ergeben.