Kommentar

Energiepolitik in Deutschland: Brauchen wir ein Ende der Wende?

Symbolbild zum Thema Energiewende/Stromnetz. Foto: iStock / chameleonseye
Damit unsere Energie ökologisch und sicher ist, will die Bundesregierung seit ein paar Jahren von der Atom- auf die erneuerbare Energie umschwenken. Doch immer wieder werden Stimmen laut, nach denen die Wende gescheitert ist, gar mehr negative als positive Folgen hat. Ist es Zeit für eine Kehrtwende?

Das Thema kam kürzlich wieder beim vbw Neujahrsempfang auf. Im Augsburger Rathaus trafen sich Unternehmer und Politiker auf Einladung der Arbeitgeberverbände im Fürstensaal. Als Gastredner sprach Bundesminister a.D. Wolfgang Clement. Wie sein Vorredner Philipp Erwein Prinz von der Leyen übte er scharfe Kritik an der Energiewende – unter dem Applaus der rund 600 Gäste.

Beide kritisierten unrealistische Ziele, zu hohe Preise und zu wenig Auswirkung auf den globalen Klimaschutz. Das Klimaziel 2020 wurde bereits von der Politik zurückgenommen. Der Ausbau der Netze gehe nur schleppend voran und sei kostspielig. Das eingesparte CO2 mache im weltweiten Vergleich eigentlich keinen Unterschied. Ein Prozent der Weltbevölkerung könne nicht die Erde retten, zeigte sich Clement überzeugt. Atomenergie sei zudem die CO2-ärmste Variante, Kohle abzuschaffen würde tausende Arbeitsplätze kosten und wenn zu viel Strom im Netz ist, wird dieser auch noch mit einer Prämie obendrauf verschenkt. Herr von der Leyen rechnete zudem vor, die Herstellung und Entsorgung einer Speicherbatterie eines E-Autos produziere so viel CO2 wie ein Dieselfahrzeug in acht Jahren.

Wer diese Argumente einen Moment auf sich wirken lässt, stellt sich schnell die Frage: War die Wende sinnvoll? Fahren wir den richtigen Kurs? Was Clement und von der Leyen hier vorbrachten, sind allerdings keine unüberwindbare Hürden. Sicher, die Probleme sind real und seit langem bekannt. Sie lassen sich jedoch gut anpacken, denn wie in jedem Unternehmen gilt: Wer erfolgreich in der Zukunft sein will, muss rechtzeitig investieren – in Technologien, in Infrastruktur und in Know-how.

Wir brauchen also nicht weniger sondern eher mehr Wende. Ehrgeizige Ziele erreichen wir nicht, indem wir unsere Anstrengungen zurückfahren. Netze werden nicht breiter und weitreichender, wenn wir das Geld für den Ausbau kappen. Atomkraftwerke mögen kaum CO2 verursachen, dafür radioaktiven Müll, der wohl kaum minder umweltbelastend ist. Aktuell können wir die abschüssige Energie vielleicht noch nicht speichern, doch was, wenn dies kreative Köpfe anspornt, eine wirtschaftlich lukrative Lösung zu entwickeln?

Mögen manche die Anstrengungen für die Energiewende auch als Tropfen auf dem heißen Stein abtun, könnten genau diese am Ende der Funke sein, der das Umdenken weltweit entfacht. Die geschilderten Probleme könnten wahre Goldgruben für neue Technologien sein. Ja, die Energiewende klappt noch nicht. Ja, die Ziele waren zu ehrgeizig gesteckt. Ja, es wurden Fehler gemacht. Doch wie sagte schon Thomas A. Edison: Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.

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Das Thema kam kürzlich wieder beim vbw Neujahrsempfang auf. Im Augsburger Rathaus trafen sich Unternehmer und Politiker auf Einladung der Arbeitgeberverbände im Fürstensaal. Als Gastredner sprach Bundesminister a.D. Wolfgang Clement. Wie sein Vorredner Philipp Erwein Prinz von der Leyen übte er scharfe Kritik an der Energiewende – unter dem Applaus der rund 600 Gäste.

Beide kritisierten unrealistische Ziele, zu hohe Preise und zu wenig Auswirkung auf den globalen Klimaschutz. Das Klimaziel 2020 wurde bereits von der Politik zurückgenommen. Der Ausbau der Netze gehe nur schleppend voran und sei kostspielig. Das eingesparte CO2 mache im weltweiten Vergleich eigentlich keinen Unterschied. Ein Prozent der Weltbevölkerung könne nicht die Erde retten, zeigte sich Clement überzeugt. Atomenergie sei zudem die CO2-ärmste Variante, Kohle abzuschaffen würde tausende Arbeitsplätze kosten und wenn zu viel Strom im Netz ist, wird dieser auch noch mit einer Prämie obendrauf verschenkt. Herr von der Leyen rechnete zudem vor, die Herstellung und Entsorgung einer Speicherbatterie eines E-Autos produziere so viel CO2 wie ein Dieselfahrzeug in acht Jahren.

Wer diese Argumente einen Moment auf sich wirken lässt, stellt sich schnell die Frage: War die Wende sinnvoll? Fahren wir den richtigen Kurs? Was Clement und von der Leyen hier vorbrachten, sind allerdings keine unüberwindbare Hürden. Sicher, die Probleme sind real und seit langem bekannt. Sie lassen sich jedoch gut anpacken, denn wie in jedem Unternehmen gilt: Wer erfolgreich in der Zukunft sein will, muss rechtzeitig investieren – in Technologien, in Infrastruktur und in Know-how.

Wir brauchen also nicht weniger sondern eher mehr Wende. Ehrgeizige Ziele erreichen wir nicht, indem wir unsere Anstrengungen zurückfahren. Netze werden nicht breiter und weitreichender, wenn wir das Geld für den Ausbau kappen. Atomkraftwerke mögen kaum CO2 verursachen, dafür radioaktiven Müll, der wohl kaum minder umweltbelastend ist. Aktuell können wir die abschüssige Energie vielleicht noch nicht speichern, doch was, wenn dies kreative Köpfe anspornt, eine wirtschaftlich lukrative Lösung zu entwickeln?

Mögen manche die Anstrengungen für die Energiewende auch als Tropfen auf dem heißen Stein abtun, könnten genau diese am Ende der Funke sein, der das Umdenken weltweit entfacht. Die geschilderten Probleme könnten wahre Goldgruben für neue Technologien sein. Ja, die Energiewende klappt noch nicht. Ja, die Ziele waren zu ehrgeizig gesteckt. Ja, es wurden Fehler gemacht. Doch wie sagte schon Thomas A. Edison: Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.

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