Energiedialog Schwaben 2015

Energiedialog Schwaben: Dezentral statt digital – Brauchen wir die alte Energiewelt noch?

Intensive Podiumsdiskussion beim dritten Energiedialog Schwaben 2015. Foto: Energiedialog Schwaben / Fred Schöllhorn
Veranstalter, Redner und Diskutanten des Energiedialogs Schwaben 2015. Foto: Energiedialog Schwaben / Fred Schöllhorn

Heiß diskutiert wurde beim dritten Energiedialog Schwaben 2015. Am 18. November kamen rund 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien zusammen. Das Podium war hochrangig besetzt. Detlef Fischer (VBEW), Prof. Hubert Weiger (BUND), Prof. Dr. Hamacher (TU München), Roland Kreitmeier (Siemens AG) und Ranga Yogeshwar debattierten: „Dezentral statt digital: Brauchen wir die alte Energiewelt noch?“

Das Haus war voll, das Meinungsspektrum kontrovers. Eingeladen zum Energiedialog Schwaben 2015 hatten IHK und HWK Schwaben, die Allgäuer Überlandwerke, erdgas schwaben, die Lechwerke und die Stadtwerke Augsburg. Der Abend stellte die Frage: Wie wird die Energiewelt von morgen aussehen? Viele Aspekte bewiesen ihr Konfliktpotenzial. In einem aber herrschte Einigkeit: Die Digitalisierung wird die Energiewelt nachhaltig verändern.

Digitalisierung gehört zur Energiezukunft

Digitalisierung bestimmt unsere Gegenwart. Das verdeutlichte Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, zu Beginn des Abends: „Dieser Megatrend ist allgegenwärtig und unaufhaltsam und wird unser Leben auf den Kopf stellen. Er wird Prozesse über alle Branchen hinweg beeinflussen – Produktion, Vertrieb und Konsum für alle Zeiten verändern.“

Um die Energiewende zum Erfolg zu führen, setzt Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer auf Dezentralität. Deswegen müssten Speichermöglichkeiten besser erforscht werden: „Wir benötigen mehr Speicherkapazitäten. Nur damit entlasten wir Übertragungs- und Verteilernetze. Nur damit schaffen wir ein stabiles Energiesystem und halten die Wertschöpfung vor Ort.“ Dennoch sieht Pschierer eine dezentrale Energieerzeugung nicht als ausreichend, um Bayern Versorgungssicherheit zu bieten. Dafür seien weiterhin Stromimporte notwendig.

Die Digitalisierung verändert die Menschen

Die Keynote des Abends gab Ranga Yogeshwar. Der bekannte Wissenschaftsjournalist fokussierte auf die digitale Revolution als „epochalen Umbruch“. Jener verändere auch die Menschen selbst: „Sie werden zunehmend zu Prosumern, sie konsumieren und produzieren gleichermaßen. Diese Mitmachkultur durchdringt alle Lebensbereiche – auch das Thema Energie. Seinen Strom dezentral im eigenen Haushalt zu erzeugen, ist ein Trend, der sich nicht aufhalten lässt.“ Zweifelsohne sei Deutschland im digitalen Wandel. Yogeshwar befürchtet aber, dass es den Anschluss an die digitalen Vorreiter, größtenteils aus den USA, verlieren könnte: „Mir fehlt Kreativität, der Spirit, selbst zur Revolution beizutragen.“

Wie ist die Energiewende zu schaffen?

Ähnlich sprach Roland Kreitmeier, Leiter der Augsburger Niederlassung der Siemens AG, von der Notwendigkeit, in moderne Technologien zu investieren. Es brauche neue Ideen, um die Energiewende zu schaffen. Prof. Dr. Hamacher, Leiter des Lehrstuhls für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme (TU München), betonte, dass technischer Fortschritt allein nicht ausreiche. Die Bundesregierung müsse einen regulatorischen Rahmen errichten. „Nur so kann die Energiewende in geordneten Bahnen ablaufen. In dem Punkt ist bisher allerdings nicht genügend passiert“, so Hamacher. Versäumnisse betonte ebenfalls Prof. Weiger, Vorsitzender des BUND: „Die Politik wird zunehmend zum Blockierer statt Förderer der Energiewende. Wie kann es sein, dass zahlreiche Braunkohlekraftwerke weiterlaufen, während das EEG immer mehr beschnitten wird und die 10H-Regelung den Ausbau der Windkraft in Bayern annähernd zum Erliegen bringt?“

Was kostet die Energiewende?

Nach den Kosten hingegen fragte Detlef Fischer, Geschäftsführer des VBEW. „Wir geben jährlich 30 Milliarden Euro für die Energiewende aus. Es ist unklar, wer dafür die nächsten 20 Jahre aufkommen soll.“ Kleinverbraucher, die ihren Strom selbst produzierten, vermieden die Abgaben für die Energiewende. Die Industrie wehre sich gegen die Beteiligung an der Finanzierung. „Eine Lösung dieser Problematik bleibt uns die Politik seit Jahren schuldig“, so Fischer.

Mehr Mitspracherecht gewünscht

Das Publikum diskutierte intensiv mit. Der Hinweis wurde laut, dass Bürger mehr Mitspracherecht möchten. Ideen und Initiativen sollten staatlich stärker unterstützt werden. Das Podium sprach sich ebenfalls für stärkere Bürgerbeteiligung aus. Es folgte aber ein Appell zum allgemeinen Umdenken: „Alle Mitglieder einer Gesellschaft müssen sich auch ohne Subventionen der Energiewende verpflichtet fühlen. Dazu gehört auch Veränderungen, beispielsweise eine unschöne Stromtrasse in der Nachbarschaft, zu akzeptieren“, argumentierte Prof. Dr. Hamacher. 

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Veranstalter, Redner und Diskutanten des Energiedialogs Schwaben 2015. Foto: Energiedialog Schwaben / Fred Schöllhorn

Heiß diskutiert wurde beim dritten Energiedialog Schwaben 2015. Am 18. November kamen rund 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien zusammen. Das Podium war hochrangig besetzt. Detlef Fischer (VBEW), Prof. Hubert Weiger (BUND), Prof. Dr. Hamacher (TU München), Roland Kreitmeier (Siemens AG) und Ranga Yogeshwar debattierten: „Dezentral statt digital: Brauchen wir die alte Energiewelt noch?“

Das Haus war voll, das Meinungsspektrum kontrovers. Eingeladen zum Energiedialog Schwaben 2015 hatten IHK und HWK Schwaben, die Allgäuer Überlandwerke, erdgas schwaben, die Lechwerke und die Stadtwerke Augsburg. Der Abend stellte die Frage: Wie wird die Energiewelt von morgen aussehen? Viele Aspekte bewiesen ihr Konfliktpotenzial. In einem aber herrschte Einigkeit: Die Digitalisierung wird die Energiewelt nachhaltig verändern.

Digitalisierung gehört zur Energiezukunft

Digitalisierung bestimmt unsere Gegenwart. Das verdeutlichte Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, zu Beginn des Abends: „Dieser Megatrend ist allgegenwärtig und unaufhaltsam und wird unser Leben auf den Kopf stellen. Er wird Prozesse über alle Branchen hinweg beeinflussen – Produktion, Vertrieb und Konsum für alle Zeiten verändern.“

Um die Energiewende zum Erfolg zu führen, setzt Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer auf Dezentralität. Deswegen müssten Speichermöglichkeiten besser erforscht werden: „Wir benötigen mehr Speicherkapazitäten. Nur damit entlasten wir Übertragungs- und Verteilernetze. Nur damit schaffen wir ein stabiles Energiesystem und halten die Wertschöpfung vor Ort.“ Dennoch sieht Pschierer eine dezentrale Energieerzeugung nicht als ausreichend, um Bayern Versorgungssicherheit zu bieten. Dafür seien weiterhin Stromimporte notwendig.

Die Digitalisierung verändert die Menschen

Die Keynote des Abends gab Ranga Yogeshwar. Der bekannte Wissenschaftsjournalist fokussierte auf die digitale Revolution als „epochalen Umbruch“. Jener verändere auch die Menschen selbst: „Sie werden zunehmend zu Prosumern, sie konsumieren und produzieren gleichermaßen. Diese Mitmachkultur durchdringt alle Lebensbereiche – auch das Thema Energie. Seinen Strom dezentral im eigenen Haushalt zu erzeugen, ist ein Trend, der sich nicht aufhalten lässt.“ Zweifelsohne sei Deutschland im digitalen Wandel. Yogeshwar befürchtet aber, dass es den Anschluss an die digitalen Vorreiter, größtenteils aus den USA, verlieren könnte: „Mir fehlt Kreativität, der Spirit, selbst zur Revolution beizutragen.“

Wie ist die Energiewende zu schaffen?

Ähnlich sprach Roland Kreitmeier, Leiter der Augsburger Niederlassung der Siemens AG, von der Notwendigkeit, in moderne Technologien zu investieren. Es brauche neue Ideen, um die Energiewende zu schaffen. Prof. Dr. Hamacher, Leiter des Lehrstuhls für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme (TU München), betonte, dass technischer Fortschritt allein nicht ausreiche. Die Bundesregierung müsse einen regulatorischen Rahmen errichten. „Nur so kann die Energiewende in geordneten Bahnen ablaufen. In dem Punkt ist bisher allerdings nicht genügend passiert“, so Hamacher. Versäumnisse betonte ebenfalls Prof. Weiger, Vorsitzender des BUND: „Die Politik wird zunehmend zum Blockierer statt Förderer der Energiewende. Wie kann es sein, dass zahlreiche Braunkohlekraftwerke weiterlaufen, während das EEG immer mehr beschnitten wird und die 10H-Regelung den Ausbau der Windkraft in Bayern annähernd zum Erliegen bringt?“

Was kostet die Energiewende?

Nach den Kosten hingegen fragte Detlef Fischer, Geschäftsführer des VBEW. „Wir geben jährlich 30 Milliarden Euro für die Energiewende aus. Es ist unklar, wer dafür die nächsten 20 Jahre aufkommen soll.“ Kleinverbraucher, die ihren Strom selbst produzierten, vermieden die Abgaben für die Energiewende. Die Industrie wehre sich gegen die Beteiligung an der Finanzierung. „Eine Lösung dieser Problematik bleibt uns die Politik seit Jahren schuldig“, so Fischer.

Mehr Mitspracherecht gewünscht

Das Publikum diskutierte intensiv mit. Der Hinweis wurde laut, dass Bürger mehr Mitspracherecht möchten. Ideen und Initiativen sollten staatlich stärker unterstützt werden. Das Podium sprach sich ebenfalls für stärkere Bürgerbeteiligung aus. Es folgte aber ein Appell zum allgemeinen Umdenken: „Alle Mitglieder einer Gesellschaft müssen sich auch ohne Subventionen der Energiewende verpflichtet fühlen. Dazu gehört auch Veränderungen, beispielsweise eine unschöne Stromtrasse in der Nachbarschaft, zu akzeptieren“, argumentierte Prof. Dr. Hamacher. 

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