Kommentar

Endlich ein Mittel gegen den Augsburger Mietpreis-Wahn?

Symbolbild. Foto: iStock / ricochet64 | vmm wirtschaftsverlag | B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Lange war Augsburg eine der wenigen deutschen Großstädte, die keinen Mietspiegel hatten. Das hat sich nun geändert – und dafür war es auch höchste Zeit.

Seit dem 19. Dezember hat Augsburg einen Mietspiegel. Angewendet werden kann er auf rund 100.000 Mietverhältnisse in Augsburg. Anders gerechnet: Zwei Drittel der Bevölkerung können ihn für sich nutzen.

Dabei gibt er Auskunft über die Höhe der ortsüblichen Miete. Das hat zahlreiche Vorteile. So können mithilfe des Mietspiegels gerichtliche Auseinandersetzungen im Vorfeld reduziert werden. Doch vor allem dient er als Grundlage für die Mietpreisbremse. Sie wurde vom Deutschen Bundestag beschlossen, um zu verhindern, dass die Mieten weiterhin unkontrolliert ansteigen. Auch in Augsburg gilt die Mietpreisbremse seit August 2015. Inwiefern sie bisher umgesetzt werden konnte, ist fraglich. Denn ohne Mietspiegel war es bisher schlichtweg unmöglich, die ortsübliche Miete zu bestimmen.

Kritiker dieses poltischen Instruments argumentieren hingegen immer wieder, dass Augsburg mehr Wohnungen braucht – und dass eine Mietpreisbremse keinen Wohnraum schafft. Vielmehr hindere sie Eigentümer daran, Wohnraum entsprechend zu sanieren. Zudem würden Investoren verunsichert.

Befürworter, wie Augsburgs Dritter Bürgermeister und Sozialreferent Stefan Kiefer, sagen hingegen, dass die Mietpreisbremse sehr wohl für Entlastungen sorgen kann. Denn in angespannten Wohnungsmärkten wie Augsburg schränkt sie zumindest den Anstieg der Mieten ein. Dadurch werden die Mieter entlastet – wenngleich kein neuer Wohnraum entsteht.

Um es zu verdeutlichen: Wer fieberkrank ist, kann mit einem Thermometer erfahren, wie es genau um ihn steht. Gesund macht das Thermometer nicht. Dennoch gibt es eine genaue Auskunft und dient als Grundlage für weiteres Handeln. Ähnlich verhält es sich mit dem Mietspiegel: Er verschafft den Bürgern der Stadt ein objektives Bild vom Wohnungsmarkt. Um die Metapher fortzuführen, ist die Mietpreisbremse das Medikament, das im ersten Schritt gegen die Symptome der Krankheit wirkt.

Mit zahlreichen Bauprojekten steuert Augsburg zudem gegen den Kern des Problems an. Nicht nur die städtische Wohnungsbaugesellschaft setzt zahlreiche Projekte um: In Haunstetten-Südwest soll sogar ein völlig neuer Stadtteil entstehen. Bis zu 12.000 Menschen sollen im neuen Augsburger Viertel künftig leben.

Um es zusammenzufassen: In Zeiten, in denen die Mieten immer weiter steigen, war es höchste Zeit, dass alle Augsburger wissen, ob sie einen fairen Preis für ihre Wohnung zahlen. Für viele ist dies die einzige Chance, dem Mietpreis-Wahn zu entkommen.

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