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B4BSCHWABEN.de: Die BMK Group gehört seit Kurzem zu dem schwedischen Fertigungsunternehmen Hanza AB. Was waren die ausschlaggebenden Gründe dafür?
Bärbel Götz: Der Prozess zieht sich bereits über mehrere Jahre. Die drei Gesellschafter von BMK, inzwischen alle Mitte 60, haben sich schon lange damit beschäftigt, wie sie die Zukunft des Unternehmens nachhaltig sichern können. Deshalb standen wir bereits seit geraumer Zeit mit Hanza im Austausch. Jetzt war der richtige Zeitpunkt, diesen Schritt zu gehen.
Die drei Gesellschafter haben ihre BMK-Anteile in Aktien der schwedischen Aktiengesellschaft Hanza AB eingebracht. Es handelte sich also nicht um einen klassischen Verkauf, sondern um eine Überführung der bisherigen Anteile in eine neue Eigentumsstruktur. Sie halten nun etwa 30 Prozent der Aktien des Gesamtunternehmens.
Was bedeutet das für den Standort Augsburg und für die Mitarbeitenden bei BMK?Vor allem bringt der Zusammenschluss mehr Stabilität und sichert langfristig den Standort. Gleichzeitig eröffnen sich neue Entwicklungsmöglichkeiten. Beide Unternehmen profitieren von Synergien: Hanza ist besonders auf Mechanik und vollständige Produktmontage spezialisiert, während BMK seine Stärken in der Entwicklung, Fertigung und Systemmontage komplexer Elektroniken hat.
Zusätzlich gehören zu Hanza auch Unternehmen der Blech- und Metallverarbeitung – ein Bereich, den wir bislang nicht selbst abdecken konnten. Auch geografisch ergänzen sich die beiden Unternehmen gut: Hanza ist im skandinavischen Markt sehr präsent, BMK vor allem im DACH-Raum und in Norditalien. Durch den Zusammenschluss entsteht der größte börsennotierte europäische Auftragsfertiger. Darüber hinaus ist geplant, weiter zu wachsen und Firmen aus der Metallverarbeitung sowie aus dem Kunststoff‑ und Spritzgussbereich zu integrieren. Hanza verfolgt das klare Ziel, die gesamte Wertschöpfung in Deutschland auszubauen. In diesem Zusammenhang war die Verbindung beider Unternehmen der perfekte Schritt.
Werden jetzt für beide Unternehmen neue Kundensegmente erreichbar?Davon gehen wir aktuell aus. Allerdings ist der Zusammenschluss erst am 7. Januar erfolgt. Wir stehen also noch am Anfang und arbeiten nun gemeinsam an der Integration und der strategischen Ausrichtung.
Es ist ein langer Prozess, zwei Unternehmen zusammenzubringen. Wo befinden Sie sich gerade auf diesem Weg?
Tendenziell stehen wir noch eher am Anfang. Für den gesamten Zusammenschluss haben wir etwa ein Jahr eingeplant. Aktuell passiert besonders viel im Bereich der Markenintegration. Hanza und BMK sind zwei starke Marken, deren Zusammenführung sehr kleinteilig und komplex ist – sowohl extern als auch intern. Im November findet in München wieder die Electronica statt, unsere wichtigste Messe. Dort werden wir unter der Hanza-Fahne auftreten. Da Hanza im Elektronikbereich bislang weniger bekannt ist als BMK, wird es bis dahin eine Übergangsphase unter dem Motto „BMK becoming Hanza“ geben.
Ich habe in der Pressemitteilung gesehen, dass die BMK Group jetzt Hanza BMK heißt. Was passiert mit dem Logo?
Künftig wird das Hanza-Logo verwendet. Die bestehenden BMK-Firmierungen bleiben bestehen, werden jedoch um den Zusatz „Hanza“ ergänzt. Die neue Hauptfarbe wird das Hanza-Purple, ein dunkles Lila.
Aktuell nutzen wir ein Übergangslogo, da sich beide Markenidentitäten noch parallel im Einsatz befinden. Ein kompletter Wechsel ist nicht von heute auf morgen möglich – der Markenübergang ist ein schrittweiser Prozess.
Das betrifft wahrscheinlich auch viele Abläufe. Was sind die größten Herausforderungen zwischen BMK und Hanza?
Wir bei BMK sind ein mittelständisches, bodenständiges Unternehmen und eher zurückhaltend im öffentlichen Auftreten. Hanza ist als börsennotiertes Unternehmen anders aufgestellt. Um diese beiden Welten zusammenzuführen, braucht es viele Gespräche und gegenseitiges Verständnis.
Wie würden Sie die Firmenkulturen von BMK und Hanza beschreiben?
Grundsätzlich sind sich beide Seiten sehr ähnlich. Es herrscht ein offener und transparenter Umgang. Schon während der Due-Diligence-Phase war uns wichtig, dass die Unternehmenskulturen zusammenpassen und Gespräche auf Augenhöhe stattfinden.
Wie werden die beiden Unternehmen strukturiert sein?
Die Strategie von Hanza basiert auf regionalen Clustern. Die einzelnen lokalen Einheiten können sehr autark agieren, denn viele Entscheidungen lassen sich nur vor Ort schnell und fundiert treffen. Würde alles über die Holding in Schweden laufen, wären die Wege zu lang und Prozesse unnötig kompliziert.
Gab es bisher Stolpersteine, mit denen Sie nicht gerechnet hatten?
Es kommt immer wieder vor, dass Prozesse anders ablaufen als erwartet. Dann müssen wir gemeinsam Lösungen finden. Über offene Kommunikation lässt sich jedoch vieles klären. Der CEO von Hanza, Erik Stenfors, ist regelmäßig bei uns vor Ort, sodass ein enger Austausch möglich ist. Oft gibt es auch bereits in einer der beiden Organisationen bewährte Best‑Practice‑Ansätze, die wir aufgreifen und übertragen können.
Wie nehmen Sie die Mitarbeitenden in diesem Prozess mit?
Die schwierigste Phase war die Zeit zwischen Vertragsunterzeichnung und dem offiziellen Zusammenschluss Anfang Januar. In dieser Zeit konnten wir nur eingeschränkt informieren.
Jetzt arbeiten wir aktiv an der Integration. Mitarbeitende besuchen verschiedene Hanza-Standorte und Kolleginnen und Kollegen aus dem Netzwerk kommen nach Augsburg. Zusätzlich informieren wir regelmäßig in Führungskräfterunden und Mitarbeiterveranstaltungen über den aktuellen Stand.
Wenn Sie den Mitarbeitenden einen Satz mitgeben, der die nächsten Monate beschreibt – wie würde der lauten?
Seid offen für Neues und erkennt die Chancen, die uns der Zusammenschluss bietet. Wir können neue Märkte erschließen und gleichzeitig den Standort Augsburg sichern.
Sie geben dem Prozess ein Jahr Zeit. Was muss passieren, damit Sie sagen können, dass er erfolgreich war?
Wenn es uns gelingt, die Stärken beider Unternehmen zu verbinden und gemeinsam neue Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln.
Sie haben am Anfang gesagt, dass in dieser Zusammenarbeit auch eine Sicherung für die Zukunft liegt. Kann ein solcher Zusammenschluss auch helfen, die aktuelle Wirtschaftslage zu bewältigen?
Ich denke schon – vorausgesetzt, die Partner passen gut zusammen. Die Kombination aus Mechanik und Elektronik eröffnet uns neue Möglichkeiten. Wenn Unternehmen ihre Kompetenzen sinnvoll bündeln, können sie ihren Kunden mehr Wertschöpfung bieten und sich im Markt besser behaupten.