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Alexander Diehl: „Gewerbeflächen bieten eine reale Chance für mehr Wohnraum.“
Interviewreihe „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg“

Alexander Diehl: „Gewerbeflächen bieten eine reale Chance für mehr Wohnraum.“

Gewerbeflächen in Wohnraum umzuwandeln, gilt als wichtiger Hebel gegen Wohnraummangel. Doch die Umsetzung ist komplex und oft von langen Verfahren geprägt. Alexander Diehl, Geschäftsführer der brixx Projektentwicklung, spricht über das Potenzial von Umnutzung und Nachverdichtung und warum weniger Bürokratie oft mehr Wirkung entfalten würde.

B4BSCHWABEN.de: Ihr Unternehmen entwickelt Projekte bundesweit – von Gewerbe- und Büroflächen bis zu Wohnquartieren. Wie sehen Sie aktuell das Potenzial, Gewerbeflächen systematisch in Wohnraum umzuwandeln, gerade in angespannten Märkten wie Augsburg?

Alexander Diehl: Wir sehen hier aktuell ein großes Potenzial. Gerade in angespannten Wohnungsmärkten bietet die Umnutzung von Gewerbeflächen eine reale Chance, kurzfristig zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Rückenwind bekommt dieses Thema durch das sogenannte Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus, den „Bauturbo“. Es ermöglicht Kommunen, bis 2030 von bestimmten planungsrechtlichen Vorgaben abzuweichen. Das schafft Spielräume, die es vorher so nicht gab.

Nachverdichtung gilt als zentraler Baustein für mehr Wohnraum und effiziente Quartiere. Wo sehen Sie die größten Chancen – und wo die größten Hürden?

Nachverdichtung bietet große Chancen, vorhandene Flächen besser zu nutzen. Gleichzeitig darf sie nicht zulasten der Qualität gehen. Mehr Wohnraum bedeutet auch höhere Anforderungen an Grünflächen, soziale Infrastruktur, Bildung, Arbeitsplätze und Versorgung. All das muss mitgedacht werden. Entscheidend ist deshalb ein ausgewogener Nutzungsmix, der nicht nur Dichte schafft, sondern auch Lebensqualität.

In Augsburg und Umgebung hat brixx mehrfach Büro- und Gewerbeareale entwickelt oder revitalisiert. Welche Erfahrungen haben Sie bei der Umnutzung gemacht?

Die größte Herausforderung liegt klar im Planungsrecht. Die Umsetzung ist sehr zeitintensiv und mit hohen Anforderungen verbunden. Gerade für Projektentwickler bedeutet das ein erhebliches Risiko, weil lange Verfahren die Wirtschaftlichkeit stark beeinflussen können. Gleichzeitig sehen wir aber, dass sich der Aufwand lohnt, wenn Projekte am Ende tragfähig in den Stadtraum integriert sind.

Quartiersentwicklung verlangt oft Kompromisse zwischen Wirtschaftlichkeit und Lebensqualität. Wie finden Sie diese Balance?

Hier profitieren wir stark von unseren Erfahrungen aus früheren Projekten. Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung ziehen wir konsequent Lehren für zukünftige Entwicklungen. Quartiersentwicklung ist ein Lernprozess. Jede Umsetzung hilft dabei, beim nächsten Projekt Dichte, Nutzung und Qualität noch besser auszubalancieren.

Energiethemen und Nachhaltigkeit gewinnen stark an Bedeutung. Welche Ansätze verfolgen Sie konkret – und wo liegen die größten Stolpersteine?

Wir denken sowohl in einem CO₂-armen Lebenszyklus als auch in Richtung möglichst autarker Energieversorgung. Technisch ist heute vieles möglich. Die größten Stolpersteine liegen allerdings in den regulatorischen Vorgaben. Warum darf der Strom einer PV-Anlage auf dem Dach nicht direkt an Mieter oder Nachbarn geliefert werden? Warum ist es so kompliziert, Heizenergie über den öffentlichen Raum hinweg zu teilen? Weniger Bürokratie würde hier einen deutlich höheren Wirkungsgrad ermöglichen.

Die Zusammenarbeit mit Kommunen ist für komplexe Entwicklungsprozesse essenziell. Wie erleben Sie die Kooperation mit Städten wie Augsburg?

Unsere Erfahrungen sind insgesamt sehr positiv. Besonders der Austausch über das A³-Kernteam ist hilfreich, weil viele Themen frühzeitig diskutiert werden, bevor formale Verordnungen entstehen. Was wir uns wünschen würden, ist noch mehr Mut zu Visionen und ein stärkerer Blick nach vorne, statt Entscheidungen ausschließlich auf Basis vergangener Erfahrungen zu treffen.

Vor dem Hintergrund steigender Baukosten und regulatorischer Anforderungen: Ist die Umwandlung von Gewerbe in Wohnraum eine langfristige Lösung?

Aus unserer Sicht ist sie aktuell nur eine Teilstrategie. Sie hilft, kurzfristig an verfügbare Grundstücke zu kommen, ersetzt aber keine ganzheitliche Stadtentwicklung. Gewerbe gehört genauso zur Stadt wie Wohnen. Kurze Wege, gemischte Nutzungen und reduziertes Verkehrsaufkommen sind nur möglich, wenn beides zusammengedacht wird.

Gewerbe und Wohnen in einem Quartier führen oft zu Nutzungskonflikten. Wie gehen Sie damit um?

Wir versuchen, diese Unterschiede nicht als Konflikt, sondern als Chance zu begreifen. Statt Nutzungen einfach zu kombinieren, denken wir in Clustern. Innenstädte sind nachts oft leer, Wohngebiete tagsüber. Das erzeugt unnötige Verkehrsströme. Gemischt genutzte Quartiere können genau das vermeiden und insgesamt ruhiger und lebenswerter gestaltet werden.

Augsburg steht im Wettbewerb mit Standorten wie München, Nürnberg oder Stuttgart. Was macht die Stadt für Sie attraktiv – und wo sehen Sie Nachholbedarf?

Augsburg punktet mit kurzen Wegen und klaren inhaltlichen Leitlinien. Nachholbedarf sehen wir vor allem bei wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Projektentwicklungen können nicht alle Probleme des öffentlichen Raums oder der Stadtgestaltung lösen. Hier braucht es ein realistisches Verständnis für Rollen und Verantwortlichkeiten.

Zum Abschluss: Wenn Sie eine Leitidee für Stadtquartiere der Zukunft formulieren müssten – wie würde sie lauten?

Stadtquartiere sollten in sich gut vernetzt sein, gleichzeitig aber möglichst autark funktionieren. Sie müssen flexibel genug sein, um auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Veränderungen reagieren zu können. Nur so bleiben sie langfristig lebendig und tragfähig.


Dieses Interview ist Teil einer Gesprächsreihe von B4BSCHWABEN.de zu der Veranstaltung „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern – Impulse, Herausforderungen und Lösungswege“ am 30. Januar 2026, zu der die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH zusammen mit dem A³ Aktivkreis Immobilien einlädt. Gemeinsam mit Entscheidern aus Wohnungswirtschaft, Projektentwicklung und Stadtentwicklung beleuchten wir, wie Kooperationen, professionelle Prozesssteuerung, kluge Regelwerke und neue Formen der Quartiersentwicklung dazu beitragen können, Wohnbauprojekte schneller, effizienter und zukunftsfähiger umzusetzen.

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