Kunstmarkt

Kunst als Geldanlage: Auktionator Georg Rehm im Interview

Am 4. und 5. Juli findet die 287. Versteigerung im Augsburger Kunstaktionshaus Rehm statt. Wir haben bei Georg Rehm nachgefragt, ob Kunst eine verlässliche Kapitalanlage ist und was das teuerste war, das er je versteigert hat.

B4B Wirtschaftsleben Schwaben: Herr Rehm, welche Faktoren bestimmen den Wert eines Kunstwerkes? Und wie ermittelt man diesen schlussendlich?

Georg Rehm: Der Künstler selbst, sein akademischer Hintergrund, die Handwerksleistung, die dahintersteckt und der bisherige Preisverlauf seiner Werke sind entscheidend für die Preisbildung. Bestimmen lässt sich der Wert mithilfe von Nachschlagewerken, Preisbüchern und Ergebnisplattformen. Wichtig ist aber auch ein großer Erfahrungsschatz und das persönliche Gefühl.

Sollten Kunstwerke als Anlage-Objekte in Betracht gezogen werden? Welche Kunstwerke würden sich als solche eignen?

Kunst für reine Anlagezwecke zu kaufen, kann gut gehen, kann aber auch gehörig schief gehen. Preise sind ständig im Fluss, werden für spezielle Richtungen angepasst und häufig auch nach unten verändert. Ein Kunstwerk sollte gefallen, das aktuelle Preis-Leistungsverhältnis sollte dabei in Ordnung sein.

Das erworbene Objekt sollte die Wohnung schmücken und eine gute Qualität haben. Wenn es dann nach vielen Jahren verkauft wird, oder in der nächsten Generation verkauft wird, hat man sehr oft auch am Verkauf Freude, da sich eine Preissteigerung herausstellt. Kunst als Anlage ist Börsenspekulation.

Hat sich ein versteigertes Objekt im Nachhinein schon einmal als wertvoller als erwartet herausgestellt?

Dies kommt schon vor und ist auch wichtiger Bestandteil der Versteigerungskultur, reizt die Käufer. Manche Objekte erhalten eine neue Provenienz, eine neue Zuschreibung, werden nach dem Kauf zusätzlich oder neu recherchiert. Wir beschreiben so gut wie möglich, recherchieren was wir können, aber wer behauptet, er wisse alles, der lügt.

Was können Auktionshäuser, das Galerien nicht können?

Sie können vor allem für den Einlieferer erfolgsorientiert arbeiten. Der Einlieferer bleibt Eigentümer, wir versteigern, bearbeiten und katalogisieren in seinem Auftrag. Das heißt: wir beteiligen uns gegenseitig am Erfolg und freuen uns auch beide, wenn wir ein Limit verdrei- oder vervierfachen können. Zudem haben Auktionshäuser, auch die „Kleinen“ mittlerweile über unsere Präsentationsplattformen Zugang zum weltweiten Markt. Dieser wird auch bedient.

Was war das teuerste, über ihr Haus versteigerte Objekt?

Ein Gemälde von Max Liebermann, ein ehemaliges Hochzeitsgeschenk einer Hamburgerin, die im Großraum Augsburg lebt. Es erzielte 290.000 Euro, mit dem Aufgeld bezahlte unser Kunde in Unterfranken 359.020 Euro.

Wie gelangen die Objekte zu Ihnen? 

Wir lösen Sammlungen auf, bearbeiten Nachlässe und unsere Sachverständigen machen Vorsorge-Schätzungen. Wenn sich jemand verkleinert oder keinen Schmuck mehr trägt, gelangen diese Objekte ebenfalls zu uns. Wir besprechen mit unseren Kunden die Vorschläge die wir als Limit anbieten. Danach erfolgen Katalogisierung und Vermarktung. Das Limit darf nicht unterschritten werden, über einen höheren Preis freut sich der  Besitzer des Objektes und der Auktionator. Dieser erhält davon eine Provision.

Erst Videokunst, dann Malerei, erst Eichenmöbel, jetzt Art Déco. Welcher Kunstmarkt-Trend in den letzten Jahren hat Sie am meisten überrascht?

Dass sich hervorragende Handwerkskunst, also beispielsweise barocke Möbel, momentan so schwertun. Bei den aktuell kleineren Wohnungen und dem Trend zu pflegeleichten Einrichtungsgegenständen, Marmor und Schnörkellosigkeit, war es aber fast folgerichtig, dass sich glatte Formen durchsetzen werden. Aber glauben Sie mir, ich mache meinen Beruf schon über 40 Jahre, so richtig überraschen kann da kaum noch etwas.

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Georg Rehm: Der Künstler selbst, sein akademischer Hintergrund, die Handwerksleistung, die dahintersteckt und der bisherige Preisverlauf seiner Werke sind entscheidend für die Preisbildung. Bestimmen lässt sich der Wert mithilfe von Nachschlagewerken, Preisbüchern und Ergebnisplattformen. Wichtig ist aber auch ein großer Erfahrungsschatz und das persönliche Gefühl.

Sollten Kunstwerke als Anlage-Objekte in Betracht gezogen werden? Welche Kunstwerke würden sich als solche eignen?

Kunst für reine Anlagezwecke zu kaufen, kann gut gehen, kann aber auch gehörig schief gehen. Preise sind ständig im Fluss, werden für spezielle Richtungen angepasst und häufig auch nach unten verändert. Ein Kunstwerk sollte gefallen, das aktuelle Preis-Leistungsverhältnis sollte dabei in Ordnung sein.

Das erworbene Objekt sollte die Wohnung schmücken und eine gute Qualität haben. Wenn es dann nach vielen Jahren verkauft wird, oder in der nächsten Generation verkauft wird, hat man sehr oft auch am Verkauf Freude, da sich eine Preissteigerung herausstellt. Kunst als Anlage ist Börsenspekulation.

Hat sich ein versteigertes Objekt im Nachhinein schon einmal als wertvoller als erwartet herausgestellt?

Dies kommt schon vor und ist auch wichtiger Bestandteil der Versteigerungskultur, reizt die Käufer. Manche Objekte erhalten eine neue Provenienz, eine neue Zuschreibung, werden nach dem Kauf zusätzlich oder neu recherchiert. Wir beschreiben so gut wie möglich, recherchieren was wir können, aber wer behauptet, er wisse alles, der lügt.

Was können Auktionshäuser, das Galerien nicht können?

Sie können vor allem für den Einlieferer erfolgsorientiert arbeiten. Der Einlieferer bleibt Eigentümer, wir versteigern, bearbeiten und katalogisieren in seinem Auftrag. Das heißt: wir beteiligen uns gegenseitig am Erfolg und freuen uns auch beide, wenn wir ein Limit verdrei- oder vervierfachen können. Zudem haben Auktionshäuser, auch die „Kleinen“ mittlerweile über unsere Präsentationsplattformen Zugang zum weltweiten Markt. Dieser wird auch bedient.

Was war das teuerste, über ihr Haus versteigerte Objekt?

Ein Gemälde von Max Liebermann, ein ehemaliges Hochzeitsgeschenk einer Hamburgerin, die im Großraum Augsburg lebt. Es erzielte 290.000 Euro, mit dem Aufgeld bezahlte unser Kunde in Unterfranken 359.020 Euro.

Wie gelangen die Objekte zu Ihnen? 

Wir lösen Sammlungen auf, bearbeiten Nachlässe und unsere Sachverständigen machen Vorsorge-Schätzungen. Wenn sich jemand verkleinert oder keinen Schmuck mehr trägt, gelangen diese Objekte ebenfalls zu uns. Wir besprechen mit unseren Kunden die Vorschläge die wir als Limit anbieten. Danach erfolgen Katalogisierung und Vermarktung. Das Limit darf nicht unterschritten werden, über einen höheren Preis freut sich der  Besitzer des Objektes und der Auktionator. Dieser erhält davon eine Provision.

Erst Videokunst, dann Malerei, erst Eichenmöbel, jetzt Art Déco. Welcher Kunstmarkt-Trend in den letzten Jahren hat Sie am meisten überrascht?

Dass sich hervorragende Handwerkskunst, also beispielsweise barocke Möbel, momentan so schwertun. Bei den aktuell kleineren Wohnungen und dem Trend zu pflegeleichten Einrichtungsgegenständen, Marmor und Schnörkellosigkeit, war es aber fast folgerichtig, dass sich glatte Formen durchsetzen werden. Aber glauben Sie mir, ich mache meinen Beruf schon über 40 Jahre, so richtig überraschen kann da kaum noch etwas.

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