Interview

Digitale Fabrik für Flugtaxis und Drohnen in Augsburg

Wo Unternehmen zusammenarbeiten und Grenzen überwinden, können Zukunftsszenarien wie eine Digitale Fabrik Realität werden. Welche Rolle hier die Region Bayerisch-Schwaben spielt, verraten Dr. Tjark von Reden, Gesamtleiter MAI Carbon, und Oliver Heckemann, Leiter für den Geschäftsbereich Berufliche Bildung bei der IHK Schwaben.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: In München soll eine Denkfabrik für Künstliche Intelligenz entstehen. Ihr Forschungsnetzwerk MAI Carbon plant diese durch eine reale Digitale Fabrik in Augsburg zu ergänzen. In München wird also gedacht und in Augsburg gearbeitet?

Dr. Tjark von Reden: München ist sehr stark im Bereich Forschung. Zum einen mit der Technischen Universität München (TUM), aber auch mit dem Ludwig-Bölkow-Campus, wo viel in Richtung Lufttaxis entwickelt wird. Dort hat auch Airbus ein Entwicklungszentrum. Daher ergibt es Sinn, auf dieses Wissen zurück zu greifen. Dieses Grundlagenwissen muss aber auch in die Unternehmen gebracht und angewendet werden. Augsburg hat dafür geeignete Firmen wie MT Aerospace,  Airbus Helicopters oder Premium AEROTEC, die die Flugtaxi-Fertigung umsetzen können. Deshalb ist Augsburg ein geeigneter Standort für die KI-Werkstatt bzw. den Innovationcampus. Was das Thema Materialwissenschaften betrifft, sehe ich persönlich zudem Augsburg auch sehr gut aufgestellt. Ein Alleinstellungsmerkmal des Innovationscampus ist, dass wir nicht nur die Prozesse digitalisieren wollen, sondern auch das Material und die Konstruktion. Nur in diesem Dreiklang nutzt man das ganze Potential der Digitalisierung.

Die Luft- und Raumfahrtindustrie in Schwabenwird künftig Drohnen und Flugtaxis produzieren. Wie unterstützen Ihr Netzwerk und die IHK Schwaben die Unternehmen aus der Region dabei, sich für die Zukunft zu rüsten?

Dr. von Reden: Die aktuellen Prozesse werden bei der Herstellung von Drohnen und Lufttaxis einfach nicht mehr funktionieren, weil die Stückzahlen so gar nicht realisierbar sind, wenn die Flugtaxis in Serie gehen sollen. Wir als weltweites Netzwerk wollen den Unternehmen dabei helfen, ihre Produktionsverfahren zu automatisieren und neue Technologien zu entwickeln. Nur so können sie eine weltweit führende Rolle einnehmen. Dafür braucht es aber auch entsprechendes Personal.

Und da kommt die IHK ins Spiel, Herr Heckemann?

Oliver Heckemann: Auf Wunsch der Wirtschaft werden wir aktiv, damit die Unternehmen geeignetes Personal für den Flugzeugbau der Zukunft finden. Grob Aircraft aus Memmingen, Premium AEROTEC und auch Airbus Helicopters sind auf uns zugekommen. Sie wollen den Leichtflugzeugbauer von 1986 zusammen mit der IHK Schwaben weiterentwickeln. Da geht es dann einmal um vorhandene Produkte in der Flugzeugindustrie, aber auch um künftige Entwicklungen unter anderem mit Flugtaxis und Drohnen.

Wieso können wir hier eine Vorreiterrolle einnehmen?

Wir sind hier in Süddeutschland in einem hot spot: In Donauwörth entwickelt Airbus gerade den CityAirbus und in München sitzt Lilium, eines der bedeutendsten Startup-Unternehmen, die auch ein Lufttaxi entwickeln. Nicht zu vergessen Volocopter in Bruchsal bei Karlsruhe. Alle drei Firmen wollen letztendlich Luft- oder Flugtaxis an den Start bringen. Sobald das Ganze dann aus der Startup-Phase herauskommt und in die Produktion geht, wollen wir als Region gewappnet sein – auch im Bereich der beruflichen Bildung. Abgesehen davon, wird der Leichtbau in der Flugzeugindustrie in Zukunft ganz allgemein von Bedeutung sein, die Notwendigkeit von Energieeffizienz und Umweltschonung treiben in diese Richtung.

Was muss konkret noch passieren, dass der Innovations-Campus losgehen kann? Was sind da die nächsten Schritte?

Dr. von Reden: Wir hoffen, dass wir vom Freistaat Bayern finanziell unterstützt werden. Es ist schon eine Mammut-Aufgabe, die Unternehmen im Bereich KI und Digitalisierung voranzutreiben. Die Unternehmen sind bereit und wollen auch – da darf es nicht an der Finanzierung scheitern.

Sie wollen auch ein Stück von Söders Hightech-Offensive abhaben. Wie viel erhoffen Sie sich?

Dr. von Reden: Es geht nicht darum etwas vom Kuchen abzubekommen, sondern darum die Wettbewerbsfähigkeit unsere Wirtschaft zu erhalten und auszubauen. Wir begrüßen deshalb, dass die Bayerische Staatsregierung hier aktiv wird, weil es notwendig ist und gehen mit unserem Konzept ins Rennen. Insbesondere KMU wollen wir unterstützen und hoffen, dass dies der Staatsregierung 200 bis 250 Millionen Euro wert ist. Die Unternehmen sind bereit den gleichen Betrag einzubringen, so dass es eine 50-50 Finanzierung wird.

Über welchen Zeitraum?

Dr. von Reden: Über einen Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren. Die Digitalisierung der Unternehmen braucht Zeit. Das ist ein Prozess, der auf lange Sicht gedacht werden muss.

Wie lange wird es dauern, bis die Digitale Fabrik aufgebaut ist?

Dr. von Reden: Wir gehen von drei bis vier Jahren aus. Aber wir wollen nicht alles neu entwickeln, sondern auf viel Bestehendes zurückgreifen. Wir haben hier viele gute Forschungsinstitute, sei es die Universität Augsburg, das Fraunhofer IGCV oder DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt). Und diese Institute haben natürlich schon viel Knowhow und Equipment. Das, was dort schon vorhanden ist, wollen wir weiterentwickeln.

Was ist denn konkret schon da?

Dr. von Reden: Das DLR zum Beispiel hat eine sehr beeindruckende robotergestützte Fertigungsanlage. Wenn man das Fraunhofer IGCV nimmt, die haben verschiedene Prozesse, bei denen auch wieder Roboter automatisiert Bauteile produzieren. Das wären Beispiele von Produktionsverfahren und Technologien, die bereits existieren. Das Vorhandene wollen wir weiterentwickeln und so befähigen, dass es in die Fabrik einfließen kann. Wir wollen die unterschiedlichen Institute miteinander vernetzen und anhand von diesen im Innovations-Campus zeigen, wie das auch in der Realität mit verschiedenen Firmen funktionieren kann. Damit bilden wir die deutsche Unternehmensrealität ab, die sich auf viele KMU stützt, die zusammen tolle Produkte herstellen. Das eine Unternehmen macht dann das Halbzeug A, das andere Institut das Halbzeug B und die dritte Firma fügt das Ganze zusammen. Die Daten der einzelnen Produktionsanlagen fließen zusammen und können gemeinsam die Anlagen steuern. Das ist das Ziel. Das müssen wir schaffen, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, von China völlig abgehängt zu werden.

Sie wollen also mit dem Innovationscampus im Prinzip Unternehmen vernetzen? 

Dr. von Reden: Ja, die Unternehmen müssen miteinander vernetzt werden. Das ist notwendig, wenn wir die Digitalisierung ernst nehmen und wirklich umsetzen möchten. Jeder kann – im definierten Rahmen – auf die Daten des anderen zugreifen. Ohne Vernetzung untereinander funktioniert die Digitale Fabrik nicht. Was innerhalb des Innovationscampus oder der KI-Werkstatt entwickelt wird, soll dann nicht in der Luftfahrt bleiben, sondern auch auf andere Branchen übertragen werden. Und wie das geht, wollen wir den Unternehmen im Innovations-Campus zeigen. Die Zukunft liegt in der Kollaboration der einzelnen Unternehmen. 

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: In München soll eine Denkfabrik für Künstliche Intelligenz entstehen. Ihr Forschungsnetzwerk MAI Carbon plant diese durch eine reale Digitale Fabrik in Augsburg zu ergänzen. In München wird also gedacht und in Augsburg gearbeitet?

Dr. Tjark von Reden: München ist sehr stark im Bereich Forschung. Zum einen mit der Technischen Universität München (TUM), aber auch mit dem Ludwig-Bölkow-Campus, wo viel in Richtung Lufttaxis entwickelt wird. Dort hat auch Airbus ein Entwicklungszentrum. Daher ergibt es Sinn, auf dieses Wissen zurück zu greifen. Dieses Grundlagenwissen muss aber auch in die Unternehmen gebracht und angewendet werden. Augsburg hat dafür geeignete Firmen wie MT Aerospace,  Airbus Helicopters oder Premium AEROTEC, die die Flugtaxi-Fertigung umsetzen können. Deshalb ist Augsburg ein geeigneter Standort für die KI-Werkstatt bzw. den Innovationcampus. Was das Thema Materialwissenschaften betrifft, sehe ich persönlich zudem Augsburg auch sehr gut aufgestellt. Ein Alleinstellungsmerkmal des Innovationscampus ist, dass wir nicht nur die Prozesse digitalisieren wollen, sondern auch das Material und die Konstruktion. Nur in diesem Dreiklang nutzt man das ganze Potential der Digitalisierung.

Die Luft- und Raumfahrtindustrie in Schwabenwird künftig Drohnen und Flugtaxis produzieren. Wie unterstützen Ihr Netzwerk und die IHK Schwaben die Unternehmen aus der Region dabei, sich für die Zukunft zu rüsten?

Dr. von Reden: Die aktuellen Prozesse werden bei der Herstellung von Drohnen und Lufttaxis einfach nicht mehr funktionieren, weil die Stückzahlen so gar nicht realisierbar sind, wenn die Flugtaxis in Serie gehen sollen. Wir als weltweites Netzwerk wollen den Unternehmen dabei helfen, ihre Produktionsverfahren zu automatisieren und neue Technologien zu entwickeln. Nur so können sie eine weltweit führende Rolle einnehmen. Dafür braucht es aber auch entsprechendes Personal.

Und da kommt die IHK ins Spiel, Herr Heckemann?

Oliver Heckemann: Auf Wunsch der Wirtschaft werden wir aktiv, damit die Unternehmen geeignetes Personal für den Flugzeugbau der Zukunft finden. Grob Aircraft aus Memmingen, Premium AEROTEC und auch Airbus Helicopters sind auf uns zugekommen. Sie wollen den Leichtflugzeugbauer von 1986 zusammen mit der IHK Schwaben weiterentwickeln. Da geht es dann einmal um vorhandene Produkte in der Flugzeugindustrie, aber auch um künftige Entwicklungen unter anderem mit Flugtaxis und Drohnen.

Wieso können wir hier eine Vorreiterrolle einnehmen?

Wir sind hier in Süddeutschland in einem hot spot: In Donauwörth entwickelt Airbus gerade den CityAirbus und in München sitzt Lilium, eines der bedeutendsten Startup-Unternehmen, die auch ein Lufttaxi entwickeln. Nicht zu vergessen Volocopter in Bruchsal bei Karlsruhe. Alle drei Firmen wollen letztendlich Luft- oder Flugtaxis an den Start bringen. Sobald das Ganze dann aus der Startup-Phase herauskommt und in die Produktion geht, wollen wir als Region gewappnet sein – auch im Bereich der beruflichen Bildung. Abgesehen davon, wird der Leichtbau in der Flugzeugindustrie in Zukunft ganz allgemein von Bedeutung sein, die Notwendigkeit von Energieeffizienz und Umweltschonung treiben in diese Richtung.

Was muss konkret noch passieren, dass der Innovations-Campus losgehen kann? Was sind da die nächsten Schritte?

Dr. von Reden: Wir hoffen, dass wir vom Freistaat Bayern finanziell unterstützt werden. Es ist schon eine Mammut-Aufgabe, die Unternehmen im Bereich KI und Digitalisierung voranzutreiben. Die Unternehmen sind bereit und wollen auch – da darf es nicht an der Finanzierung scheitern.

Sie wollen auch ein Stück von Söders Hightech-Offensive abhaben. Wie viel erhoffen Sie sich?

Dr. von Reden: Es geht nicht darum etwas vom Kuchen abzubekommen, sondern darum die Wettbewerbsfähigkeit unsere Wirtschaft zu erhalten und auszubauen. Wir begrüßen deshalb, dass die Bayerische Staatsregierung hier aktiv wird, weil es notwendig ist und gehen mit unserem Konzept ins Rennen. Insbesondere KMU wollen wir unterstützen und hoffen, dass dies der Staatsregierung 200 bis 250 Millionen Euro wert ist. Die Unternehmen sind bereit den gleichen Betrag einzubringen, so dass es eine 50-50 Finanzierung wird.

Über welchen Zeitraum?

Dr. von Reden: Über einen Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren. Die Digitalisierung der Unternehmen braucht Zeit. Das ist ein Prozess, der auf lange Sicht gedacht werden muss.

Wie lange wird es dauern, bis die Digitale Fabrik aufgebaut ist?

Dr. von Reden: Wir gehen von drei bis vier Jahren aus. Aber wir wollen nicht alles neu entwickeln, sondern auf viel Bestehendes zurückgreifen. Wir haben hier viele gute Forschungsinstitute, sei es die Universität Augsburg, das Fraunhofer IGCV oder DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt). Und diese Institute haben natürlich schon viel Knowhow und Equipment. Das, was dort schon vorhanden ist, wollen wir weiterentwickeln.

Was ist denn konkret schon da?

Dr. von Reden: Das DLR zum Beispiel hat eine sehr beeindruckende robotergestützte Fertigungsanlage. Wenn man das Fraunhofer IGCV nimmt, die haben verschiedene Prozesse, bei denen auch wieder Roboter automatisiert Bauteile produzieren. Das wären Beispiele von Produktionsverfahren und Technologien, die bereits existieren. Das Vorhandene wollen wir weiterentwickeln und so befähigen, dass es in die Fabrik einfließen kann. Wir wollen die unterschiedlichen Institute miteinander vernetzen und anhand von diesen im Innovations-Campus zeigen, wie das auch in der Realität mit verschiedenen Firmen funktionieren kann. Damit bilden wir die deutsche Unternehmensrealität ab, die sich auf viele KMU stützt, die zusammen tolle Produkte herstellen. Das eine Unternehmen macht dann das Halbzeug A, das andere Institut das Halbzeug B und die dritte Firma fügt das Ganze zusammen. Die Daten der einzelnen Produktionsanlagen fließen zusammen und können gemeinsam die Anlagen steuern. Das ist das Ziel. Das müssen wir schaffen, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, von China völlig abgehängt zu werden.

Sie wollen also mit dem Innovationscampus im Prinzip Unternehmen vernetzen? 

Dr. von Reden: Ja, die Unternehmen müssen miteinander vernetzt werden. Das ist notwendig, wenn wir die Digitalisierung ernst nehmen und wirklich umsetzen möchten. Jeder kann – im definierten Rahmen – auf die Daten des anderen zugreifen. Ohne Vernetzung untereinander funktioniert die Digitale Fabrik nicht. Was innerhalb des Innovationscampus oder der KI-Werkstatt entwickelt wird, soll dann nicht in der Luftfahrt bleiben, sondern auch auf andere Branchen übertragen werden. Und wie das geht, wollen wir den Unternehmen im Innovations-Campus zeigen. Die Zukunft liegt in der Kollaboration der einzelnen Unternehmen. 

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