Dr. Michaela Simon, Dr. Simon & Partner

Zurück aus dem Homeoffice: Wie geht es nun weiter?

Nach und nach kommen die Kollegen aus dem Homeoffice zurück. Doch wie geht es in den Unternehmen nun weiter? Homeoffice beibehalten, alle wieder zurück an die Schreibtische oder hybrides Arbeiten?

B4B-Leser fragt:

Unsere MitarbeiterInnen kommen sukzessive aus dem Homeoffice zurück. Wie sollten wir in der Geschäftsführung und im Führungsteam damit umgehen bzw. was ist zu berücksichtigen?

Unsere Expertin für Gesunde Personal- und Organisationsentwicklung, Dr. Michaela Simon, antwortet:

Die Pandemie hat unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben massiv verändert. Über ein Jahr waren alle Kontakte und Dinge, die bis dahin selbstverständlich waren, anders und sehr eingeschränkt, Stichwort „social distancing“. Die positiven und negativen Folgen sind wohl noch lange nicht absehbar und schon gar nicht ausgewertet und analysiert.

Zurück aus dem Homeoffice: Jedes Unternehmen sollte seine eigene Analyse machen

Eine der positiven Seiten der Pandemie ist sicher, dass die Digitalisierung massiv beschleunigt wurde. Außerdem wurden die Defizite in vielen Bereichen unseres Lebens sehr offensichtlich. Und in diesem Zusammenhang können nun die meisten MitarbeiterInnen und damit auch die Unternehmen aus eigener Erfahrung beurteilen, welche Vor- und Nachteile Homeoffice hat.

Einmalige Chance: ganz Europa kann aus der Pandemie lernen

Bis vor kurzem waren die meisten Unternehmen gezwungen, Homeoffice anzubieten. Zur Sicherheit der MitarbeiterInnen und aus ökonomischem Zwang. Jetzt hat sich die Situation zumindest ein Stück entschärft (Impfquote, Inzidenzen etc.). Seit dem Sommer kehren die MitarbeiterInnen überall in Europa wieder an ihre Arbeitsplätze zurück!

Das bietet eine unglaubliche Chance: Ganz Europa hat nun die Möglichkeit, wirklich genau hinzuschauen und zu analysieren, was es aus der Pandemie zu lernen gibt. Das heißt, jedes Unternehmen hat die Chance, die richtigen Fragen zu stellen und die entsprechenden Konsequenzen für die neue Art des Arbeitens für sich zu ziehen.

The Point of no Return: Hybrid ist das neue Normal

Fakt ist: Es gibt kein Zurück. Wer bisher gehofft oder gedacht hat, nach der Pandemie ist vor der Pandemie, muss sich der Realität stellen. Hybrid, das heißt ein gesunder Mix aus Homeoffice und Arbeiten im Büro, wird das neue Normal werden.

Lassen Sie uns die Fakten betrachten: Die Bosten Consulting Group hat zusammen mit der University of Pennsylvania und der KRC Group eine repräsentative Studie durchgeführt, die sich mit der Frage beschäftigt: wie sieht das neue Normal für moderne Arbeitsplätze aus?

Die Kooperationspartner befragten etwa 9.000 ManagerInnen und MitarbeiterInnen großer Unternehmen (250+ Mitarbeiter) mit einer durchschnittlichen Stichprobengröße von 600 Befragten pro Land (500 MitarbeiterInnen und 100 ManagerInnen). Die Umfrage umfasste Befragte aus elf Branchen: Rohstoffe, Konsumgüter, Verbraucherdienstleistungen, Finanzen, Gesundheitswesen, Industrie, Öl und Gas, öffentlicher Sektor, Technologie, Telekommunikation und Versorgungsunternehmen. Die Befragten wurden nicht darüber informiert, dass Microsoft die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. 

Homeoffice erhöht die Produktivität

Eines der interessantesten Ergebnisse der Studie: 82 Prozent der Führungskräfte geben an, dass ihre Unternehmen mindestens genauso produktiv waren wie zuvor. Das heißt die Befürchtungen, Homeoffice habe negativen Einfluss auf Produktivität und Effizienz, konnten in der Studie widerlegt werden!

Die befragten MitarbeiterInnen sehen viele Vorteile im Remote Arbeiten; sie nannten dabei folgende Themen:

  • Legerer Kleidungsstil (69%)
  • Mehr Zeit für Hobbies (48%) 
  • Personalisierter Arbeitsbereich (39%)
  • eigenständigeres Arbeiten (36%)
  • Arbeiten mit Haustieren an der Seite (28%)
  • Mehr Zeit für Kinder (26%)
  • Durch das wegfallende Pendeln mehr Zeit für Familie (20%) 

Quelle: Microsoft (HG): Resilienz und Innovation in einer hybriden Welt, 2020

Als Nachteile gaben viele MitarbeiterInnen an, dass sie das Brainstormen mit KollegInnen oder die Plauderei an der Kaffeemaschine vermissen.

So sparen zwar 56 Prozent der Betriebe durch die Abwesenheit ihrer Belegschaft Geld, zum Beispiel für Bürofläche, aber im Endeffekt wird es immer Bedarf für geteilte Arbeitsflächen geben. Das wünscht sich auch ein Drittel der Befragten der Studie. Wichtig ist den Befragten dabei vor allem der Kontakt zu KollegInnen und der Beziehungsaufbau generell. Darüber hinaus schränkt das Homeoffice auch Kreativität und Innovation stark ein.

Zu viel Homeoffice fördert Silo-Kultur

Neben den positiven Effekten auf Produktivität und Motivation der MitarbeiterInnen müssen Unternehmen insbesondere darauf achten, dass sie ihre individuelle Unternehmenskultur erhalten und dass das kreative „Innovationspotential” nicht verloren geht. Daten zeigen, dass „zu viel Homeoffice” auch einen Rückfall in alte Muster (Stichwort: „Silo-Kultur”) begünstigen kann.

Fazit: Hybrides Arbeiten ist gekommen, um zu bleiben

Für Unternehmen geht es jetzt darum, den richtigen Mix zu finden zwischen Homeoffice und Arbeiten im Büro. Denn gelebte Kultur und Innovationskraft entstehen nun mal im Miteinander und Kontakt zu den KollegInnen, z.B. beim gemeinsamen Mittagessen und auch da nur, wenn man das Gefühl hat, Teil eines Teams zu sein und gemeinsam auf ein Ziel zuzusteuern.

Welche Möglichkeiten es für Führungskräfte gibt, den Team Spirit aufrecht zu erhalten, virtuell zu motivieren und nah an den MitarbeiternInnen zu sein, lesen Sie im nächsten Artikel im September.

Sie haben Rückfragen an Dr. Michaela Simon, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

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Dr. Michaela Simon, Dr. Simon & Partner

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B4B-Leser fragt:

Unsere MitarbeiterInnen kommen sukzessive aus dem Homeoffice zurück. Wie sollten wir in der Geschäftsführung und im Führungsteam damit umgehen bzw. was ist zu berücksichtigen?

Unsere Expertin für Gesunde Personal- und Organisationsentwicklung, Dr. Michaela Simon, antwortet:

Die Pandemie hat unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben massiv verändert. Über ein Jahr waren alle Kontakte und Dinge, die bis dahin selbstverständlich waren, anders und sehr eingeschränkt, Stichwort „social distancing“. Die positiven und negativen Folgen sind wohl noch lange nicht absehbar und schon gar nicht ausgewertet und analysiert.

Zurück aus dem Homeoffice: Jedes Unternehmen sollte seine eigene Analyse machen

Eine der positiven Seiten der Pandemie ist sicher, dass die Digitalisierung massiv beschleunigt wurde. Außerdem wurden die Defizite in vielen Bereichen unseres Lebens sehr offensichtlich. Und in diesem Zusammenhang können nun die meisten MitarbeiterInnen und damit auch die Unternehmen aus eigener Erfahrung beurteilen, welche Vor- und Nachteile Homeoffice hat.

Einmalige Chance: ganz Europa kann aus der Pandemie lernen

Bis vor kurzem waren die meisten Unternehmen gezwungen, Homeoffice anzubieten. Zur Sicherheit der MitarbeiterInnen und aus ökonomischem Zwang. Jetzt hat sich die Situation zumindest ein Stück entschärft (Impfquote, Inzidenzen etc.). Seit dem Sommer kehren die MitarbeiterInnen überall in Europa wieder an ihre Arbeitsplätze zurück!

Das bietet eine unglaubliche Chance: Ganz Europa hat nun die Möglichkeit, wirklich genau hinzuschauen und zu analysieren, was es aus der Pandemie zu lernen gibt. Das heißt, jedes Unternehmen hat die Chance, die richtigen Fragen zu stellen und die entsprechenden Konsequenzen für die neue Art des Arbeitens für sich zu ziehen.

The Point of no Return: Hybrid ist das neue Normal

Fakt ist: Es gibt kein Zurück. Wer bisher gehofft oder gedacht hat, nach der Pandemie ist vor der Pandemie, muss sich der Realität stellen. Hybrid, das heißt ein gesunder Mix aus Homeoffice und Arbeiten im Büro, wird das neue Normal werden.

Lassen Sie uns die Fakten betrachten: Die Bosten Consulting Group hat zusammen mit der University of Pennsylvania und der KRC Group eine repräsentative Studie durchgeführt, die sich mit der Frage beschäftigt: wie sieht das neue Normal für moderne Arbeitsplätze aus?

Die Kooperationspartner befragten etwa 9.000 ManagerInnen und MitarbeiterInnen großer Unternehmen (250+ Mitarbeiter) mit einer durchschnittlichen Stichprobengröße von 600 Befragten pro Land (500 MitarbeiterInnen und 100 ManagerInnen). Die Umfrage umfasste Befragte aus elf Branchen: Rohstoffe, Konsumgüter, Verbraucherdienstleistungen, Finanzen, Gesundheitswesen, Industrie, Öl und Gas, öffentlicher Sektor, Technologie, Telekommunikation und Versorgungsunternehmen. Die Befragten wurden nicht darüber informiert, dass Microsoft die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. 

Homeoffice erhöht die Produktivität

Eines der interessantesten Ergebnisse der Studie: 82 Prozent der Führungskräfte geben an, dass ihre Unternehmen mindestens genauso produktiv waren wie zuvor. Das heißt die Befürchtungen, Homeoffice habe negativen Einfluss auf Produktivität und Effizienz, konnten in der Studie widerlegt werden!

Die befragten MitarbeiterInnen sehen viele Vorteile im Remote Arbeiten; sie nannten dabei folgende Themen:

  • Legerer Kleidungsstil (69%)
  • Mehr Zeit für Hobbies (48%) 
  • Personalisierter Arbeitsbereich (39%)
  • eigenständigeres Arbeiten (36%)
  • Arbeiten mit Haustieren an der Seite (28%)
  • Mehr Zeit für Kinder (26%)
  • Durch das wegfallende Pendeln mehr Zeit für Familie (20%) 

Quelle: Microsoft (HG): Resilienz und Innovation in einer hybriden Welt, 2020

Als Nachteile gaben viele MitarbeiterInnen an, dass sie das Brainstormen mit KollegInnen oder die Plauderei an der Kaffeemaschine vermissen.

So sparen zwar 56 Prozent der Betriebe durch die Abwesenheit ihrer Belegschaft Geld, zum Beispiel für Bürofläche, aber im Endeffekt wird es immer Bedarf für geteilte Arbeitsflächen geben. Das wünscht sich auch ein Drittel der Befragten der Studie. Wichtig ist den Befragten dabei vor allem der Kontakt zu KollegInnen und der Beziehungsaufbau generell. Darüber hinaus schränkt das Homeoffice auch Kreativität und Innovation stark ein.

Zu viel Homeoffice fördert Silo-Kultur

Neben den positiven Effekten auf Produktivität und Motivation der MitarbeiterInnen müssen Unternehmen insbesondere darauf achten, dass sie ihre individuelle Unternehmenskultur erhalten und dass das kreative „Innovationspotential” nicht verloren geht. Daten zeigen, dass „zu viel Homeoffice” auch einen Rückfall in alte Muster (Stichwort: „Silo-Kultur”) begünstigen kann.

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Für Unternehmen geht es jetzt darum, den richtigen Mix zu finden zwischen Homeoffice und Arbeiten im Büro. Denn gelebte Kultur und Innovationskraft entstehen nun mal im Miteinander und Kontakt zu den KollegInnen, z.B. beim gemeinsamen Mittagessen und auch da nur, wenn man das Gefühl hat, Teil eines Teams zu sein und gemeinsam auf ein Ziel zuzusteuern.

Welche Möglichkeiten es für Führungskräfte gibt, den Team Spirit aufrecht zu erhalten, virtuell zu motivieren und nah an den MitarbeiternInnen zu sein, lesen Sie im nächsten Artikel im September.

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