mobiheat GmbH

Ein verrückter Erfolg

Das gibt es auch in Schwaben – ein Start-up, das in der schon sprichwörtlichen Garage entsteht und zum Marktführer wird. Die Geschichte der Friedberger mobiheat GmbH handelt von einem Nischenprodukt, Wagemut und der Devise: einfach machen!

Diese Anekdote erzählt Andreas Lutzenberger oft, doch tut er es nach wie vor mit Begeisterung. Sie spielt im Jahr 2008 und dreht sich um eine halbe Million Liter Wasser in einem Ozean­becken der weltweiten Sea-Life-Kette. Aufzuwärmen auf meerestiertaugliche Temperaturen. Nicht in Deutschland, sondern in Porto. Gerade mal vier Jahre war mobiheat alt, sechs Mann stark und dabei, sich mit mobilen Heizzentralen einen Namen zu machen. Können wir da schon Portugal?

Nur kurz schwanken die Gründer Andreas Lutzenberger und Helmut Schäffer, umso kurzentschlossener reagieren sie auf den Bestell­anruf der Sea-Life-Zentrale in England. Zu zweit machen sie sich auf den Weg, mit einer mobilen Heizzentrale am Haken und 1.000 Liter Heizöl in deren Tank. 2.400 Kilometer und zwei Tage später ist der Auftrag erledigt. Eine, wie Lutzenberger sagt, „reichlich hemdsärmelige Aktion, die außer Fußballkarten für den FC Porto und Übernachtung im Luxushotel nicht viel einbrachte. Doch man muss am Anfang Verrücktes tun, damit das Business Spaß macht“. Für ihn ein Erfolgsrezept von mobiheat.

Ein Nischenprodukt als Chance

Das Projekt mobiheat begann 2004. Lutzenberger war Innendienstleiter bei Buderus, Schäffer Inhaber eines Haustechnikbetriebs in Kissing. Und beiden, damals 28 und 35 Jahre alt, stand der Sinn nach etwas anderem, etwas Eigenem. Was fehlte war die Idee, die erst aus einem Zufall heraus entstand. Lutzenberger erhielt bei Buderus vereinzelt Anfragen nach mobilen Heizzentralen, um Heizungsausfälle zu überbrücken. Zu dieser Zeit ein Nischenprodukt, kaum bekannt, aber umso mehr eine Chance für Lutzenberger und Schäffer. Nach einem Jahr Vorbereitung gründeten sie mobiheat – wieder hemdsärmelig ohne großartigen Businessplan. „Spannend waren die ersten Bankgespräche“, erinnert sich Lutzenberger. Sie führte er, der Kaufmann, während Schäffer, der Techniker, in der Garage die ersten Heizungen auf Räder montierte. 2007 wagten sie den Sprung ins kalte Wasser – beide gaben ihre Jobs auf und ließen sich ganz auf das Abenteuer mobiheat ein.

Mobil heizen, kühlen und baden

Heute sind sie Marktführer für mobile Heizzentralen mit 22 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Das Produktportfolio umfasst kleine Elektroheizzentralen für Privathäuser und die mobilen Gas- und Öl-Heizungen etwa für die Notfallversorgung von Altenheimen oder Krankenhäusern. Mit großen Heizcontainern versorgt mobiheat bis zu 100 Haushalte, etwa wenn ein Fernwärmenetz gewartet wird. Die Anlagen hält ein bundesweites Heizölfahrernetz am Laufen, im Einsatz auch an Wochenenden und selbst für Kleinstmengen. Niederlassungen gibt es in Göttingen, Krefeld und demnächst in Berlin, zwei Tochtergesellschaften wurden in Österreich und der Schweiz gegründet. 2016 erweitert mobiheat sein Sortiment um mobile Kälteanlagen, das neueste Projekt sind mobile Badezimmer. An innovativen Ideen mangele es nicht, sagt Lutzenberger und dankt es Schäffer, den er „Daniel Düsentrieb“ nennt. Er erfinde gerne, wie erst kürzlich den Hänger, dessen Räder und Deichsel wegklappbar sind, um ihn auf Paletten zu verschicken.

Welle der Leidenschaft

Denkt er an die vergangenen Jahre, spricht Lutzenberger von einem märchenhaften Wachstum. Besonders die strategische Entscheidung, auf den Großhandel statt auf Direktvertrieb zu setzen, habe die Verbreitung der mobiheat-Produkte enorm beschleunigt. Doch der Erfolg kam ihnen nicht zugeflogen, sagt er, bis zum Durchbruch 2013 war der Weg nicht einfach, es ging mitunter ums Überleben, Lehrgeld wurde bezahlt. Umso mehr komme es auf Risikobereitschaft und Wage­mut an, darauf, seinem Bauchgefühl und vor allem anderen Menschen zu vertrauen. Was sich im Führungsstil bei mobiheat niederschlage. Feste Vorgaben für den Arbeitsplatz gibt es nicht, jeder ist frei, ihn sich selbst zu erarbeiten. Motivation, Wertschätzung und transparente Kritik, so die Erfahrung von Lutzenberger, schweißten zusammen und erzeugten eine Welle der Leidenschaft, die nicht aufzuhalten sei. Diktatoren seien fehl am Platz. Und ist die Situation noch so kompliziert, der beste Ansatz, sie zu bewältigen, ist: einfach machen.

Firmengeschichte als Buch

„Einfach machen“ heißt jetzt auch ein kleiner Band über die Firmengeschichte von mobiheat. Angeregt und mitverfasst von Andreas Lutzenberger, der der jungen Generation seine Erfahrungen mit auf den Weg geben will. Eine Reihe an Geschichten und Anekdoten – inklusive jener über den Einsatz in Portugal – schildern die Anfänge mit all ihren Hoffnungen und Zweifeln, Widrigkeiten und Erfolgen. Und lassen nachvollziehen, wie eine Idee auf verrückte Weise Wirklichkeit wird.

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Nur kurz schwanken die Gründer Andreas Lutzenberger und Helmut Schäffer, umso kurzentschlossener reagieren sie auf den Bestell­anruf der Sea-Life-Zentrale in England. Zu zweit machen sie sich auf den Weg, mit einer mobilen Heizzentrale am Haken und 1.000 Liter Heizöl in deren Tank. 2.400 Kilometer und zwei Tage später ist der Auftrag erledigt. Eine, wie Lutzenberger sagt, „reichlich hemdsärmelige Aktion, die außer Fußballkarten für den FC Porto und Übernachtung im Luxushotel nicht viel einbrachte. Doch man muss am Anfang Verrücktes tun, damit das Business Spaß macht“. Für ihn ein Erfolgsrezept von mobiheat.

Ein Nischenprodukt als Chance

Das Projekt mobiheat begann 2004. Lutzenberger war Innendienstleiter bei Buderus, Schäffer Inhaber eines Haustechnikbetriebs in Kissing. Und beiden, damals 28 und 35 Jahre alt, stand der Sinn nach etwas anderem, etwas Eigenem. Was fehlte war die Idee, die erst aus einem Zufall heraus entstand. Lutzenberger erhielt bei Buderus vereinzelt Anfragen nach mobilen Heizzentralen, um Heizungsausfälle zu überbrücken. Zu dieser Zeit ein Nischenprodukt, kaum bekannt, aber umso mehr eine Chance für Lutzenberger und Schäffer. Nach einem Jahr Vorbereitung gründeten sie mobiheat – wieder hemdsärmelig ohne großartigen Businessplan. „Spannend waren die ersten Bankgespräche“, erinnert sich Lutzenberger. Sie führte er, der Kaufmann, während Schäffer, der Techniker, in der Garage die ersten Heizungen auf Räder montierte. 2007 wagten sie den Sprung ins kalte Wasser – beide gaben ihre Jobs auf und ließen sich ganz auf das Abenteuer mobiheat ein.

Mobil heizen, kühlen und baden

Heute sind sie Marktführer für mobile Heizzentralen mit 22 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Das Produktportfolio umfasst kleine Elektroheizzentralen für Privathäuser und die mobilen Gas- und Öl-Heizungen etwa für die Notfallversorgung von Altenheimen oder Krankenhäusern. Mit großen Heizcontainern versorgt mobiheat bis zu 100 Haushalte, etwa wenn ein Fernwärmenetz gewartet wird. Die Anlagen hält ein bundesweites Heizölfahrernetz am Laufen, im Einsatz auch an Wochenenden und selbst für Kleinstmengen. Niederlassungen gibt es in Göttingen, Krefeld und demnächst in Berlin, zwei Tochtergesellschaften wurden in Österreich und der Schweiz gegründet. 2016 erweitert mobiheat sein Sortiment um mobile Kälteanlagen, das neueste Projekt sind mobile Badezimmer. An innovativen Ideen mangele es nicht, sagt Lutzenberger und dankt es Schäffer, den er „Daniel Düsentrieb“ nennt. Er erfinde gerne, wie erst kürzlich den Hänger, dessen Räder und Deichsel wegklappbar sind, um ihn auf Paletten zu verschicken.

Welle der Leidenschaft

Denkt er an die vergangenen Jahre, spricht Lutzenberger von einem märchenhaften Wachstum. Besonders die strategische Entscheidung, auf den Großhandel statt auf Direktvertrieb zu setzen, habe die Verbreitung der mobiheat-Produkte enorm beschleunigt. Doch der Erfolg kam ihnen nicht zugeflogen, sagt er, bis zum Durchbruch 2013 war der Weg nicht einfach, es ging mitunter ums Überleben, Lehrgeld wurde bezahlt. Umso mehr komme es auf Risikobereitschaft und Wage­mut an, darauf, seinem Bauchgefühl und vor allem anderen Menschen zu vertrauen. Was sich im Führungsstil bei mobiheat niederschlage. Feste Vorgaben für den Arbeitsplatz gibt es nicht, jeder ist frei, ihn sich selbst zu erarbeiten. Motivation, Wertschätzung und transparente Kritik, so die Erfahrung von Lutzenberger, schweißten zusammen und erzeugten eine Welle der Leidenschaft, die nicht aufzuhalten sei. Diktatoren seien fehl am Platz. Und ist die Situation noch so kompliziert, der beste Ansatz, sie zu bewältigen, ist: einfach machen.

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„Einfach machen“ heißt jetzt auch ein kleiner Band über die Firmengeschichte von mobiheat. Angeregt und mitverfasst von Andreas Lutzenberger, der der jungen Generation seine Erfahrungen mit auf den Weg geben will. Eine Reihe an Geschichten und Anekdoten – inklusive jener über den Einsatz in Portugal – schildern die Anfänge mit all ihren Hoffnungen und Zweifeln, Widrigkeiten und Erfolgen. Und lassen nachvollziehen, wie eine Idee auf verrückte Weise Wirklichkeit wird.

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