Drohnen und Lufttaxis

IHK Schwaben entwickelt einzigartigen Ausbildungsberuf

Um die Entwicklung von Flugtaxis und Drohnen voranzutriben, wird ein altbekannter Ausbildungsberuf reformiert. Wie, das erläutern Dr. Tjark von Reden, stellvertretender Geschäftsführer Carbon Composites e.V. und Oliver Heckemann, Leiter für den Geschäftsbereich Berufliche Bildung bei der IHK Schwaben, im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Der Freistaat will insgesamt 20 Millionen in ein Luftfahrtprogramm für Augsburg stecken. Der Leichtbau spielt dabei eine Schlüsselrolle. Wie gut sind unsere Unternehmen aufgestellt und was muss noch getan werden?

Dr. Tjark von Reden: Mit unserem Spitzencluster MAI Carbon wollen wir Unternehmen aus der Region dabei unterstützen, im Bereich Leichtbau eine weltweit führende Rolle einzunehmen. Die Zukunft liegt in Hochleistungswerkstoffen aus Carbon Composites, nur so können Flugtaxis und Drohnen erfolgsversrechend hergestellt werden. Da ist unsere Region schon heute gut aufgestellt. Damit wir auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben und Konkurrenten wie etwa China abhängen können, müssen wir neue Produktionstechniken entwickeln und KI zum Einsatz bringen. Dafür brauchen wir speziell ausgebildete Fachkräfte. Und da startet unsere Zusammenarbeit mit der IHK Schwaben.

Oliver Heckemann: Wir sind gerade dabei, die Berufsbildung der Zukunft in Sachen Leichtflugzugbau zu entwickeln. Denn in der Vergangenheit war es öfters der Fall, dass einzelne Berufsbilder vorhandenen Technologien hinterher gehechelt sind. Ausbilder verschiedener Branchen haben immer wieder bemängelt, dass der optimale Ausbildungsberuf noch geschaffen werden muss. Und jetzt wollen wir das eben umdrehen.

Herr Heckemann, wie steht es um die Ausbildung rund um den Leichtbau?

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Heckemann: Vor rund acht Jahren hat sich die Flugzeugindustrie in Schwaben verstärkt mit dem Thema Faserverbund auseinandergesetzt. Dann hat die IHK gemeinsam mit der Wirtschaft den vorhandenen Grundberuf genommen und diesen weiterentwickelt. In diesem Fall entstand aus dem Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik die neue Fachrichtung Faserverbundtechnologie.

Wir als IHK haben dann einen eigenen Industriemeister für das Thema ins Leben gerufen und haben entsprechende Weiterbildungen für etabliertes Personal angeboten. Über die Jahre hat sich das Thema immer weiterentwickelt. Klar ist, die Zukunft liegt aus Sicht vieler Experten in der Flugzeugbranche unter anderem in der Leichtbauweise. Und deshalb wollen wir nun wieder einen schon vorhandenen Beruf weiterentwickeln: den Leichtflugzeugbauer.

Wieso bedarf es eines neuen Ausbildungsberufs? Welche Vorteile haben die Unternehmen dadurch?

Heckemann: Die Firmen, die bisher auch im Bereich Faserverbundtechnologie Kunststoff- und Kautschuktechniker ausgebildet haben, wollen einen Beruf, in welchem ein stärkerer Fokus auf dem Fliegen liegt. Die Verfahrensmechaniker Kunststoff- und Kautschuktechnik sind in den ersten Berufsschuljahren mit Fensterbauern in einer Klasse. Darunter leidet der Ruf dieses Ausbildungsberufes. Die etablierten Firmen wie Premium Aerotec in Augsburg oder Airbus Helicopters in Donauwörth wollen so auch mehr junge Leute für eine Ausbildung gewinnen.

Und deswegen als Basis den Beruf des Leichtflugzeugbauers?

Heckemann: Ganz genau. Der Beruf des Leichtflugzeugbauers entstand 1941, mitten in Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Der kriegsbedingte Ressourcenmangel – insbesondere im Metallbereich – machte erfinderisch. Deshalb wurden Holzflugzeugbauer gesucht, daraus entstand ein Berufsbild. Der Beruf wurde dann letztendlich 1986 zum Leichtflugzeugbauer weiterentwickelt. Diesen Grundberuf wollen wir hier in der Region zusammen mit den Unternehmen „revitalisieren“. Sozusagen auf Wunsch der Wirtschaft für die Wirtschaft. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Ludwig-Bölkow-Berufsschule in Donauwörth, benannt nach dem bekannten Flugpionier Ludwig Bölkow.

Das Bayerische Kultusministerium hat bereits im letzten Jahr klare Rückendeckung gegeben, in der Berufsschule Donauwörth den Lehrplan für den Beruf des Leichtflugzeugbauers weiterzuentwickeln. Und wir als IHK Schwaben sind seit Anfang des Jahres Leit-IHK für den Ausbildungsberuf. Das heißt wir organisieren und koordinieren deutschlandweit die IHK-Prüfung.

Sie modernisieren also den neuen Ausbildungsberuf in Zusammenarbeit mit den Unternehmen?

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Heckemann: Wir leisten Vorarbeit. Am Ende liegt die Entscheidung über die Modernisierung eines Berufes beim Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB) in Bonn. Aber, dass die IHK Schwaben Leit-IHK wird, war ein Wunsch der Unternehmen aus der Region. Beschlossen hat dies die IHK-Vollversammlung – unser schwäbisches „Unternehmerparlament“. Wir treffen uns regelmäßig mit Firmen, die hier in die Ausbildung eingestiegen sind. Zusammen mit dem Composites United e.V. prüfen wir gerade, welche Firmen künftig ebenfalls ausbilden könnten.

Das heißt, der Beruf wächst aus Augsburg heraus und streut über die gesamte Bundesrepublik?

Heckemann: Als Leit-IHK für den Leichtflugzeugbau könnten wir die IHK-Prüfung selber in Augsburg entwickeln. Denn bei jedem bundesweiten Ausbildungsberuf geht es um eine bundesweit einheitliche Prüfung. Und bei diesen Berufen, die nicht so viele Ausbildungsverträge haben, gibt es keine bundesweit agierende Einrichtung, die die Aufgaben erstellt. Das bedeutet, dass eine IHK praktisch in den „Lead“ gehen muss, das heißt die Führung und Verantwortungen übernehmen muss.

Über die Steuerung der Prüfungsfragen hat man Einfluss auf den Ausbildungsinhalt der Zukunft. Das kommt unseren Unternehmen zugute, da die Inhalte so nah an der Praxis unterrichtet werden können. Als nächstes ist es wichtig, dass wir daran gemeinsam mit allen Playern auf Bundesebene arbeiten, um ein Neuordnungsverfahren für den Ausbildungsberuf beim BIBB anzuregen. Vielleicht heißt der Beruf in Zukunft dann Leichtflugzeug- und Drohnenbau.

Wie wirkt sich das auf die Region aus?

Heckemann: Denkbar ist, dass wir im Bezirk Schwaben am Ende ein Kompetenz-Cluster für den Leichtflugzeugbau werden. Das heißt, dass in der Wirtschaft und der Wissenschaft spezielles Know-how besteht. Und dies wäre ein entscheidender Mehrwert für die Region.

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Dr. Tjark von Reden: Mit unserem Spitzencluster MAI Carbon wollen wir Unternehmen aus der Region dabei unterstützen, im Bereich Leichtbau eine weltweit führende Rolle einzunehmen. Die Zukunft liegt in Hochleistungswerkstoffen aus Carbon Composites, nur so können Flugtaxis und Drohnen erfolgsversrechend hergestellt werden. Da ist unsere Region schon heute gut aufgestellt. Damit wir auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben und Konkurrenten wie etwa China abhängen können, müssen wir neue Produktionstechniken entwickeln und KI zum Einsatz bringen. Dafür brauchen wir speziell ausgebildete Fachkräfte. Und da startet unsere Zusammenarbeit mit der IHK Schwaben.

Oliver Heckemann: Wir sind gerade dabei, die Berufsbildung der Zukunft in Sachen Leichtflugzugbau zu entwickeln. Denn in der Vergangenheit war es öfters der Fall, dass einzelne Berufsbilder vorhandenen Technologien hinterher gehechelt sind. Ausbilder verschiedener Branchen haben immer wieder bemängelt, dass der optimale Ausbildungsberuf noch geschaffen werden muss. Und jetzt wollen wir das eben umdrehen.

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Wir als IHK haben dann einen eigenen Industriemeister für das Thema ins Leben gerufen und haben entsprechende Weiterbildungen für etabliertes Personal angeboten. Über die Jahre hat sich das Thema immer weiterentwickelt. Klar ist, die Zukunft liegt aus Sicht vieler Experten in der Flugzeugbranche unter anderem in der Leichtbauweise. Und deshalb wollen wir nun wieder einen schon vorhandenen Beruf weiterentwickeln: den Leichtflugzeugbauer.

Wieso bedarf es eines neuen Ausbildungsberufs? Welche Vorteile haben die Unternehmen dadurch?

Heckemann: Die Firmen, die bisher auch im Bereich Faserverbundtechnologie Kunststoff- und Kautschuktechniker ausgebildet haben, wollen einen Beruf, in welchem ein stärkerer Fokus auf dem Fliegen liegt. Die Verfahrensmechaniker Kunststoff- und Kautschuktechnik sind in den ersten Berufsschuljahren mit Fensterbauern in einer Klasse. Darunter leidet der Ruf dieses Ausbildungsberufes. Die etablierten Firmen wie Premium Aerotec in Augsburg oder Airbus Helicopters in Donauwörth wollen so auch mehr junge Leute für eine Ausbildung gewinnen.

Und deswegen als Basis den Beruf des Leichtflugzeugbauers?

Heckemann: Ganz genau. Der Beruf des Leichtflugzeugbauers entstand 1941, mitten in Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Der kriegsbedingte Ressourcenmangel – insbesondere im Metallbereich – machte erfinderisch. Deshalb wurden Holzflugzeugbauer gesucht, daraus entstand ein Berufsbild. Der Beruf wurde dann letztendlich 1986 zum Leichtflugzeugbauer weiterentwickelt. Diesen Grundberuf wollen wir hier in der Region zusammen mit den Unternehmen „revitalisieren“. Sozusagen auf Wunsch der Wirtschaft für die Wirtschaft. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Ludwig-Bölkow-Berufsschule in Donauwörth, benannt nach dem bekannten Flugpionier Ludwig Bölkow.

Das Bayerische Kultusministerium hat bereits im letzten Jahr klare Rückendeckung gegeben, in der Berufsschule Donauwörth den Lehrplan für den Beruf des Leichtflugzeugbauers weiterzuentwickeln. Und wir als IHK Schwaben sind seit Anfang des Jahres Leit-IHK für den Ausbildungsberuf. Das heißt wir organisieren und koordinieren deutschlandweit die IHK-Prüfung.

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Heckemann: Wir leisten Vorarbeit. Am Ende liegt die Entscheidung über die Modernisierung eines Berufes beim Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB) in Bonn. Aber, dass die IHK Schwaben Leit-IHK wird, war ein Wunsch der Unternehmen aus der Region. Beschlossen hat dies die IHK-Vollversammlung – unser schwäbisches „Unternehmerparlament“. Wir treffen uns regelmäßig mit Firmen, die hier in die Ausbildung eingestiegen sind. Zusammen mit dem Composites United e.V. prüfen wir gerade, welche Firmen künftig ebenfalls ausbilden könnten.

Das heißt, der Beruf wächst aus Augsburg heraus und streut über die gesamte Bundesrepublik?

Heckemann: Als Leit-IHK für den Leichtflugzeugbau könnten wir die IHK-Prüfung selber in Augsburg entwickeln. Denn bei jedem bundesweiten Ausbildungsberuf geht es um eine bundesweit einheitliche Prüfung. Und bei diesen Berufen, die nicht so viele Ausbildungsverträge haben, gibt es keine bundesweit agierende Einrichtung, die die Aufgaben erstellt. Das bedeutet, dass eine IHK praktisch in den „Lead“ gehen muss, das heißt die Führung und Verantwortungen übernehmen muss.

Über die Steuerung der Prüfungsfragen hat man Einfluss auf den Ausbildungsinhalt der Zukunft. Das kommt unseren Unternehmen zugute, da die Inhalte so nah an der Praxis unterrichtet werden können. Als nächstes ist es wichtig, dass wir daran gemeinsam mit allen Playern auf Bundesebene arbeiten, um ein Neuordnungsverfahren für den Ausbildungsberuf beim BIBB anzuregen. Vielleicht heißt der Beruf in Zukunft dann Leichtflugzeug- und Drohnenbau.

Wie wirkt sich das auf die Region aus?

Heckemann: Denkbar ist, dass wir im Bezirk Schwaben am Ende ein Kompetenz-Cluster für den Leichtflugzeugbau werden. Das heißt, dass in der Wirtschaft und der Wissenschaft spezielles Know-how besteht. Und dies wäre ein entscheidender Mehrwert für die Region.

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