Gast der Redaktion

Unternehmensnachfolge: So gelingt eine erfolgreiche Exit-Strategie

Viele Unternehmer schieben das Thema Unternehmensnachfolge zu lange auf. Damit gefährden sie ihr Lebenswerk. Doch wie gelingt eine erfolgreiche „Exit-Strategie“? Die Nachfolge-Experten von Sonntag & Partner raten zu einem „Notfallkoffer“.

Exit-Strategien sind nicht nur für Investoren ein Thema. Auch Unternehmer sollten eine haben: „Wer ein eigenes Unternehmen gründet oder in einer bestehenden Firma die Führung übernimmt, sollte am ersten Tag schon darüber nachdenken, wie und wann er seinen letzten Tag dort gestalten will“, brachte es Nachfolge-Experte Dr. Thomas Rau als Gast unserer Redaktion auf den Punkt.

Nachfolgeregelungen: Es gibt kein „zu früh“

Der Rechtsanwalt bei der Augsburger Kanzlei Sonntag & Partner machte deutlich, dass es bei Nachfolgeregelungen für Firmeninhaber „nie ein ,zu früh‘ gibt, sondern immer nur ein ,zu spät‘“. 30 Prozent der Generationenwechsel in Familienunternehmen, so der aktuelle Wert, erfolgen unerwartet, 8 Prozent der Unternehmen werden jedes Jahr mangels Nachfolger liquidiert.

Schlechte Vorbereitung kann Unternehmen in Schieflage bringen

Allein schon unkalkulierbare Lebensrisiken wie Unfälle oder schwere Krankheiten machen eine umfassende und nachhaltige Nachfolgeregelung unumgänglich, ergänzte Ulrich Derlien, ebenfalls von Sonntag & Partner. Als Rechtsanwalt und Steuerberater hatte er „schon viel zu oft“ Fälle zu betreuen, in denen fehlende oder mangelhafte Vorkehrungen für den „Tag danach“ Unternehmen in Schieflage oder sogar Existenzkrisen brachten. „Sich darauf vorzubereiten, was passiert, wenn der Mann oder die Frau an der Spitze der Firma nicht mehr zur Verfügung stehen, gehört zur normalen Daseinsvorsorge eines jeden Unternehmens“, sagte Derlien. „Derlei betrifft eben nicht nur Produktion und Logistik, sondern auch – und vor allem – die Handlungsfähigkeit des ganzen Unternehmens.“

Unternehmer schieben die Nachfolge oft auf die lange Bank

Aus Sicht der beiden Sonntag & Partner-Experten gibt es vielerlei Gründe, warum Unternehmer das Thema Nachfolge auf die lange Bank schieben oder ganz verdrängen. „Keiner befasst sich gern mit dem Datum, an dem er die Kontrolle über das verliert, was er mit eigenen Ideen und Händen aufgebaut hat“, bringt es Rau auf den Punkt. „Das ist menschlich und verständlich. Aber man sollte dem eigenen Unternehmen eine Rettungschance geben, wenn eine überraschende Katastrophe den außer Gefecht setzt, der sonst die Fäden in der Hand hat. Genauso wie man sich bei einer Skitour auch zur Sicherheit einen Lawinenpiepser in den Rucksack packt.“

Experten von Sonntag & Partner raten zu einem „Notfallkoffer“

Als Grund-Werkzeug, das in jedem Unternehmen vorhanden sein muss, empfiehlt Derlien einen „Notfallkoffer“. In Konzernen und Großunternehmen trägt schon die innere Struktur dazu bei, dass beim Ausfall einer Führungskraft die Dinge weiterhin ihren ungestörten Gang gehen. In kleinen und mittelständischen Unternehmen mit starker Anbindung an die Unternehmerfamilie sei dies eher selten der Fall. „Wir reden hier über ganz grundsätzliche Dinge wie Handlungsvollmacht, Bankvollmacht, Prokura zum gegebenen Zeitpunkt, oder fachliche Qualifikation, um eine Nachfolge anzutreten“, sagt der erfahrene Berater. In den Notfallkoffer gehören daher alle relevanten Dokumente und Führungswerkzeuge, ohne die auch der aktuelle Inhaber seiner Arbeit nicht nachgehen könnte: Verträge und behördliche Unterlagen, Versicherungspolicen, Schlüssel, Zugangscodes und PINs. Aber auch Schlüsselinformationen wie Bilanzen, Steuererklärungen, Patente, Rezepturen oder Notizen zu mündlichen Absprachen und Zusagen sollten darin enthalten sein.

Zur Exit-Strategie gehören ein Testament und Vollmachten

Die regelmäßige Prüfung und Aktualisierung dessen, was im Notfallkoffer enthalten ist, habe zusätzlich den Vorteil, dass man mit Abstand zum Tagesgeschäft einen Überblick erhalte – und gegebenenfalls auch Impulse für weitere Anpassungen und Veränderungen. So können Ungleichgewichte beseitigt und Lücken geschlossen werden. Absolut unverzichtbar, darauf wiesen Derlien und Rau mit Nachdruck hin, „sind aber ein gültiges, umfassendes Testament und Vollmachten für alle Eventualitäten, damit das Unternehmen unterbrechungslos handlungsfähig bleibt“.

Auch dieses sollte regelmäßig angepasst, aber nicht durch einmalige „Hauruck-Aktionen“ geändert werden. Derlien: „Mit jedem Tag, den sich ein Unternehmer und seine Firma weiterentwickeln, ändert sich der Blick auf die Nachfolge oder einen Betriebsübergang. Dieser stetige Wandel darf die Arbeit an einer Exit-Strategie nicht verhindern. Im Gegenteil: Er ist der Anlass dafür.“

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Experten von Sonntag & Partner raten zu einem „Notfallkoffer“

Als Grund-Werkzeug, das in jedem Unternehmen vorhanden sein muss, empfiehlt Derlien einen „Notfallkoffer“. In Konzernen und Großunternehmen trägt schon die innere Struktur dazu bei, dass beim Ausfall einer Führungskraft die Dinge weiterhin ihren ungestörten Gang gehen. In kleinen und mittelständischen Unternehmen mit starker Anbindung an die Unternehmerfamilie sei dies eher selten der Fall. „Wir reden hier über ganz grundsätzliche Dinge wie Handlungsvollmacht, Bankvollmacht, Prokura zum gegebenen Zeitpunkt, oder fachliche Qualifikation, um eine Nachfolge anzutreten“, sagt der erfahrene Berater. In den Notfallkoffer gehören daher alle relevanten Dokumente und Führungswerkzeuge, ohne die auch der aktuelle Inhaber seiner Arbeit nicht nachgehen könnte: Verträge und behördliche Unterlagen, Versicherungspolicen, Schlüssel, Zugangscodes und PINs. Aber auch Schlüsselinformationen wie Bilanzen, Steuererklärungen, Patente, Rezepturen oder Notizen zu mündlichen Absprachen und Zusagen sollten darin enthalten sein.

Zur Exit-Strategie gehören ein Testament und Vollmachten

Die regelmäßige Prüfung und Aktualisierung dessen, was im Notfallkoffer enthalten ist, habe zusätzlich den Vorteil, dass man mit Abstand zum Tagesgeschäft einen Überblick erhalte – und gegebenenfalls auch Impulse für weitere Anpassungen und Veränderungen. So können Ungleichgewichte beseitigt und Lücken geschlossen werden. Absolut unverzichtbar, darauf wiesen Derlien und Rau mit Nachdruck hin, „sind aber ein gültiges, umfassendes Testament und Vollmachten für alle Eventualitäten, damit das Unternehmen unterbrechungslos handlungsfähig bleibt“.

Auch dieses sollte regelmäßig angepasst, aber nicht durch einmalige „Hauruck-Aktionen“ geändert werden. Derlien: „Mit jedem Tag, den sich ein Unternehmer und seine Firma weiterentwickeln, ändert sich der Blick auf die Nachfolge oder einen Betriebsübergang. Dieser stetige Wandel darf die Arbeit an einer Exit-Strategie nicht verhindern. Im Gegenteil: Er ist der Anlass dafür.“

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