101 Köpfe, Folge 131

Andrea Pfundmeier: „Lieber die einzige Frau als der 10. Mann“

Andrea Pfundmeier war gerade mal 23 Jahre alt, als sie das IT-Start-up Secomba gründete. Wieso das Alleinstellungsmerkmal „Frau“ in Unternehmerkreisen durchaus vorteilhaft sein kann und ihr Beruf schon fast ein Hobby für sie ist, verrät sie im 101-Köpfe-Interview.

Name: Andrea Pfundmeier                 

Alter: 33 Jahre

Position: Gründerin und Geschäftsführerin

Unternehmen: Secomba GmbH

Hobbies: Viel zu viele und dadurch viel zu wenig Zeit für jedes Einzelne: Radfahren, Joggen, Gärtnern, Nähen und noch so einige weitere ...


B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Sie haben mit gerade einmal 23 Jahren ein eigenes Unternehmen gegründet. War Ihr junges Alter bei der Gründung eher ein Segen oder ein Fluch? 

Andrea Pfundmeier: Für mich war es ein Segen. So konnte ich ganz unbedarft und naiv an die ganze Sache „Unternehmensgründung“ rangehen. Als Studentin war ich es gewohnt, mit wenig Einkommen im Monat über die Runden zu kommen - hatte ich doch noch keinen Hauskredit zum Abbezahlen, keine Kinder und allgemein keinen teuren Lebensstil, den ich halten musste. Dadurch war zumindest von finanzieller Seite her kein großer Druck vorhanden. Vorteilhaft war für mich auch, dass ich noch nicht wusste, was alles schiefgehen kann oder welchen Problemen man in einem längeren Berufsleben über den Weg läuft. So konnte ich optimistisch und mit viel Elan in die Gründung starten.

Gerade Tech-Berufe sind sehr männlich geprägt. Mit welchen Vorurteilen hat man da als Frau zu kämpfen? 

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Mein lustigstes Erlebnis war, als ich vor einigen Jahren zu einer hochkarätigen Wirtschaftsrunde geladen war. Als ich zum Empfang ging um mich anzumelden, konnte ich nicht mal meinen Namen nennen, denn ich wurde sofort mit „Der Personaleingang für die Servicekräfte ist hinten um die Ecke“ begrüßt. Das war aber wirklich eines der wenigen Negativ-Beispielen. Meistens werde ich auf Augenhöhe wahrgenommen. Und selbst wenn nicht, dann ist das für mich eher ein Ansporn, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Gerade in der Anfangszeit, als unser Unternehmen noch nicht so bekannt war, war das Alleinstellungsmerkmal „Frau“ aber auch durchaus vorteilhaft. Auf Veranstaltungen und Diskussionsrunden bin ich als eine der wenigen Frauen – häufig sogar als einzige Frau – herausgestochen. Die wenigstens erinnern sich an den 10. Mann, der eine Bühne betritt. Aber die einzige Frau bleibt in Erinnerung.

Sie setzen sich dafür ein, mehr Frauen für die Software-Branche zu begeistern. Woran liegt es, dass die Tech-Welt immer noch als Männer-Domäne gilt und wie lässt sich das ändern?

Zum einen fehlt es an Vorbildern: Die großen und bekannten „Stars“ der IT-Szene sind nach wie vor Männer. Ein junges Mädchen, das nach dem Schulabschluss vor der Frage steht, welchen beruflichen Weg sie einschlagen soll, wird sich weniger von Mark Zuckerberg und Elon Musk inspiriert fühlen. Eine meiner großen Forderungen ist daher, dass wir mehr weibliche Vorbilder in der IT – und auch in der Unternehmensgründung – benötigen. Junge Frauen sollen sehen, dass es auch für Frauen attraktive Karrierewege in der IT gibt – und das gelingt am besten über Vorbilder. Diese Vorbilder gibt es, aber sie müssen auch sichtbar sein. Zum anderen ist es mir auch wichtig zu zeigen, dass die gesamte IT-Entwicklung ein extrem kreativer Beruf ist. In der IT werden ganze Welten entworfen und gebaut. Hier ist Kreativität und Empathie für den Nutzer gefragt – beides Stärken, die traditionell sowieso eher Frauen zugeschrieben werden. IT ist viel mehr als Mathematik und Technik. Diese Botschaft muss bei den jungen Menschen ankommen.

Sie sind Vizepräsidentin der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Stadt. Was bedeutet es Ihnen, sich ehrenamtlich für Ihre Region zu engagieren? 

Im Laufe unserer Gründung wurden wir häufig gefragt, warum wir ausgerechnet in Augsburg gegründet haben und nicht in einem Hotspot wie Berlin oder zumindest München. Für mich als gebürtige Bobingerin war schon immer klar, dass meine Heimat hier in der Region ist. Als IT-Anbieter mit Kunden auf der ganzen Welt, ist es für uns zudem egal, ob wir in San Francisco oder in Augsburg sitzen. Wichtig sind hervorragend ausgebildete Mitarbeiter*innen, und die finden wir hier. Ich wünsche mir, dass meine Heimat auch für andere Gründer*innen attraktiv wird und bleibt – und dafür engagiere ich mich. Durch meine Tätigkeit bei der IHK versuche ich, die Stimme der Startups zu sein und Augsburg für diese noch attraktiver zu machen.

Haben Sie ein unternehmerisches Vorbild? 

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Mein Papa. Zum einen hatte er schon früh ein Händchen für alle möglichen Geschäfte, die er dann als Nebenerwerb umgesetzt hat, wie zum Beispiel den Import und Export von leeren Bierkästen. Später war er als Betriebsleiter eines großen Konzerns für mehrere Betriebe zuständig. Insbesondere sein Umgang mit Mitarbeitern und Kunden hat mich nachhaltig beeindruckt.

Karriere und Kinder. Wie kriegen Sie beides unter einen Hut? Und bleibt da überhaupt noch Zeit für Hobbies? 

Mir geht es da wie vielen Müttern: Ich habe häufig das Gefühl, ich würde beiden Seiten nicht gerecht werden – weder der Karriere noch den Kindern. Allerdings habe ich das Glück, dass mein Mann mich unterstützt und wir zum Beispiel beide Elternzeiten gleichmäßig aufgeteilt haben – jeder war 7 Monate mit den Kindern alleine zuhause. Zudem unterstützen uns meine Eltern, die im gleichen Ort wohnen und gerne Zeit mit den Enkeln verbringen. Zeit für Hobbys bleibt wenig – und ich versuche, meine Hobbys mit den Kindern zu kombinieren: Radfahren mit den Kindern im Anhänger, Joggen mit Kinderwagen oder Klavierspielen mit Baby auf dem Schoß. Einen Sonderfall gibt es allerdings: Mein Beruf ist für mich auch Berufung und zählt somit fast als Hobby. 8 Stunden oder mehr im Büro fühlen sich an den meisten Tagen ziemlich gut an.

Wie sieht für Sie ein perfekter Sonntag aus? 

In Ruhe mit meinem Mann Kaffee trinken und anschließend mit den Kindern raus in die Natur. Mittagessen bei Oma und Opa und Abends eine Runde in die Sauna.

Ganz spontan in dreißig Sekunden: drei tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben – und warum genau die? 

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Alter: 33 Jahre

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Hobbies: Viel zu viele und dadurch viel zu wenig Zeit für jedes Einzelne: Radfahren, Joggen, Gärtnern, Nähen und noch so einige weitere ...


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Sie setzen sich dafür ein, mehr Frauen für die Software-Branche zu begeistern. Woran liegt es, dass die Tech-Welt immer noch als Männer-Domäne gilt und wie lässt sich das ändern?

Zum einen fehlt es an Vorbildern: Die großen und bekannten „Stars“ der IT-Szene sind nach wie vor Männer. Ein junges Mädchen, das nach dem Schulabschluss vor der Frage steht, welchen beruflichen Weg sie einschlagen soll, wird sich weniger von Mark Zuckerberg und Elon Musk inspiriert fühlen. Eine meiner großen Forderungen ist daher, dass wir mehr weibliche Vorbilder in der IT – und auch in der Unternehmensgründung – benötigen. Junge Frauen sollen sehen, dass es auch für Frauen attraktive Karrierewege in der IT gibt – und das gelingt am besten über Vorbilder. Diese Vorbilder gibt es, aber sie müssen auch sichtbar sein. Zum anderen ist es mir auch wichtig zu zeigen, dass die gesamte IT-Entwicklung ein extrem kreativer Beruf ist. In der IT werden ganze Welten entworfen und gebaut. Hier ist Kreativität und Empathie für den Nutzer gefragt – beides Stärken, die traditionell sowieso eher Frauen zugeschrieben werden. IT ist viel mehr als Mathematik und Technik. Diese Botschaft muss bei den jungen Menschen ankommen.

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Wie sieht für Sie ein perfekter Sonntag aus? 

In Ruhe mit meinem Mann Kaffee trinken und anschließend mit den Kindern raus in die Natur. Mittagessen bei Oma und Opa und Abends eine Runde in die Sauna.

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