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„Warum sollten wir hier in Deutschland bleiben?“ Ryanair wächst trotzdem in Memmingen
Memminger Flughafen

„Warum sollten wir hier in Deutschland bleiben?“ Ryanair wächst trotzdem in Memmingen

Mit einer vierten stationierten Ryanair-Maschine baut die Airline ihr Angebot am Allgäu Airport weiter aus. Im Bild (v. l.): Airport-Marketingchefin Ina Graf, Marcel Pouchain Meyer (Ryanair Head of Marketing & Communications für die DACH-Region), Marco Lietz (Ryanair Head of Public Affairs Germany) und Airport-Geschäftsführer Marcel Schütz. Foto: Pauline Jung / B4B
Mit einer vierten stationierten Ryanair-Maschine baut die Airline ihr Angebot am Allgäu Airport weiter aus. Im Bild (v. l.): Airport-Marketingchefin Ina Graf, Marcel Pouchain Meyer (Ryanair Head of Marketing & Communications für die DACH-Region), Marco Lietz (Ryanair Head of Public Affairs Germany) und Airport-Geschäftsführer Marcel Schütz. Foto: Pauline Jung / B4B

Hohe Steuern und steigende Gebühren machen Deutschland für Ryanair zunehmend unattraktiv. Während die Airline an anderen Flughäfen Verbindungen streicht, baut sie ihr Angebot in Memmingen weiter aus. Was hinter den Plänen für 2027 steckt.

Sieben Flugzeuge zieht Ryanair aus Berlin ab, eines kommt in Memmingen dazu: Mit einer vierten stationierten Maschine und vier neuen Zielen ab 2027 baut die Airline ihr Angebot am Allgäu Airport aus. Das gaben Vertreter des Billigfliegers am Dienstag, 20. Oktober, bei einem Pressetermin bekannt. Der Grund: vergleichsweise niedrige Gebühren, schnelle Abläufe und ein Flughafen, der gut zum Ryanair-Modell passt.

Neue Ziele ab Memmingen

Ab Ende März 2027 sollen vier neue Ziele von Memmingen aus angeflogen werden. Mit Sevilla und Castellón kommen zwei spanische Städte hinzu. Außerdem stehen künftig Rimini an der italienischen Adriaküste und Varna am bulgarischen Schwarzen Meer auf dem Flugplan. Bereits im kommenden Winter erweitert Ryanair sein Angebot um Catania auf Sizilien und die albanische Hauptstadt Tirana. Damit umfasst der Winterflugplan insgesamt 25 Strecken.

Ein viertes Flugzeug für Memmingen

Damit das Angebot weiter wachsen kann, stationiert Ryanair ein viertes Flugzeug am Allgäu Airport. Die Maschine soll bereits am Samstag in Memmingen eintreffen und am Sonntagmorgen um 6.15 Uhr erstmals nach Gran Canaria starten. Den Wert der vier stationierten Flugzeuge beziffert die Airline auf rund 400 Millionen US-Dollar. Für den kommenden Winter rechnet Ryanair mit mehr als 700.000 Passagieren am Standort. Nach Angaben des Unternehmens werden durch das Flugangebot zudem mehr als 1.600 Arbeitsplätze in der Region unterstützt. Dass Ryanair ausgerechnet in Memmingen investiert, hat vor allem mit den vergleichsweise niedrigen Standortkosten zu tun. Der Flughafen setzt auf einfache Abläufe, kurze Standzeiten und günstige Gebühren. Genau das kommt der Fluggesellschaft entgegen.

Ryanair übt deutliche Kritik an Deutschland

An anderen deutschen Flughäfen ist die Situation dagegen angespannt. „Wir fahren die Kapazitäten langsam in Deutschland zurück“, erklärte Marcel Pouchain Meyer, Head of Marketing & Communications für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Neben der Luftverkehrssteuer kritisiert Ryanair vor allem die hohen Gebühren für Flugsicherung, Sicherheitskontrollen sowie Starts und Landungen. „Wir sehen uns andere Länder an und denken: Warum sollten wir hier in Deutschland bleiben?“, sagte Pouchain Meyer. Flugzeuge würden bevorzugt dort eingesetzt, wo die Betriebskosten niedriger seien. Länder wie Italien seien für die Airline deshalb deutlich attraktiver.

Auch Marco Lietz, Head of Public Affairs Germany bei Ryanair, machte deutlich, dass sich etwas ändern müsse. Zwar seien die Bedingungen in Bayern vergleichsweise günstig, doch das reiche nicht aus. „Bayern ist ein Vorbild innerhalb von Deutschland, aber nur innerhalb von Deutschland“, erklärte er.

Die Forderung der Airline ist eindeutig: Die Luftverkehrssteuer soll vollständig abgeschafft, die übrigen Standortkosten deutlich gesenkt werden. Sollte die Bundesregierung darauf eingehen, stellt Ryanair Investitionen von weiteren drei Milliarden US-Dollar in Aussicht. Bis 2034 könnten so 30 zusätzliche Flugzeuge in Deutschland stationiert und mehr als 1.000 neue direkte Arbeitsplätze geschaffen werden. Bleiben die Kosten dagegen hoch, könnten weitere Verbindungen wegfallen.

Flughafen Memmingen wächst weiter

Am Allgäu Airport blickt man der Zukunft optimistisch entgegen. Geschäftsführer Marcel Schütz erwartet für das laufende Jahr rund 3,8 Millionen Passagiere. Im kommenden Jahr könnten es bereits vier Millionen werden. Ryanair ist der größte Kunde des Flughafens und trägt maßgeblich zu dieser Entwicklung bei.

Dass Memmingen bei der Airline so beliebt ist, liegt laut Schütz auch am eigenen Konzept. „Wir werden nie ein Fünf-Sterne-Airport sein, es geht um ein schnelles und unkompliziertes Angebot“, erklärte der Geschäftsführer. Im Idealfall sollen Flugzeuge nach rund 25 Minuten bereits wieder abheben können.

Um für die steigenden Passagierzahlen gerüstet zu sein, investiert der Flughafen rund zehn Millionen Euro in den Ausbau. Geplant sind zwei zusätzliche Flugzeugparkpositionen sowie neue Gate-Kapazitäten, die voraussichtlich im Februar eröffnet werden sollen. Finanziert wird das Vorhaben überwiegend durch den Flughafen selbst und die beteiligten Unternehmer.

Wirtschaftlich steht der Allgäu Airport nach Angaben von Schütz bereits seit 2017 – mit Ausnahme eines Corona-Jahres – auf eigenen Beinen. Dabei ist der Flughafen nicht nur für Urlauber wichtig: Rund 40 Prozent der Passagiere nutzen ihn laut Schütz auch, um zwischen Arbeitsort und Heimat zu pendeln. Während Ryanair an anderen deutschen Flughäfen den Rotstift ansetzt, kann Memmingen sein Angebot weiter ausbauen. Ob das langfristig so bleibt, dürfte vor allem davon abhängen, wie sich die Kosten für Fluggesellschaften in Deutschland entwickeln.

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