Digitalisierung

Lautracher Salon: Wie ethisch müssen Algorithmen sein?

Die fünfte Ausgabe des Lautracher Salons am 16. Mai mündete in eine engagierte Diskussion. Mit dem Thema trafen die Veranstalter bei Referenten und Publikum genau ins Schwarze: die Ethik der Algorithmen.

Der kreisrunde Konferenzraum des Lautracher Schlosses war erneut voll besetzt. Zahlreiche Unternehmer und interessierte Gäste waren der Einladung zum 5. Lautracher Salon gefolgt. Ihr Ziel war es Antworten auf die Frage zu erhalten, ob und wie wir in Zukunft Algorithmen und Künstliche Intelligenz beherrschen werden. Der Salon ist eine Veranstaltungsreihe des Management Centrums Schloss Lautrach zu Herausforderungen der Digitalisierung. Ihn moderieren traditionell dessen Initiatoren Dr. Oliver Ernst, Trainer, Berater und Coach, und Christina Kral-Voigt, auf Schloss Lautrach für Kundenberatung sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Nicht der Algorithmus ist das Problem

Der Salon startete mit einem Einwand: nicht die „Ethik der Algorithmen“ sollte der Titel lauten, sondern „Ethik für Algorithmen“. Besser gesagt, ein ethisch gesteuertes Handeln der Verantwortlichen von Algorithmen. Professor, Dr. Manfred Broy, Gründungspräsident des Zentrums Digitalisierung Bayern betonte, dass nicht der Algorithmus selbst das Problem sei. Es sei der Mensch, der bestimmt, wie Künstliche Intelligenz gestaltet und eingesetzt wird. Egal ob Programmierer, User oder Hardware-Entwickler, Systeme seien so anzulegen, dass jeder Beteiligte zu Momenten des Innehaltens und der Verantwortung angehalten wird.

Hemmen Werte?

Hierfür müsse es Richtlinien geben. Etwa die Werte unseres Grundgesetzes, so Roland Dathe, Sprecher des Vereins Initiative D21. Einen Schritt weiter ging bereits Dr.-Ing. Carsten Trinitis, Präsidiumsmitglied der Gesellschaft für Informatik. An seinem Institut gelten seit Kurzem ethische Richtlinien, die jeden Mitarbeiter anregen, während der Entwicklung von KI und Algorithmen und vor deren Implementierung nachzudenken. Bereits hier intervenierte das Publikum: Was können wir in Deutschland oder Europa ausrichten, wenn Wettbewerber wie China oder die Konzerne des Silicon Valley dieses Nachdenken nicht teilen? Hemmt uns diese Wertedebatte nicht und lässt uns den Anschluss verlieren?

Lautracher Salon 05: Ethik der Algorithmen

Europäisches Selbstbewusstsein

Nein, nicht unbedingt, meinte Broy. Natürlich seien internationale ethische Regelungen derzeit nicht umsetzbar. Aber Deutschland und vor allem Europa seien nach wie vor der größte Wirtschaftsraum des Planeten. Und was hier geregelt wird, habe Auswirkungen selbst auf internationale Firmen. Warum nicht auf unseren demokratischen Wert der informationellen Selbstbestimmung pochen? Und etwa Amazon oder Google untersagen, Daten ohne Einwilligung des Users zu sammeln. Oder sie gar zu verpflichten, ihre Algorithmen offenzulegen. Zu lange habe Europa Schlupflöcher geboten, ergänzte Dathe. Und Trinitis warnte, dass Apple oder Google schon jetzt Projekte in der Pipeline hätten, die gesellschaftlich kaum mehr vermittelbar wären. Selbstbewusster zu handeln, sei das Gebot der Stunde in Europa, so die Experten.

Eine Frage der Zeit

Die Welt werde in Zukunft noch extremer, so die Experten, sollten Regelungen weiterhin ausbleiben. Obwohl lernende System noch an Grenzen stoßen und dem menschlichen Gehirn noch nicht das Wasser reichen könnten. Aber es sei nur eine Frage der Zeit, bis wir nicht mehr exakt kontrollieren und beherrschen, was Künstliche Intelligenz ausführt.

Technische Kompetenz in der Politik

Dem stimmte das Publikum zu. Und beklagte, dass Europa zu viele Skrupel vor möglichem Missbrauch der Künstlichen Intelligenz pflege und deshalb entsprechend zögerlich handle. Doch das Gegenteil müsse gelten: in der Forschung wieder vorne dabei sein, nur so sei Einfluss auf die Entwicklung nehmen. Worauf Broy die mangelnde technische Kompetenz der Politik, aber auch das mangelnde Wertebewusstsein in Wirtschaft und Wissenschaft – siehe Dieselskandal – als Problem betonte. Trinitis pflichtet ihm bei: Politik und Wissenschaft hätten sich aufeinander zuzubewegen. Erstere werden technischer, Zweitere politischer und ethischer. Um die notwendige Informatiktiefe zu erreichen, verbunden mit der Entwicklung eines Systems der ethischen Kontrolle. Für die Zukunft unseres Kontinents. Der nächste Lautracher Salon findet am 5. November statt. Thema: Social Score

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Nein, nicht unbedingt, meinte Broy. Natürlich seien internationale ethische Regelungen derzeit nicht umsetzbar. Aber Deutschland und vor allem Europa seien nach wie vor der größte Wirtschaftsraum des Planeten. Und was hier geregelt wird, habe Auswirkungen selbst auf internationale Firmen. Warum nicht auf unseren demokratischen Wert der informationellen Selbstbestimmung pochen? Und etwa Amazon oder Google untersagen, Daten ohne Einwilligung des Users zu sammeln. Oder sie gar zu verpflichten, ihre Algorithmen offenzulegen. Zu lange habe Europa Schlupflöcher geboten, ergänzte Dathe. Und Trinitis warnte, dass Apple oder Google schon jetzt Projekte in der Pipeline hätten, die gesellschaftlich kaum mehr vermittelbar wären. Selbstbewusster zu handeln, sei das Gebot der Stunde in Europa, so die Experten.

Eine Frage der Zeit

Die Welt werde in Zukunft noch extremer, so die Experten, sollten Regelungen weiterhin ausbleiben. Obwohl lernende System noch an Grenzen stoßen und dem menschlichen Gehirn noch nicht das Wasser reichen könnten. Aber es sei nur eine Frage der Zeit, bis wir nicht mehr exakt kontrollieren und beherrschen, was Künstliche Intelligenz ausführt.

Technische Kompetenz in der Politik

Dem stimmte das Publikum zu. Und beklagte, dass Europa zu viele Skrupel vor möglichem Missbrauch der Künstlichen Intelligenz pflege und deshalb entsprechend zögerlich handle. Doch das Gegenteil müsse gelten: in der Forschung wieder vorne dabei sein, nur so sei Einfluss auf die Entwicklung nehmen. Worauf Broy die mangelnde technische Kompetenz der Politik, aber auch das mangelnde Wertebewusstsein in Wirtschaft und Wissenschaft – siehe Dieselskandal – als Problem betonte. Trinitis pflichtet ihm bei: Politik und Wissenschaft hätten sich aufeinander zuzubewegen. Erstere werden technischer, Zweitere politischer und ethischer. Um die notwendige Informatiktiefe zu erreichen, verbunden mit der Entwicklung eines Systems der ethischen Kontrolle. Für die Zukunft unseres Kontinents. Der nächste Lautracher Salon findet am 5. November statt. Thema: Social Score

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