Vom Kleinstbetrieb zu Marktführer

Jubiläums-Interview: KUNERT feiert 111-jähriges Bestehen

Justina Rokita, Geschäftsführerin der Kunert Fasion GmbH. Foto: Kunert
Vor 111 Jahren wurde der Strumpfhersteller KUNERT in Warnsdorf, Tschechien, gegründet. Geschäftsführerin Justina Rokita blickt zurück auf eine bewegte Firmengeschichte.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie hat sich KUNERT seit seiner Gründung vor 111 Jahren verändert?

Justina Rokita: KUNERT startete als kleiner Stickerei-Betrieb und hat sich zu Europas größtem Strumpfhersteller entwickelt. Bis heute sind wir Fachexperten für die Herstellung von Beinbekleidung.

In all den Jahren hat KUNERT mehrere Firmen zugekauft. Wie haben sich diese Investitionen auf das Unternehmen ausgewirkt?

1978 hat KUNERT die Firma Hudson übernommen. Bis heute stellt Hudson neben KUNERT die wichtigste Umsatzsäule der Gesellschaft dar. 1990 übernahm KUNERT dann die Firma Arlington mit den Markenrechten „Burlington“. Im April 2008 wurde die Lizenz jedoch wieder abgegeben.

Im Lauf der Firmengeschichte änderten sich sowohl der Firmensitz als auch die Produktionsstandorte. Weshalb entschied sich KUNERT für die Ortswechsel?

Innerhalb der Produktion hat KUNERT als einziger Strumpfhersteller sehr viele Produktionsstätten geführt: in Mindelheim, Immenstadt, Geyer, Vilsbiburg, Berlin, Athen, Tetouan (Marokko), Ungarn und Portugal.

Die Ortswechsel waren aufgrund der sich stetig verändernden Unternehmensstruktur hinsichtlich der Größe notwendig. Bis heute sind die Standorte Tetouan und natürlich Immenstadt mit einer kleinen Produktion geblieben. Unser Sitz im Allgäu ist das Herzstück des Unternehmens.

Was verbindet KUNERT mit dem Allgäu?

Wir verbinden mit Immenstadt einen Firmensitz – praktisch eine neue Heimat – welche nach der Vertreibung aus dem Sudetenland als neu und gut befunden wurde. Viele Flüchtlinge aus Warnsdorf, die gleichfalls Mitarbeiter der alten KUNERT Firma waren, fanden in Immenstadt einen neuen Arbeitsplatz und KUNERT die dringend benötigen Facharbeiter. Der Sitz in Immenstadt ist und bleibt ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.

Auf welche Meilensteine blickt KUNERT zurück?

Die heutige KUNERT FASHION GMBH wurde 1907 in Warnsdorf, Tschechien, von Maria Kunert als gewerblicher Strickerei-Betrieb gegründet. Bereits 1919 wurde das Unternehmen erweitert und in die Julius Kunert Strickerei und Krawattenfabrik umfirmiert. Eine weitere Gründung folgte fünf Jahre später: die Wirkwarenfabrik J. Kunert & Söhne OHG. Die Folgejahre waren von einem explosiven Wachstum geprägt – ab 1938 war KUNERT mit seinen 5.000 Beschäftigten Europas größter Strumpfhersteller.

Im zweiten Weltkrieg gab es mit der Vertreibung aus dem Sudetenland einen großen Einschnitt. 1947 konnte KUNERT in Immenstadt wiederaufgebaut werden. Einige Jahre später war KUNERT mit der Übernahme der Firma Hudson wieder der größte Strumpfhersteller Europas. Als sich in den 1990er Jahren dann die Tragegewohnheiten änderten, ging der Umsatz jedoch stark zurück. 2005 übernahm schließlich eine Investorengruppe um die Deutsche Bank London das Unternehmen. 2013 folgte dann der Antrag auf Insolvenz woraufhin der österreichische Unternehmer Dr. Erhard F. Grossnigg als neuer Eigentümer einstieg. Im September 2015 kam schließlich ich als erste Frau nach der Gründerin als CEO zu KUNERT.

Welche Ziele verfolgt KUNERT für die nächsten Jahre?

Nach einer sehr intensiven Umstrukturierung seit September 2015 wurde KUNERT hinsichtlich Markenstrategie, Konzeption, Kommunikation, interne Prozesse wie Logistik und IT Systemlandschaft intensiv umstrukturiert. Nun ist das Unternehmen nach über 20 Jahren wieder modernisiert, den erwünschten Marktgegebenheiten angepasst und bereit, wieder Erfolgsgeschichte zu schreiben. Bereits mit der ersten nachhaltigen Produktlinie, ergänzt durch die neue HUDSON Sport Performance Produktlinie, sind die ersten Impulse gesetzt. Insgesamt wollen wir nachhaltig wachsen. Der Fokus liegt auch weiterhin auf Produktinnovationen, gepaart mit der neu entwickelten visuellen Bildsprache. Wir freuen uns auf die nächsten 111 Jahre!

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