
Holen Sie sich B4BSCHWABEN.de auf Ihr Smartphone.
Klicken Sie auf das Symbol zum „Teilen” in der Toolbar von Safari. Finden Sie die Option „Zum Home-Bildschirm”. Mit einem Klick auf „Hinzufügen” ist die Installation abgeschlossen! Schon ist die Website als App auf Ihrem iOS-Gerät installiert.
B4BSCHWABEN.de: Mayr Antriebstechnik blickt auf über 125 Jahre Firmengeschichte zurück – wie hat sich das Unternehmen in dieser Zeit am stärksten verändert, und was ist konstant geblieben?
Ferdinand Mayr: Ich fange mit den Konstanten an: Wir sind seit fast 130 Jahren der zuverlässige Partner für unsere Kunden, aber auch für unsere Mitarbeitenden. An unseren Kernwerten Sicherheit, Zuverlässigkeit und Innovation hat sich nichts geändert, sie leiten uns seit Jahrzehnten. Besonders Sicherheit und Stabilität sind uns schon immer wichtig gewesen – es geht nicht so sehr um große Profitsteigerungen, sondern um stabile Verhältnisse für unsere Kunden und für unsere Mitarbeitenden weltweit.
Einiges hat sich aber auf jeden Fall geändert, insbesondere in den letzten Jahren hat die Veränderung spürbar Fahrt aufgenommen. Wir arbeiten immer stärker digital, auch unsere ursprünglich rein mechanischen Produkte werden smart und vernetzt. Software spielt eine immer stärkere Rolle auch bei unseren Produkten. Dazu kommt jetzt KI und Automatisierung. Es bleibt spannend.
Wie hat der Wechsel in der Geschäftsführung — mit Ihnen als CEO — die strategische Ausrichtung des Unternehmens beeinflusst?
Nach wie vor ist das oberste Ziel, ein unabhängiges Familienunternehmen zu bleiben, ich führe hier die Überzeugung meiner Vorgänger weiter. Das ist aus meiner Sicht die ideale Ausgangsbasis, unsere Werte so zu verwirklichen, wie es uns als Unternehmen richtig erscheint. Dass ich die Rolle des CEO übernommen habe, kann uns aus meiner Sicht dabei helfen. Ich glaube auch, dass diese Verbindung zwischen Eigentümerschaft, Gesellschaftern und operativer Tätigkeit eine ganz besondere Konstellation darstellt, die ganz sicher zu Entscheidungen führt, die anders sind als bei rein gewinnorientierten Unternehmen. Das ich als neue Generation Wind und Veränderung in die Themen der Prozessorganisation, Digitalisierung und KI-Nutzung eingebracht habe ist wohl nachvollziehbar, darf sich in der heutigen Zeit aber nicht nur auf einen Generationswechsel beziehen. Veränderung muss unser Tagesgeschäft werden, um den Anforderungen der neuen Welt gerecht werden zu können.
Mayr Antriebstechnik ist in zahlreichen Branchen weltweit aktiv. Wo sehen Sie aktuell die größten Wachstumschancen?
Ganz allgemein kann ich aber sagen, dass smarte Produkte aktuell in vielen Bereichen im Trend liegen. Produktionsumgebungen werden immer stärker vernetzt, vorausschauende Wartung und Fernwartungskonzepte sind auf dem Vormarsch, KI ist in vielen Bereichen schon Alltag. Für all diese Szenarien braucht man Daten aus dem Antriebsstrang. Mit intelligenten Überwachungsmodulen wie unserem ROBA® brake-checker® oder auch ROBA® drive-checker® bieten wir genau das an.
Wachstumschancen bieten aktuell konkret die Medizintechnik oder beispielsweise auch mobile Anwendungen wie AGVs. Die Sicherheitstechnik zur Absicherung von Mensch und Maschine kann man durch deutsche Normen in einer Vorreiterrolle sehen. Gerade im internationalen Kontext hilft uns dies, wenn „quasi Standards“ sich für lokale, aber auch exportbezogene Maschinen etablieren. Mittelfristig erwarten wir durch die Urbanisierung auch hier weitere Impulse und sehen dies auch weltweit mehr als in Deutschland, wo der Immobiliensektor aktuell eher schwächelt. Im Bereich Rüstung sind wir heute noch nicht proaktiv unterwegs, aber natürlich beobachten auch wir in dieser Branche starkes Wachstum.
Welche Strategien verfolgen Sie, um auch in Krisenzeiten stabil zu bleiben — sei es globaler Wettbewerb oder Lieferkettenprobleme?
Ein wichtiger Faktor für Stabilität ist eine breite Basis. Das gilt sowohl für unsere Produktpalette, die sehr vielfältig ist, als auch für die bereits genannte Vielzahl an Branchen. Es wirft uns nicht sofort aus der Bahn, wenn eine dieser Branchen schwächelt. Ein weiterer strategischer Ansatz ist die Internationalisierung. Wir sind auf allen Kontinenten der Welt vertreten und betreiben Produktionsanlagen in Mauerstetten, Polen, China und Indien. Und die dritte Säule ist höchste Flexibilität, will heißen auf Kundenanforderungen mit einem flexiblen Baukasten für Sonderausführungen reagieren und auf der Fertigungsseite das Mögliche umsetzen, um die Lieferanforderungen zu erfüllen. Man darf nicht vergessen, wir sind Komponentenlieferant und damit eher am Ende der Kette, was wiederum schnelle Reaktionszeiten bedingt.
Wie wichtig ist Ihnen internationale Präsenz und Kundenservice vor Ort – etwa durch Standorte und Vertriebspartner weltweit?
Die internationale Präsenz gehört untrennbar zu unserer Identität. mayr® ist im Allgäu verwurzelt, aber in der ganzen Welt zu Hause. Damit können wir vor Ort überall den optimalen Service bieten, uns auf die Kunden mit ihren lokalen Bedürfnissen bestmöglich einstellen. Dieses Konzept verfolgen wir auch mit unseren Produktionsstandorten, beispielweise dem in Indien, wo wir im vergangenen Jahr die Produktion aufgenommen haben. Wir produzieren dort vor Ort für den lokalen Markt. Dabei gilt: Viele Standorte, eine Qualität. Kunden können sich weltweit überall auf die sprichwörtliche mayr® Qualität verlassen. Ich würde sagen, dass die internationale Präsenz ein großer Erfolgsfaktor für uns ist.
Wie würden Sie die Unternehmenskultur bei Mayr Antriebstechnik beschreiben und welche Werte sind Ihnen persönlich wichtig?
Unsere Mitarbeitenden sind unser wertvollstes Gut. Ich stehe für eine Unternehmenskultur, die Menschen ermutigt, über den Tellerrand hinauszublicken, Eigeninitiative zu entwickeln und die großen Zusammenhänge zu sehen. Jeder an seinem Platz. Gut ausgebildete und motivierte Mitarbeitende sind die Garanten für unseren Erfolg. Dazu gehört auch, über offene Diskussionen und ehrlichen Austausch über alle Ebenen hinweg zu einem guten Konsens zu kommen.
Darüber hinaus habe ich auch den Anspruch, dass wir Dinge einfach machen. Wenn beispielsweise ein Mitarbeiter eine gute Idee hat, dann probieren wir das aus. Die Welt ist da, um sich auszuprobieren und selbst zu erfahren. So entstehen manchmal Dinge, die keiner vorhersehen konnte. Da kommt wieder ein großer Vorteil des Familienunternehmens zum Tragen: Als Familienunternehmer kann ich das tun. Als Eigentümer kann ich das tun. Andere können das auch, aber sie müssen sich dann meist rechtfertigen. Das muss ich in diesem Sinne nicht.
Wie fördern Sie Talente und Führungskräfte von morgen im Unternehmen?
Wir bieten ein umfangreiches Schulungsprogramm an, das unsere Führungskräfte auf ihre Aufgaben vorbereitet und sie dabei unterstützt. Auch für alle anderen Mitarbeitenden gibt es die Möglichkeit, sich weiterzubilden und das persönliche Wachstum zu fördern. So übernehmen wir beispielsweise für jedes Semester einen VHS Kurs für unsere Mitarbeiter und haben eine eigene Abteilung mit der mayr® academy, welche die Fach-, Methoden- und Softskill-Kompetenz fördert. Besonders groß schreiben wir die Ausbildung bei mayr®. Rund 60 % der Mitarbeitenden sind auch bei uns ausgebildet. Unser Konzept, das mir auch persönlich sehr am Herzen liegt, ist „Ausbildung mit Tiefe“. Es geht eben nicht nur darum, Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, sondern um ganzheitliches, persönliches Wachstum. Idealerweise beantworten wir gemeinsam mit jeder und jedem Auszubildenden die Fragen: Wer bist du? Und wer willst du sein?
Welche Rolle spielt der Standort Allgäu für Sie und das Unternehmen langfristig?
Das Allgäu ist unsere Heimat. Meine eigene, aber auch die der Firma mayr® Antriebstechnik. Hier haben wir unsere Wurzeln und entsprechend wichtig ist mir auch unsere starke Präsenz hier in der Region. Gerade eben bauen wir an unserem Stammsitz Mauerstetten die neue Werkhalle 9b und investieren so in unsere Zukunft hier im Allgäu. Damit unterstreichen wir auch das klare, langfristige Bekenntnis zum Standort und zur Region
Die Rahmenbedingungen im Hinblick auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind aktuell herausfordernd. Trotzdem, oder gerade deshalb, setzen wir ganz bewusst Impulse für unsere Zukunft und schaffen so die Möglichkeiten, diese erfolgreich zu gestalten. Natürlich soll es auch ein Wachstumsimpuls für unser Unternehmen sein. Wir wollen das volle Potenzial der Automatisierung für uns nutzen, unsere Produktivität weiter steigern und sichere, zuverlässige und innovative Produkte entwickeln. Das ist der klare Auftrag und Anspruch an uns selbst, der mit der Investition einhergeht.
Gibt es eine Philosophie oder ein Motto, das Sie persönlich und beruflich leitet?
Was mich vor allem antreibt, ist der Gedanke, persönliches Wachstum zu fördern, das dann zu Wachstum für die Organisation führt. Wenn es uns gelingt, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Potenziale jeder einzelnen Person optimal zur Entfaltung kommen, dann führt das aus meiner Sicht unmittelbar zu einem Wachstumsschub für das Unternehmen. So gewinnen am Ende alle. Die Möglichkeiten und Potentiale, die in uns schlummern, möchten sich entfalten. Dies macht den Menschen bei Erfolg zufrieden und schafft Wachstum. Dann sollten wir tunlichst dazu beitragen, unsere Aufmerksamkeit auf unsere Potentiale zu richten. So mein Anspruch und Chancen für mich und alle anderen bei mayr®, sofern wir das betriebswirtschaftliche System dabei beachten und gestalten. Wir können nicht alles steuern, was uns im Leben begegnet – aber wir können lernen, bewusster zu entscheiden, worauf wir unsere begrenzte Aufmerksamkeit richten. Damit wird Aufmerksamkeit zu einem aktiven Gestaltungselement unseres Lebens, unserer Arbeit und unserer gemeinsamen Kultur bei mayr®.