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Verliert Bayern als Industriestandort an Bedeutung?
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ibw – Informationszentrale der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Verliert Bayern als Industriestandort an Bedeutung?

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw. Foto: vbw

Im vierten Teil der Informationsserie zur M+E Tarifrunde 2016 „Der Schein trügt“ gibt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V, zu Bedenken, welche Auswirkungen die Erhöhung der Arbeitskosten für die regionale Wirtschaft nach sich ziehen könnte.

Ein Blick auf aktuelle Rankings belegt: Der Industriestandort Bayern steht im internationalen Vergleich gut da. „Der Schein trügt“, warnt jedoch Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V, „denn was die Statistiken nicht zeigen ist, dass der Industriestandort Bayern an Bedeutung verliert.“

Jedes zweite bayerische M+E Unternehmen hat nach Angaben des vbm inzwischen einen Standort im Ausland. Dort entstehen rund 30 Prozent der Wertschöpfung. „Während das Bruttoanlagevermögen im Inland seit 2000 nur um rund ein Prozent jährlich zugenommen hat, hat sich der Bestand an Direktinvestitionen bayerischer Industrieunternehmen im Ausland im gleichen Zeitraum verdoppelt. Auch aus den aktuellen Produktions- und Investitionsplänen der bayerischen M+E Industrie geht hervor: Im Inland gibt es kaum Dynamik, die Pläne für das Ausland dagegen sind expansiv. Das ist ein alarmierendes Signal“, so Brossardt.

vbm fürchtet zunehmende Verlagerung ins Ausland

Sorge würde dem vbm vor allem bereiten, dass die Investitionen im Ausland zunehmend ersetzenden Charakter hätten. „Wir sehen derzeit zwar noch keinen generellen Trend zur Verlagerung von Wertschöpfung. Aber: Wenn bayerische M+E Unternehmen in neue Anlagen oder Werke investieren, tun sie dies schon heute nicht mehr im Freistaat, sondern an ihren ausländischen Standorten. Lange Zeit war das Hauptmotiv für den Gang ins Ausland, neue Märkte zu erschließen. Jetzt geht es verstärkt wieder um Kostenersparnis. Die hohen Arbeitskosten hierzulande sind ein wesentlicher Standortnachteil“, betont Brossardt.

Besonders hohe Arbeitskosten in der Deutschen Industrie

Die deutsche Industrie hat bereits mit die höchsten Arbeitskosten weltweit. 2014 waren es nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft in den westdeutschen Bundesländern 40 Euro pro Arbeitnehmer und Stunde. Gegenüber dem Durchschnitt anderer Industrieländer hat Westdeutschland damit einen Kostennachteil von 22 Prozent. Gegenüber den mittel- und osteuropäischen Staaten sowie den Schwellenländern ist der Kostennachteil noch deutlich größer. „Da die meisten M+E Firmen inzwischen viel Erfahrung mit Standorten in fremden Ländern haben, können sie Produktionskapazitäten heute wesentlich schneller und leichter verlagern als früher. Wenn wir Wertschöpfung und Beschäftigung in Bayern halten wollen, brauchen wir wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen und tarifpolitische Vernunft“, mahnt Brossardt.

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