Gast der Redaktion

Unternehmensnachfolge: Ohne Testament stirbt die ganze Firma

Verspätete und unvollständige Nachfolgeregelungen bedrohen die Existenz von Unternehmen. Eine effiziente Zukunftssicherung, so betonen spezialisierte Berater von Sonntag & Partner, braucht Umsicht, Tatkraft – und manchmal auch Mut.

Ein uneheliches, bisher verheimlichtes Kind. Ein Ex-Partner, mit dem zwar die Ehe gelöst ist, aber die Unternehmensbeteiligung weiterbesteht. Eine Erbengeneration, deren Interessen weit auseinanderklaffen. Es gibt viele unkalkulierbare Faktoren, die in die Nachfolge in dem Besitz und die Führung eines Unternehmens hereinspielen – und die meisten davon sind schädlich für den Bestand des Betriebs. Diese Erfahrung machen Ulrich Derlien und Dr. Thomas Rau, beide Partner der Augsburger Kanzlei Sonntag & Partner, die sich regelmäßig mit Nachfolgefragen befasst.

Ungeregelte Erbfolge gefährdet das Unternehmen

In der Rangliste der Gründe, warum eine Unternehmensnachfolge den ganzen Betrieb in Schieflage versetzen oder sogar handlungsunfähig machen kann, sehen die beiden Fachleute drei besonders häufig. „Unentschlossene, uneinige oder sogar zerstrittene Erbengemeinschaften sind für Firmen in der Übergangsphase vom alten Eigentümer zum neuen schädlicher als jedes Marktereignis“, stellten Derlien und Rau im Gespräch mit unserer Redaktion fest. „Sie lähmen die aktuelle Handlungsfähigkeit auf allen Ebenen und sie bedrohen die Existenz, weil im Zweifelsfall das vorhandene Vermögen und Betriebskapital nicht mehr arbeiten kann, sondern dazu dient, Ansprüche zu befriedigen.“

Unternehmensnachfolge: Das sollten Sie unbedingt vermeiden 

In ihrer Beratungsarbeit spielen daher die verschiedenen Szenarien eine Schlüsselrolle, die sich ergeben können, wenn der aktuelle Inhaber aufhört – aus welchen Gründen auch immer. „Alles, was vor diesem Zeitpunkt unter den Tisch gekehrt oder verdrängt wird, weil es unangenehm und nebensächlich erscheint, entfaltet in der Stunde Null zerstörerische Kraft“, so Rau. So können sich zum Beispiel „gut gemeinte Verfügungen“ in einem Unternehmer-Testament als steuerlich so nachteilig erweisen, dass das Erbe massiv angegriffen wird. Ähnlich wirkt es sich aus, wenn zu spät bekannt wird, dass es zum Beispiel uneheliche Erben gibt, deren Existenz aus Scham oder Angst verschwiegen wurde.

Mitunter ergeben sich daraus Konstellationen in der Erbfolge, deren rechtliche Bewertung im direkten Gegensatz zu dem steht, was der Erblasser eigentlich erreichen wollte. Der wachsende Trend zu Patchwork-Familien sei für die Erbfolge im Unternehmen das, was die Globalisierung für die Wertschöpfungskette bedeutet: eine Zunahme an Komplexität und Wechselwirkungen. „Eine Nachlassregelung lässt sich selten Satz für Satz in die Tat umsetzen“, berichtet Derlien aus langjähriger Erfahrung. „Da greift eines ins andere und entwickelt mitunter regelrechte Domino-Effekte.“

Das A und O für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung

Eine rechtzeitige Planung, eine umfassende Strategie sowie eine regelmäßige Bewertung des Unternehmens sind daher aus Sicht der Sonntag & Partner-Experten das A und O, um solch schädlichen Folgen entgegenzuwirken oder sie gleich ganz zu vermeiden. „Sich mit diesem Thema zu befassen, betrifft ja nicht nur die Vorsorge für einen möglichen Todesfall“, sagt Rau, „Alle Prüfungen und Anpassungen sind auch hilfreich, wenn es zum Beispiel um Unternehmenserweiterung geht, um langfristige Investitionspläne, um Zukäufe von Unternehmen oder um Verkäufe oder Übertragungen von Betrieben oder Anteilen.“ Jede dieser Situationen bedürfe einer langfristigen und gründlichen Vorbereitung – genauso wie die persönliche Exit-Strategie des Unternehmers, die er „am besten schon an seinem ersten Tag an der Spitze der Firma definiert“, so Rau.

Wie Unternehmer ihr Lebenswerk schützen können

Beide Berater weisen nachdrücklich darauf hin, dass es sowohl erb- wie steuerrechtlich inzwischen eine Vielzahl geeigneter Instrumente gibt, um schädlichen Folgen einer Betriebsübergabe oder Nachfolgeregelung vorzubeugen. „Wie bei jeder vorsorglichen Maßnahme kommt es aber auch hier auf frühzeitiges und langfristig angelegtes Handeln an,“ bekräftigt Derlien.

Als Beispiel verweist er auf Schenkungen, bei denen bestimmte Fristen im Rahmen einer planvollen Handlungsweise vorteilhaft sind, sich aber bei Untätigkeit zum Nachteil wenden. „Unternehmer, die ihr Lebenswerk schützen und bewahren wollen, sind gut beraten, ganz selbstverständlich und aktiv mit dem Datum umzugehen, an dem sie keinen Einfluss mehr haben. Das Risiko, dass alles zerbricht, was sie aufgebaut haben, ist sonst viel zu hoch.“

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Ein uneheliches, bisher verheimlichtes Kind. Ein Ex-Partner, mit dem zwar die Ehe gelöst ist, aber die Unternehmensbeteiligung weiterbesteht. Eine Erbengeneration, deren Interessen weit auseinanderklaffen. Es gibt viele unkalkulierbare Faktoren, die in die Nachfolge in dem Besitz und die Führung eines Unternehmens hereinspielen – und die meisten davon sind schädlich für den Bestand des Betriebs. Diese Erfahrung machen Ulrich Derlien und Dr. Thomas Rau, beide Partner der Augsburger Kanzlei Sonntag & Partner, die sich regelmäßig mit Nachfolgefragen befasst.

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In der Rangliste der Gründe, warum eine Unternehmensnachfolge den ganzen Betrieb in Schieflage versetzen oder sogar handlungsunfähig machen kann, sehen die beiden Fachleute drei besonders häufig. „Unentschlossene, uneinige oder sogar zerstrittene Erbengemeinschaften sind für Firmen in der Übergangsphase vom alten Eigentümer zum neuen schädlicher als jedes Marktereignis“, stellten Derlien und Rau im Gespräch mit unserer Redaktion fest. „Sie lähmen die aktuelle Handlungsfähigkeit auf allen Ebenen und sie bedrohen die Existenz, weil im Zweifelsfall das vorhandene Vermögen und Betriebskapital nicht mehr arbeiten kann, sondern dazu dient, Ansprüche zu befriedigen.“

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Mitunter ergeben sich daraus Konstellationen in der Erbfolge, deren rechtliche Bewertung im direkten Gegensatz zu dem steht, was der Erblasser eigentlich erreichen wollte. Der wachsende Trend zu Patchwork-Familien sei für die Erbfolge im Unternehmen das, was die Globalisierung für die Wertschöpfungskette bedeutet: eine Zunahme an Komplexität und Wechselwirkungen. „Eine Nachlassregelung lässt sich selten Satz für Satz in die Tat umsetzen“, berichtet Derlien aus langjähriger Erfahrung. „Da greift eines ins andere und entwickelt mitunter regelrechte Domino-Effekte.“

Das A und O für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung

Eine rechtzeitige Planung, eine umfassende Strategie sowie eine regelmäßige Bewertung des Unternehmens sind daher aus Sicht der Sonntag & Partner-Experten das A und O, um solch schädlichen Folgen entgegenzuwirken oder sie gleich ganz zu vermeiden. „Sich mit diesem Thema zu befassen, betrifft ja nicht nur die Vorsorge für einen möglichen Todesfall“, sagt Rau, „Alle Prüfungen und Anpassungen sind auch hilfreich, wenn es zum Beispiel um Unternehmenserweiterung geht, um langfristige Investitionspläne, um Zukäufe von Unternehmen oder um Verkäufe oder Übertragungen von Betrieben oder Anteilen.“ Jede dieser Situationen bedürfe einer langfristigen und gründlichen Vorbereitung – genauso wie die persönliche Exit-Strategie des Unternehmers, die er „am besten schon an seinem ersten Tag an der Spitze der Firma definiert“, so Rau.

Wie Unternehmer ihr Lebenswerk schützen können

Beide Berater weisen nachdrücklich darauf hin, dass es sowohl erb- wie steuerrechtlich inzwischen eine Vielzahl geeigneter Instrumente gibt, um schädlichen Folgen einer Betriebsübergabe oder Nachfolgeregelung vorzubeugen. „Wie bei jeder vorsorglichen Maßnahme kommt es aber auch hier auf frühzeitiges und langfristig angelegtes Handeln an,“ bekräftigt Derlien.

Als Beispiel verweist er auf Schenkungen, bei denen bestimmte Fristen im Rahmen einer planvollen Handlungsweise vorteilhaft sind, sich aber bei Untätigkeit zum Nachteil wenden. „Unternehmer, die ihr Lebenswerk schützen und bewahren wollen, sind gut beraten, ganz selbstverständlich und aktiv mit dem Datum umzugehen, an dem sie keinen Einfluss mehr haben. Das Risiko, dass alles zerbricht, was sie aufgebaut haben, ist sonst viel zu hoch.“

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