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Possehl übernimmt Manroland Goss vollständig: US-Investor AIP steigt aus
Übernahme

Possehl übernimmt Manroland Goss vollständig: US-Investor AIP steigt aus

Symbolbild. Der Standort von Manroland Goss in Augsburg. Foto: Manroland
Symbolbild. Der Standort von Manroland Goss in Augsburg. Foto: Manroland

Der US-Investor steigt aus, die Lübecker übernehmen allein: Manroland Goss gehört jetzt komplett der Possehl Group. Was bedeutet das für den Augsburger Druckmaschinenbauer?

Die Possehl Group hielt bisher 51 Prozent an der Manroland Goss web systems GmbH. Jetzt übernimmt sie auch die übrigen Anteile. Der bisherige Mitgesellschafter American Industrial Partners (AIP) scheidet damit aus. Die Mitteilung nennt keinen Kaufpreis.

Laut Mitteilung kommt die Finanzierung des Unternehmens wie bisher vollständig von Possehl. Mit der Übernahme liegt die unternehmerische Verantwortung für Manroland Goss nun allein beim Konzern aus Lübeck. Beide Unternehmen sagen, dass Entscheidungen so schneller fallen können und die Planung langfristig sicherer wird.

Possehl will in Service und Retrofit investieren

Der Possehl-Vorstandsvorsitzende Dr.-Ing. Joachim Brenk nennt Manroland Goss einen „wichtigen Bestandteil unseres industriellen Portfolios“. Die vollständige Übernahme schaffe „die langfristige Basis, gezielt in Technologie, Produktentwicklung und die Betreuung der installierten Maschinenbasis zu investieren“. Dazu gehören laut Brenk ein breiteres Produktangebot, neue Lösungen und mehr Service, Ersatzteilversorgung und Retrofit, also die Modernisierung bestehender Anlagen.

Wie viel Geld fließen soll und wann, sagen die Unternehmen nicht. Auch zu konkreten Folgen für den Standort Augsburg macht die Mitteilung keine Angaben. Dort heißt es nur allgemein, die neue Eigentümerstruktur sei eine langfristige Grundlage für Investitionen am Standort.

Was sich für Kunden ändert und was nicht

Kunden und Geschäftspartner sollen im Alltag nichts merken. Ansprechpartner, Verträge, Konditionen und laufende Projekte bleiben laut Manroland Goss bestehen. Das gilt auch für vereinbarte Liefertermine und Serviceverpflichtungen. Auch die Strategie bleibt gleich. Manroland Goss setzt weiter auf zwei Bereiche: Zum einen baut das Unternehmen neue Maschinen und komplette Systeme für den Verpackungs-, Bücher-, Akzidenz- und Zeitungsdruck sowie für die digitale Weiterverarbeitung. Zum anderen will es das Geschäft nach dem Maschinenverkauf ausbauen, also Ersatzteile, Service und Retrofit über die gesamte Lebensdauer der Anlagen.

„Die vollständige Übernahme durch die Possehl Group gibt Manroland Goss eine klare Eigentümerstruktur und eine robuste finanzielle Basis“, sagt CEO Franz Kriechbaum. Für die Kunden bedeute das „vor allem Kontinuität und Planungssicherheit – bei Investitionen, Service und der langfristigen Betreuung ihrer Maschinen“.

Ein Stiftungskonzern als Eigentümer

Der neue Alleineigentümer ist ein großer deutscher Stiftungskonzern. Die Possehl Group wurde 1847 in Lübeck gegründet und gehört seit mehr als 100 Jahren vollständig der gemeinnützigen Possehl-Stiftung. Zur Gruppe gehören zehn eigenständige Geschäftsbereiche mit mehr als 200 Unternehmen und rund 13.000 Beschäftigten in über 30 Ländern.

Zuletzt machte der Konzern 8,4 Milliarden Euro Umsatz. Er ist unter anderem im Maschinen- und Anlagenbau, im Bauwesen, in der Edelmetallverarbeitung und in der Elektronik tätig. Possehl betont, dass der Konzern als Stiftungsunternehmen über Generationen hinweg plant und viel Eigenkapital hat. Ein Finanzinvestor wie AIP denkt dagegen meist in kürzeren Zeiträumen.

Hintergrund: Manroland Goss

Manroland Goss baut Rollenoffsetdruckmaschinen und Anlagen für die digitale Weiterverarbeitung. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen in diesem Bereich Marktführer. Weltweit arbeiten dort rund 1.000 Menschen. Das Unternehmen entstand 2018 aus dem Zusammenschluss der Augsburger Manroland Web Systems mit Goss International aus den USA. Possehl hatte die Augsburger Rollendrucksparte 2012 übernommen, nachdem die frühere Manroland AG insolvent geworden war. Goss International gehörte zuvor AIP.

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