Existenzielle Krise

deka messebau: Augsburger Messebauer fertigt Spuckschutz

Die Corona-Krise macht erfinderisch: Statt Messestände hat deka messebau kürzlich für einen großen Discounter Spuckschutze für die Kassentheken gefertigt. Doch mehr als ein „Strohfeuer“ sei das nicht, verrät Christine Hofmann-Brand aus dem Marketing von deka messebau im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Welche Auswirkungen der Corona-Krise spüren Sie als Messebauer? 

Christine Hofmann-Brand: Alle Frühjahrs- und Sommer-Messen 2020 sind verschoben – teils auf den Herbst oder bis ins Jahr 2021 und wieder andere auf unbestimmte Zeit. Einige wurden bereits ganz abgesagt. Das nimmt uns praktisch in voller Fahrt den Wind aus den Segeln. Sonst sind wir in der Regel ganzjährig gut ausgelastet.  

Laufende Projekte waren – durch die eingeschränkte Erreichbarkeit der Kunden – in den letzten beiden Wochen eher schwierig in der Abwicklung: Seit einigen Tagen bessert sich das. Offensichtlich sind alle ins Homeoffice umgezogen, technisch gut ausgestattet und wieder erreichbar.

Wenn alle verschobenen Messen im Herbst stattfinden  – was bedeutet das für Sie als Messebauer? 

Werden alle verschobenen Messen im Herbst nachgeholt, überfordert das zuallererst die Messeplätze, in der Folge auch unsere Kapazitäten. Denn dann werden im Herbst die Zeitfenster für den Auf- und Abbau der Messestände für die Monteure noch kürzer. Logistisch ist das in den Messehallen fast unmöglich zu bewältigen.

Wie viele Mitarbeiter arbeiten noch bei Ihnen voll?

Eine Kollegin hält bei uns am Unternehmenssitz die Stellung – sie ist für Zentrale, Buchhaltung, Sekretariat und Verwaltung zuständig. Unsere Monteure sind derzeit noch mit der Montage der Spuckschutz-Scheiben auf Tour. Die Kollegen aus Planung und Entwicklung arbeiten an Projekten, die im Herbst 2020 und im Frühjahr 2021 stattfinden – allerdings eingeschränkt. 

Nachdem die Entwicklung und Umsetzung von Individualbau-Messeständen unser Auftrags-Schwerpunkt ist, sind wir leider darauf angewiesen – soweit notwendig – in Kurzarbeit zu gehen.  

Unsere Kollegen in der Werkstatt sind mit Bauteilen und Möbeln für Festeinbauten beschäftigt: Innenraumdesign, Inhouse-Ausstellungen, Produktpräsentationen und Eingangsbereiche gestalten und umsetzen ist ein Bereich, der nach wie vor läuft. 

Wie kamen Sie auf die Spuckschutz-Idee? 

Das Thema liegt nahe: Die Mitarbeiter an Kassentheken sind am meisten gefährdet. Sie können oft keinen Abstand halten. Wir als Messebauer mit eigener Werkstatt bearbeiten ganzjährig eine Vielzahl an Materialien, auch Plexiglas. So kamen wir auf die Idee, Spuckschutz aus Plexiglas anzubieten. Es verging nicht viel Zeit zwischen erster Idee und Umsetzung: Von der Anfrage von ALDI Süd bis zur ersten Probe-Montage sind nur drei Tage vergangen. 

Wie nutzen Sie Ihre bestehende Infrastruktur, um das neue Produkt zu fertigen? 

Aktuell bearbeiten wir Kleinserien von zwei bis fünf Stück. Der Prozess ist kaum anders, als wenn wir ein Bauteil für einen Individualbau-Messestand erstellen. Wichtig bei der Umsetzung ist die Geschwindigkeit, damit die Kassierer so schnell wie möglich geschützt sind.

Wieso Kleinserien und keine Produktion in großer Stückzahl?

Die Plexiglas-Lieferanten waren in kürzester Zeit nicht mehr lieferfähig. Außerdem sind Anbieter für Spuckschutz wie Pilze aus dem Boden geschossen. Das Massengeschäft geht an Hersteller die genormte Ware anbieten. Wir konzentrieren uns auf Individualanfertigungen und Kleinserien. Das passt zu unseren Prozessen.

Was und wie viel haben sie in diese Idee investiert? 

Geschwindigkeit und Know-How: Unsere Mitarbeiter in der Projektleitung – erfahrene Fachleute, gelernte Handwerker beziehungsweise Techniker – haben schnell reagiert und mit vorhandener Technik die Lösungen entwickelt und mit den Kollegen in der Werkstatt umgesetzt.  

Sind Spuckschutze die Rettung für deka? 

Nein, die Rettung ist es nicht! Dafür ist Spuckschutz eher als „Strohfeuer“ zu betrachten. Fast alle Kassentheken sind mittlerweile ausgerüstet und neue Kassentheken werden in Zukunft sicher ab Hersteller mit Spuckschutz ausgestattet.  

Gibt es noch andere Projekte, die Ihnen durch die Corona-Krise helfen können? 

Im Rahmen der Corona-Krise können wir Raum-in-Raum-Lösungen für den Einsatz auf Zeit anbieten. Das sind zum Beispiel Räume mit Eingängen ohne Türgriff, die nicht einsehbar sind oder ein Cubus zum Mitarbeiter-Schutz. Heißt: Der Mitarbeiter sitzt geschützt im geschlossenen Raum. Zudem bieten wir nun ganz neu auch Gesichtsschutz und mobile Spuckschutz-Aufsteller an. 

Wir würden gerne mehr Projekte im Bereich Innenraum-Gestaltung realisieren. Wir konzentrieren uns aktuell auf die Gestaltung und Umsetzung von Raumkonzepten wie Produktpräsentationen, Inhouse-Ausstellungen, Eingangsbereiche mit Empfangs-Theken oder Showrooms. Aber auch die Gestaltung von Treppenhäusern und Besprechungsräumen und der klassische Möbelbau gehören dazu. Also der gesamte Fachbereich der Innenarchitektur und Raumgestaltung. Das war auch bisher ein zweites Standbein der deka messebau. Allerdings in der Regel für unsere Bestandskunden. Diese Leistungen – hoffen wir – helfen uns über die messefreie Zeit! 

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Laufende Projekte waren – durch die eingeschränkte Erreichbarkeit der Kunden – in den letzten beiden Wochen eher schwierig in der Abwicklung: Seit einigen Tagen bessert sich das. Offensichtlich sind alle ins Homeoffice umgezogen, technisch gut ausgestattet und wieder erreichbar.

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Werden alle verschobenen Messen im Herbst nachgeholt, überfordert das zuallererst die Messeplätze, in der Folge auch unsere Kapazitäten. Denn dann werden im Herbst die Zeitfenster für den Auf- und Abbau der Messestände für die Monteure noch kürzer. Logistisch ist das in den Messehallen fast unmöglich zu bewältigen.

Wie viele Mitarbeiter arbeiten noch bei Ihnen voll?

Eine Kollegin hält bei uns am Unternehmenssitz die Stellung – sie ist für Zentrale, Buchhaltung, Sekretariat und Verwaltung zuständig. Unsere Monteure sind derzeit noch mit der Montage der Spuckschutz-Scheiben auf Tour. Die Kollegen aus Planung und Entwicklung arbeiten an Projekten, die im Herbst 2020 und im Frühjahr 2021 stattfinden – allerdings eingeschränkt. 

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Unsere Kollegen in der Werkstatt sind mit Bauteilen und Möbeln für Festeinbauten beschäftigt: Innenraumdesign, Inhouse-Ausstellungen, Produktpräsentationen und Eingangsbereiche gestalten und umsetzen ist ein Bereich, der nach wie vor läuft. 

Wie kamen Sie auf die Spuckschutz-Idee? 

Das Thema liegt nahe: Die Mitarbeiter an Kassentheken sind am meisten gefährdet. Sie können oft keinen Abstand halten. Wir als Messebauer mit eigener Werkstatt bearbeiten ganzjährig eine Vielzahl an Materialien, auch Plexiglas. So kamen wir auf die Idee, Spuckschutz aus Plexiglas anzubieten. Es verging nicht viel Zeit zwischen erster Idee und Umsetzung: Von der Anfrage von ALDI Süd bis zur ersten Probe-Montage sind nur drei Tage vergangen. 

Wie nutzen Sie Ihre bestehende Infrastruktur, um das neue Produkt zu fertigen? 

Aktuell bearbeiten wir Kleinserien von zwei bis fünf Stück. Der Prozess ist kaum anders, als wenn wir ein Bauteil für einen Individualbau-Messestand erstellen. Wichtig bei der Umsetzung ist die Geschwindigkeit, damit die Kassierer so schnell wie möglich geschützt sind.

Wieso Kleinserien und keine Produktion in großer Stückzahl?

Die Plexiglas-Lieferanten waren in kürzester Zeit nicht mehr lieferfähig. Außerdem sind Anbieter für Spuckschutz wie Pilze aus dem Boden geschossen. Das Massengeschäft geht an Hersteller die genormte Ware anbieten. Wir konzentrieren uns auf Individualanfertigungen und Kleinserien. Das passt zu unseren Prozessen.

Was und wie viel haben sie in diese Idee investiert? 

Geschwindigkeit und Know-How: Unsere Mitarbeiter in der Projektleitung – erfahrene Fachleute, gelernte Handwerker beziehungsweise Techniker – haben schnell reagiert und mit vorhandener Technik die Lösungen entwickelt und mit den Kollegen in der Werkstatt umgesetzt.  

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Nein, die Rettung ist es nicht! Dafür ist Spuckschutz eher als „Strohfeuer“ zu betrachten. Fast alle Kassentheken sind mittlerweile ausgerüstet und neue Kassentheken werden in Zukunft sicher ab Hersteller mit Spuckschutz ausgestattet.  

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