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Auf Raumfahrtmission: Roboter und Meteoriten sollen Teams resilienter machen
Workshop

Auf Raumfahrtmission: Roboter und Meteoriten sollen Teams resilienter machen

Nur als Team ist die Raumfahrtmission in der VR-Experience lösbar. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Nur als Team ist die Raumfahrtmission in der VR-Experience lösbar. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Wie können Teams erfolgreich sein, auch wenn der Druck groß ist und sich viel verändert? Dazu forscht die THA mit dem Augsburger Unternehmen Lumium. Mit Hilfe von VR, Robotern und Meteoriten.

Ein Countdown tickt, mein Atmen wird schneller. Das Raumschiff wurde von einem Meteoriten getroffen und die Triebwerke sind ausgefallen. Ein Team aus Robotern muss sie schnellstmöglich reparieren, damit das Raumschiff nicht mit einem Planeten kollidiert. Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll. Und die Menschen in meinem Team auch nicht. Unkoordiniert rennen wir durch die Raumstation. Rufen durcheinander.

Doch zum Glück sind wir nicht tatsächlich in einem bald explodierenden Raumschiff, sondern stehen mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Erde. Mit einer riesigen Brille auf dem Kopf und in jeder Hand einen Controller, wie bei einer Spielekonsole.

Denn was klingt wie eine Science-Fiction-Geschichte, ist Teil eines Programms zur Führungskräfte- und Teamentwicklung – mit VR-Experience. Im Rahmen eines Workshops des A³ Resilienznetzwerks konnten Interessierte das Programm des Augsburger Unternehmens Lumium ausprobieren.

Stress-Situation zeigt Dynamiken

So langsam haben wir herausgefunden, was die Hürden bei unserer Aufgabe sind. Wir sind aber immer noch unkoordiniert. Keiner kann ohne einen der anderen etwas tun. Doch an welcher Stelle fängt man jetzt an und wer als erstes? Es ist nicht so einfach, mir im Stimmengewirr Gehör zu verschaffen. Jemand anderes stellt eine Frage, auf die keiner reagiert. Ich bin genervt, weil wir so ohne Plan sind, und will mich wie oft in solchen Situationen aus dem Chaos einfach zurückziehen. Weil ich das Muster bei mir schon kenne, zwinge ich mich, mich weiter ins Team einzubringen.

Laut dem Gründer von Lumium, Lukas Karwan, soll die VR-Experience solche Dynamiken in Teams aufzeigen. „Wir schaffen eine Stress-Situation und suchen nach Mustern, die wir auch aus dem Alltag kennen“, sagt Karwan. Dass die Teilnehmenden sich dabei mithilfe von VR-Brillen als Roboter auf einer Raumstation befinden, stellt laut Karwan eine gewisse Gleichheit her. „Die Roboter sehen alle gleich aus und haben die gleichen Fähigkeiten. Das verringert die Hierarchie, die in den Teams normalerweise besteht. Nach den ersten zehn Minuten verhalten sich die Leute authentisch“, erklärt Karwan.

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Reflexion und Strategien

Die Trainer von Lumium beobachten diese Dynamiken und arbeiten sie mit den Teams in einer Reflexion heraus. Dann geht es um die Frage, welche Strategien und Verhaltensweisen das Team bräuchte, um eine schwierige Situation zu meistern. „Oft geht es darum, dass das Team bespricht, ob das Vorgehen noch das Richtige ist. Das geben wir den Teams mit, damit sie es auf ihre Projekte übertragen“, sagt Karwan.

Nur wer die VR-Brille aufhat, sieht die Raumstation und die Roboter. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Nur wer die VR-Brille aufhat, sieht die Raumstation und die Roboter. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Wie entsteht Erfolg?

Doch was macht ein Team am Ende trotz Stress und Druck erfolgreich? In dem gemeinsamen Forschungsprojekt „DaTeamVR“ untersucht Lumium mit der Technischen Hochschule Augsburg (THA), was Teams, die in der VR-Experience erfolgreich sind, gemeinsam haben. Dazu analysieren sie zum Beispiel die Herzfrequenzen, Bewegungsmuster und die Sprache der Probanden.

Erste Daten zeigen, dass sich ein starker Zusammenhalt im Team in der Herzratenvariabilität zeigen könnte: Während das Team intensiv arbeitet, gleicht sich die Herzratenvariabilität zwischen den Mitgliedern an.

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Teamresilienz oder individuelle Resilienz?

Laut Karwan zeigt die Art und Weise, wie Teams vorgehen, auch, wie resilient ein Team ist: Haben der Einzelne und das Team Strategien, mit einer Belastung umzugehen und wieder handlungsfähig zu werden?

Für Karwan braucht es hier Resilienz auf verschiedenen Ebenen, sowohl die des Einzelnen als auch von Teams und der übergeordneten Organisation. „Sieben resiliente Menschen machen noch lange kein resilientes Team“, sagt Karwan. Für die Teamresilienz komme es auf die Interaktion zwischen den Menschen an. „Egal wie gut die persönliche Resilienz ist, sie wird das nicht dauerhaft auffangen, wenn es im Team zu viel Druck gibt.“ Das gleiche gilt auch für die Rahmenbedingungen, die Unternehmen schaffen. Diese können eigentlich resiliente Teams behindern.

In dem Forschungsprojekt wurden laut Karwan bisher sieben Muster herausgearbeitet, die resiliente Teams aufweisen:

  • Koordination: Wie ist die Arbeit aufeinander abgestimmt?
  • Geteiltes Lagebild: Gibt es Vor- und Nachbesprechungen?
  • Verbundenheit: Wie eng sind die Beziehungen und sind sie respektvoll?
  • Vertrauen: Dürfen Gefühle gezeigt und können unangenehme Dinge angesprochen werden, ohne dass es negative Folgen hat?
  • Soziale Unterstützung: Gilt ein Klima, in dem man einander hilft?
  • Geteilte, positive Emotionen: Werden Erfolge gefeiert?
  • Stabile Rollen: Gibt es viel oder wenig Fluktuation?

Mein Team ist im ersten Versuch auf der Raumstation übrigens gescheitert. Doch nach einer kurzen Lagebesprechung und Fehleranalyse wagen wir einen zweiten Versuch. Zwar weichen wir recht bald vom ursprünglichen Plan ab, ganz chaotisch wird es für mein Gefühl aber nicht mehr. Deswegen fällt es mir jetzt auch leichter, mich einzubringen. In letzter Sekunde lösen wir die Aufgabe und verhindern eine zweite Explosion. Wir steuern unsere Roboter aufeinander zu und fallen uns virtuell in die Roboterarme.

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