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Um das Thema Nachhaltigkeit kommen Unternehmen und die Gesellschaft nicht herum – das wurde zu Beginn des Nachhaltigkeitstages deutlich. Für Christian Rose, Geschäftsführer der swa Netze GmbH, ist Nachhaltigkeit ein Generationenthema und ein gesellschaftliches Thema. „Wir müssen dafür sensibilisieren und uns in Netzwerken verbinden. Ohne werden wir den gesellschaftlichen Fortschritt verlieren“, machte Rose deutlich. Für Reiner Erben, Leiter des Referats für Nachhaltigkeit der Stadt Augsburg, sind die Berichtspflichten durch die EU eine Folge davon, wie Gesellschaften sich bisher verhalten haben. „Wenn wir nachhaltig arbeiten, unsere Gesellschaft nachhaltig aufbauen, dann braucht es keine Vorgaben. Aber das ist nicht passiert. Es ist notwendig, dass wir Nachhaltigkeit ernst nehmen“, sagte Erben.
Sandra Peetz-Rauch, Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Augsburg, sieht Banken in einer Schlüsselfunktion bei der Transformation zu Nachhaltigkeit. „Ich verstehe Nachhaltigkeit als Zukunftsfaktor, als Wettbewerbsfaktor“, sagte sie. Das Thema beeinflusse bereits die Zusammenarbeit zwischen Bank und Unternehmen, aber auch, für welches Unternehmen sich potenzielle Mitarbeiter entscheiden. Die Stadtsparkasse begleite ihre Kunden dabei, stabile und zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln.
In Kooperation mit der Technischen Hochschule Augsburg (THA) hat A³ den Nachhaltigkeitsmonitor entwickelt. Mit diesem wurde 2024 und dieses Jahr gemessen, wie nachhaltig die Unternehmen und der Wirtschaftsraum Augsburg sind. Der Nachhaltigkeitscore der Region liegt demnach bei 63,1 Prozent. Im Bereich Soziales sind die Unternehmen mit 75,4 Prozent am weitesten. Prof. Dr. Sabine Joeris von der THA weist aber auch darauf hin, dass fast 40 Prozent der Unternehmen sagen, dass die Nachhaltigkeits-Maßnahmen für sie nicht relevant seien. „Wasser zu sparen oder die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden zu verbessern ist eigentlich für jeden relevant. Ich denke, das Bewusstsein ist noch nicht ganz da und das müssen wir wecken“, sagte Joeris.
Dafür hat A³ aus den Ergebnissen des Monitorings und Workshops Handlungsempfehlungen abgeleitet. Diese sollen etwa Unternehmen oder Kommunen unterstützen, nachhaltiger zu werden oder überhaupt mit dem Thema zu beginnen. Stärkster Hebel für Nachhaltigkeit sind demnach Netzwerke und Kooperationen. „Kooperieren Sie, gehen Sie in den Austausch, das ist mehr wert als Wettbewerbsdenken“, riet Annabell Hummel-Wiest von A³ den Gästen.
Am Nachmittag hatten die Gäste die Möglichkeit über Thementische, tiefer in verschiedene Aspekte rund um das Thema Nachhaltigkeit einzutauchen: Die Stadtwerke Augsburg etwa gaben einen Einblick in ihre „Nachhaltigkeitsreise“: Wie haben die Stadtwerke mit dem Thema begonnen, wie gehen sie mit Unsicherheiten durch die Omnibus-Verordnung um und welchen Mehrwert sehen sie im Thema Nachhaltigkeit?
Die Stadtsparkasse Augsburg zeigte mit ihrem Thementisch auf, welche Rolle bei ihnen Nachhaltigkeit bei der Bewertung von Unternehmen und Objekten spielt. Denn: Nachhaltigkeit beeinflusst die Kreditvergabe. Die Stadtsparkasse hat einen ESG-Score entwickelt, der Unternehmen und Objekte entlang ihrer Nachhaltigkeit misst. Laut Petra Schöll, Chief Sustainability Manager bei der Stadtsparkasse, haben sie im Haus bereits 15 bis 20 Verwendungszwecke definiert, die sie aus nachhaltiger Sicht nicht mehr finanzieren. Das liege auch daran, dass Banken selbst vermehrt berichten müssen, wie groß die von ihnen finanzierten Emissionen sind und wie groß das Risiko ihres Portfolios etwa durch die Folgen des Klimawandels ist.
Am stärksten nachgefragt war der Thementisch „Nachhaltigkeits-Kommunikation“ der VMM Medienagentur. Zusammen mit dem Nachhaltigkeitsmanager des FC Augsburg, Michael Schott, zeigten Andres Santiago und Julia Rißler, wie der Fußballverein Nachhaltigkeit als Kommunikationsmittel nutzt. „Neben dem sportlichen Erfolg sind wir auch ein Unternehmen, das Werte transportiert, und dadurch können wir in Gespräche kommen. In Gesprächen mit Partnern und der Stadt erfahren wir eine andere Wahrnehmung“, beschrieb Schott, wie sich der Bericht für den Verein auszahlt.
Um das Thema Nachhaltigkeit als gewinnbringendes Kommunikationsmittel zu nutzen, ist es laut Rissler zentral, die Themen herunterzubrechen und verständlich zu machen. „Nachhaltigkeit ist nicht nur Zahlen und Fakten. Es geht darum, Fragen zu beantworten, die für die eigenen Zielgruppen relevant sind“, erklärte Rissler. Am Beispiel des FCA könne das etwa sein, was der Verein mit dem Abfall macht, der an einem Spieltag im und um das Stadion entsteht.
In der Keynote zeigte Dr. Raphael Kiesel, wie zirkuläre Geschäftsmodelle und Kreislaufwirtschaft Unternehmen profitabler machen können. Als Beispiel stellte er die Firma Lorenz aus Schelklingen vor. Der Hersteller von Wasserzählern war in den 2000er Jahren in Bedrängnis geraten, weil der Kupferpreis um fast 400 Prozent gestiegen war. Zudem entstand ein Preiskampf mit chinesischen Anbietern. Lorenz stellte daraufhin das Geschäftsmodell um: Statt Wasserzähler zu verkaufen, vermieteten sie die Geräte. Geräte, die etwa wegen gesetzlicher Fristen ausgetauscht werden mussten, wurden recycelt. Seit 2004 konnte Lorenz so seinen Umsatz von fünf auf 45 Millionen Euro steigern. Statt ehemals 60 Mitarbeitenden beschäftigt die Firma inzwischen 330. „Lorenz hat den Markt von den Chinesen zurückerobert“, fasste Kiesel zusammen.
Zum Schluss des Nachhaltigkeitstages hatte Annabell Hummel-Wiest von A³ noch einen Rat an die Gäste: „Gehen Sie mit Ihrer Begeisterung für das Thema nach außen. Zeigen Sie den Kritikern, welche Benefits und Mehrwerte das Thema bringt.“