Digitalisierung

Premiere im Allgäu: Startschuss für Lautracher Salon gefallen

Am 20. Juni 2017 fand der erste Lautracher Salon statt. Foto: Rebecca Weingarten / B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Die neu etablierte Veranstaltungs-Reihe sieht sich als Ort der Begegnung, der Inspiration und des Diskurses. Im Fokus des Lautracher Salons stand die Digitalisierung und wie sie Wirtschaft und Gesellschaft verändert und prägt.

Christina Kral-Voigt, Management Centrum Schloss Lautrach, und Dr. Oliver Ernst, Trainer und Berater, begrüßten die rund 70 Gäste des Abends auf Schloss Lautrach. Als Moderatoren führten sie durch die zahlreichen, spannenden Themen. Wird die künstliche Intelligenz bald die bessere Führungskraft sein? Welche Rolle spielen auf Algorithmen basierte Auswertungen künftig im Entscheidungs-Prozess? Wie viel Freiheit gewinnen wir durch die Digitalisierung – und welchen Preis sind wir bereit, dafür zu zahlen? Diesen und zahlreichen weiteren Fragen stellten sich die hochkarätigen Referenten.

Zahlreiche Gäste beim ersten Lautracher Salon

„Unternehmerische Entscheidungen sind oftmals schlecht“

Nelson Kilius, ehemaliger Leiter für alle Festnetz-Produkte von Vodafone Kabel Deutschland und Partner bei McKinsey, erklärte: „Unternehmerische Entscheidungen sind oftmals schlecht.“ Digital basierte Entscheidungs-Hilfen sind deshalb aus seiner Sicht zunächst einmal zu begrüßen. Der Digitalisierung gegenüber ist er positiv eingestellt. „Der ‚Faktor Mensch‘ ist teuer: Er macht viele Fehler und ist häufig ineffizient“, so Kilius. Von der Digitalisierung erhofft er sich professionellere unternehmerische Entscheidungen.

Prof. Dr. Christian Gärtner, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Digitale Transformation & Leadership, betonte hingegen die Komplexität des digitalen Wandels. „Je mehr Daten gesammelt werden, desto widersprüchlicher werden diese – gerade, wenn sie den ‚Faktor Mensch’ berücksichtigen, denn der verhält sich nun mal widersprüchlich.“

Entscheidungen werden sich verändern

Maria Angerer, selbstständige Soziologin und Trendforscherein, erklärte: „Es sind die Entscheidungen, die im Fokus stehen. Auf sie kommt es an.“ Laut Angerer ermöglicht es die Digitalisierung, Entscheidungen effizient zu unterfüttern und sie transparenter zu machen. Doch welche Rolle werden künftig andere, häufig bewährte Entscheidungs-Methoden spielen – wie beispielsweise, auf das eigene Bauchgefühl zu hören? „Wir verbringen im Arbeitsleben jeden Tag viel Zeit und Energie damit, schwierige Entscheidungen zu treffen“, so Kilius. Er selbst sei ein großer Freund des Bauchgefühls. Langjährige Erfahrung spiele hier eine große Rolle. „Wir können und sollten das Bauchgefühl aber auch durch systematisch ausgewertete Daten stützen.“ Um hier erfolgreich zu sein, komme es aber vor allem auch darauf ein, wie gut der Algorithmus ist, den das System benutzt.

Bringt der digitale Wandel das bedingungslose Grundeinkommen hervor?

Die Digitalisierung verändert nicht nur unternehmerische Entscheidungs-Prozesse. Sie greift auch massiv in gesellschaftliche Strukturen ein. Umbrüche gab es schon früher, doch: Eine der größten Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft ist die rasante Geschwindigkeit, mit der Veränderungen heute stattfinden. Maria Angerer verglich die Konsequenzen mit denen, die die industrielle Revolution hervorgebracht hat: „Aus der industriellen Revolution heraus ist der Wohlfahrtsstaat entstanden. Die Digitalisierung wird das bedingungslose Grundeinkommen hervorbringen.“

Nächster Lautracher Salon bereits in Planung

Alle Referenten und Teilnehmer waren sich in einem einig: Die Digitalisierung ist nicht mehr wegzudenken. Sie sehen es deshalb als notwendig an, die Chancen und Risiken nicht nur im exklusiven Kreis zu diskutieren. Vielmehr müsse die breite Basis der Öffentlichkeit im Dialog mitgenommen werden. Abgerundet wurde der erste Lautracher Salon durch das Netzwerken im Anschluss an den moderierten Dialog. Unterdessen steht der nächte Lautracher Salon bereits in den Startlöchern: Er wird im Herbst stattfinden und widmet sich erneut einem wichtigen Aspekt der Digitalisierung.

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