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Unternehmenskredit nur mit ESG-Daten? Stadtsparkasse Augsburg erklärt „Kreditfaktor Nachhaltigkeit“
Interview

Unternehmenskredit nur mit ESG-Daten? Stadtsparkasse Augsburg erklärt „Kreditfaktor Nachhaltigkeit“

Nachhaltigkeit spielt bei Unternehmenskrediten der Stadtsparkasse Augsburg schon heute eine Rolle. Zuständig für diese Bereiche sind Michael Kramer (Leiter Center.Unternehmenskunden) und Petra Schöll (Chief Sustainability Office). Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Nachhaltigkeit spielt bei Unternehmenskrediten der Stadtsparkasse Augsburg schon heute eine Rolle. Zuständig für diese Bereiche sind Michael Kramer (Leiter Center.Unternehmenskunden) und Petra Schöll (Chief Sustainability Office). Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Nachhaltigkeit wird zum Kreditfaktor. Petra Schöll und Michael Kramer von der Stadtsparkasse Augsburg erklären, wie sie CO₂-Ausstoß, Standort- und Klimarisiken bewerten und warum „keine Daten“ zum Nachteil werden kann.

B4BSCHWABEN.de:Seit 11. Januar 2026 gilt für größere Banken die Richtlinie EBA/GL/2025 der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Ziel ist es, Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken (ESG) in Geschäftsstrategie, Risikosteuerung und Aufsichtspraxis zu integrieren. Kleinere Banken und Institute haben ein Jahr länger Zeit. Was bedeutet die Richtlinie derzeit für Banken?

Petra Schöll: Wir verfolgen die Entwicklungen der EBA-Guideline und deren Umsetzung in nationales Recht aktiv. Kürzlich wurde von der Bundesregierung das BRUBEG Gesetz verabschiedet, wodurch neue Anforderungen und Herausforderungen, insbesondere im Risikomanagement, auf Finanzinstitute zukommen. Das Bankenrichtlinien- Umsetzungs- und Bürokratieentlastungsgesetz verankert ESG-Risiken erstmals verbindlich im Kreditwesengesetz. Auch wenn noch Details offen sind, ist klar, dass sich auch die Anforderungen an Unternehmenskunden ändern werden.

Was heißt das?

Schöll: Banken und Sparkassen werden künftig verpflichtet, ESG-Risiken systematisch zu erfassen, zu bewerten und zu steuern. Wir müssen potenzielle Risiken in unseren Portfolios noch systematischer identifizieren und bewerten. Schon jetzt wissen wir, dass fehlende Auseinandersetzung der Unternehmen mit Nachhaltigkeit zu potenziellen Risiken führen kann. Dadurch sind auch Unternehmen gefordert, mit denen wir als Finanzpartner zusammenarbeiten.

Inwiefern?

Schöll: Als Sparkasse übernehmen wir eine Doppelfunktion in der Nachhaltigkeit, indem wir einerseits unsere eigene Transformation durch die Integration nachhaltiger Praktiken in unsere Geschäftsprozesse bereits seit einigen Jahren aktiv vorantreiben und andererseits im Rahmen von „Sustainable Finance“ Kapitalmarktströme verstärkt in umweltfreundliche und sozial verantwortliche Projekte lenken. Wir sehen uns als Gestalter und wollen unsere Kunden auf dem Weg ihrer notwendigen Transformation begleiten.

Michael Kramer: In der Vergangenheit haben wir bei der Kreditvergabe vor allem finanzielle Kennzahlen wie Eigenkapital, Umsatz und Ertrag berücksichtigt. Heute spielen zusätzlich ESG-Daten eine entscheidende Rolle. Wir erheben Daten zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung, wie etwa die Nachhaltigkeitsstrategie eines Unternehmens, CO₂-Emissionen, Strom- und Wasserverbrauch sowie den Umgang mit sozialer Verantwortung. Unsere gewerblichen Betreuer sind als „Sustainable Finance Berater“ ausgebildet, um die notwendige Fachexpertise in die Kundengespräche einzubringen.

Wie bewerten und ordnen Sie Werte wie CO₂-Ausstoß oder Wasserverbrauch ein?

Kramer: Wir nutzen Daten und Vergleichsmaßstäbe, etwa Branchenwerte zum CO₂-Ausstoß. In den ESG-Score fließen außerdem Standortfaktoren ein, zum Beispiel Hochwasserrisiken, sowie die Frage, wie konsequent ein Unternehmen Nachhaltigkeit angeht, etwa durch Initiativen oder Zertifikate. Daher ist das direkte Gespräch mit den Unternehmen wichtig. Je nach Branche gewichten wir Umwelt- und Sozialaspekte unterschiedlich. In der Produktion liegt der Fokus stärker auf Ressourcenverbrauch und Emissionen, bei Dienstleistern mehr auf sozialen Kriterien. Der ESG-Score reicht von 0 bis 100; niedrigere Werte deuten auf eine höhere Resilienz gegenüber ESG-bezogenen Risiken hin. Dabei geht es nicht um „gut“ oder „schlecht“, sondern um eine Einordnung und das Entwicklungspotenzial eines Unternehmens.

Wie kommt das bei den Unternehmen an?

Kramer: Das Feedback der Unternehmen ist unterschiedlich. Die Erhebung von ESG-Daten bedeutet anfänglich oft mehr Aufwand und Kosten, was nicht immer auf Zustimmung stößt. Ich bin überzeugt, dass Nachhaltigkeit langfristig Wettbewerbsvorteile verschafft. Unternehmen können ihre Zukunft sichern, indem sie widerstandsfähiger werden, ihre Produkte und Märkte weiterentwickeln und sich kapitalmarktfähig aufstellen. Finanzielle Stabilität hängt von der Resilienz gegenüber ESG-Risiken ab.

Schöll: Das sehe ich genauso. Nachhaltigkeit wird oft negativ wahrgenommen, aber aus unternehmerischer Sicht bieten sich auch Chancen. Wer sich frühzeitig mit den Risiken und Chancen für seine Branche oder sein Geschäftsmodell auseinandersetzt, kann sich besser auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten. Es geht letztlich um die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.

Lesen Sie auch: Kreditfaktor: Wenn Banken von Unternehmen Nachhaltigkeit fordern

Blicken wir noch mal auf die Kreditvergabe: Wie wirken sich ESG-Daten auf Entscheidungen und Konditionen aus?

Kramer: Die wirtschaftlichen Rahmendaten bleiben natürlich die Grundlage für unsere Entscheidungen, diese müssen stimmen. Gleichzeitig begleiten wir Transformationsfinanzierungen, teils mit attraktiven Konditionen, etwa durch Förderdarlehen, um unsere Kunden aktiv in der Transformation zu unterstützen. Bei einigen Vorhaben sind wir jedoch zurückhaltender, etwa bei gewerblichen Immobilien aus den 1970er- oder 1980er-Jahren, die nicht saniert wurden. Hier erwarten wir belastbare Sanierungspläne, da die Werthaltigkeit der Immobilien in den nächsten 10 bis 15 Jahren unter Druck geraten könnte. Perspektivisch können fehlende Daten zu einer stärkeren Differenzierung der Konditionen führen.

Kam es vor, dass Sie Kredite nicht vergeben haben, weil der Wille zur Entwicklung fehlte oder ESG-Daten problematisch waren?

Kramer: Ja, wir haben sogar nicht nur einmal gesagt: „Wir würden das gerne begleiten, aber wir legen Wert darauf, in diesem Rahmen eine Entwicklung zu sehen.“ Wenn das jedoch nicht zur Strategie des Kunden passt, dann haben wir von einer Finanzierung abgesehen.

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Sie haben angesprochen, dass Sie Unternehmen bei der Transformation unterstützen. Was bieten Sie hier an?

Schöll: Wir unterstützen unsere Kunden bei der Transformation und berücksichtigen dabei die spezifischen Herausforderungen ihrer Branche. Unsere Betreuer sind bestens mit den Bedürfnissen der verschiedenen Branchen vertraut und können so maßgeschneiderte Lösungen anbieten. Dabei steht stets die langfristige Entwicklung des Unternehmens im Vordergrund, die auch in Bezug auf Nachhaltigkeit weiter optimiert werden muss. Dieser Punkt ist entscheidend. In unseren Gesprächen mit den Kunden geht es nicht nur um finanzielle Kennzahlen, sondern auch um die langfristige Stabilität. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass aktuell einer meiner Kollegen im Tannheimer Tal einen Skilift finanzieren würde.

Kramer: Ein wesentlicher Punkt bei der Entscheidungsfindung ist, ob ein Geschäftsmodell langfristig tragfähig bleibt. Wenn wir feststellen, dass ein Geschäftsmodell nicht den Anforderungen des Marktes oder der ESG-Kriterien entspricht, gehen wir ins Gespräch und prüfen gemeinsam mit den Unternehmen, wie wir sie bei der Transformation unterstützen können.

Schöll: Darum würde ich das alles nicht trennen, wir brauchen keine eigene „Nachhaltigkeitsschiene“ oder Nachhaltigkeitsprodukte. Es geht um Resilienz, um die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells, und damit setzen sich die Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit ihren Kunden täglich auseinander.

Lesen Sie das Interview mit der Vorstandsvorsitzenden der Stadtsparkasse Augsburg:„Für bestimmte Branchen haben wir klare Ausschlusskriterien“

Gibt es Branchen in Bayerisch-Schwaben, bei denen der Handlungsdruck besonders hoch ist?

Kramer: Grundsätzlich ist es unser Ziel, Branchen zu begleiten und nicht auszuschließen. Wir haben unsere Haltung zu Branchen, die nicht zu unseren Werten passen, in einer Richtlinie auf unserer Webseite veröffentlicht. In vielen Bereichen, insbesondere bei produzierenden Unternehmen mit hohem CO₂-Ausstoß, sehen wir Potenziale für nachhaltige Transformationen, etwa durch die Nutzung von CO₂ für die Wärmegewinnung. Wir treten mit den Unternehmen in den Dialog und helfen ihnen, Lösungen zu entwickeln.

Was ist Ihr Rat an Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit noch gar nicht oder nur wenig befasst haben?

Schöll: Entscheidend ist, anzufangen! Viele glauben, es müsse sofort alles perfekt sein. Dabei ist es wichtig, die ersten Schritte zu gehen und sich nach und nach weiterzuentwickeln.

Nachhaltigkeit braucht zudem eine neue Definition, weg von schnellen Marketingeffekten oder aus der Erfüllung von Compliance heraus. Die Themen gehören als integraler Bestandteil in die Zukunftsdebatte der Unternehmen.

Kramer: Der Austausch mit anderen Unternehmen und die Erfahrungen, die unsere Betreuer aus anderen Projekten einbringen können, sind besonders wertvoll. Nachhaltigkeit ist Risiko- und Chancenmanagement. Unternehmen sollten sich fragen, wo sie derzeit stehen, wo sie hinwollen und welche Investitionen erforderlich sind, um ihre Ziele zu erreichen. Wir begleiten sie gerne auf diesem Weg, denn Nachhaltigkeit bleibt ein dauerhaft relevantes Thema.

Petra Schöll verantwortet bei der Stadtsparkasse Augsburg als Chief Sustainability Officer das Thema Nachhaltigkeit. Michael Kramer ist stellvertretendes Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Augsburg und leitet das Center.Unternehmenskunden.

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