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Der Begriff der Mediation ist (zumindest im Alltagsgebrauch) oft unscharf. Er wird mittlerweile als Synonym für außergerichtliche Streitbeilegung herangezogen und wirkt zwischen beliebigen (Selbst-)Optimierungstrends und Konfliktbewältigungstrainings (Conflict Agility, Polarity Management, usw.) zunehmend konturlos.
Die Mediation ist allerdings kein allgemeines konfliktlösendes Gespräch unter der (willkürlichen) Moderation eines neutralen (und idealerweise qualifizierten) Dritten, sondern ein festgelegtes, teilweise formalisiertes und vor allem bewährtes Verfahren zur nachhaltigen Auflösung komplexer Konfliktlagen.
Die Mediation fußt auf dem Gedanken, dass ein sich eskalierender Konflikt oft nur ein Baustein einer multidimensionalen und komplexen (Geschäfts-)Beziehung ist. Eine konfrontative oder gar gerichtliche Entscheidung über einen solchen einzelnen Konfliktpunkt produziert zwangsläufig einen Gewinner wie auch einen Verlierer – eine Zuweisung, die auch die weitere künftige Beziehung der Parteien regelmäßig nachhaltig belastet.
Die Mediation geht daher einen Schritt zurück und gibt den Parteien zunächst Raum, die konkrete Situation aus der jeweiligen eigenen Sicht umfassend darzustellen, ohne sich hierbei auf den konkreten Streit oder gar juristische Tatbestandsmerkmale reduzieren zu müssen. Ein Konflikt kann regelmäßig erst dann konstruktiv gelöst werden, wenn nicht nur alles gesagt, sondern auch alles gehört wurde. Dies ermöglicht den Parteien, weitere Aspekte außerhalb des konkreten Konfliktes zum Gegenstand der Mediation und auch gegebenenfalls einer Lösung zu machen. Die Mediation setzt daher die Bereitschaft aller Beteiligten voraus, die Position des Gegenübers anzuerkennen – auch ohne mit dieser übereinzustimmen.
In einem zweiten Schritt erörtern die Mediationsparteien unter der Moderation des Mediators die Konfliktinteressen. Im Rahmen eines allseitigen Zuhörens wird oftmals deutlich, dass den oberflächlichen Interessenstichpunkten („Geld“, „Fristeinhaltung“, usw.) komplexere Erwartung oder Bedürfnisse der Beteiligten zugrunde liegen (Zuverlässigkeit in Lieferketten, Preisdruck durch Großkunden, etc.).
Die Beteiligten, die nun nicht nur die spezifische konfliktbezogene Sichtweise des Gegenübers, sondern auch etwaige dahinterliegende Interessenlagen kennengelernt und nachvollzogen haben, entwickeln daraufhin gemeinsam Lösungsoptionen, die zunächst regelmäßig nur Einzelaspekte des Gesamtbildes berücksichtigen und die Problemstellungen isoliert mitigieren. Diese Einzellösungen werden in einem Folgeschritt Teil eines prioritätsbasierten Lösungspakets, das gemeinsam insbesondere unter den Aspekten Fairness, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit auf den Prüfstand gestellt wird.
Die rechtliche Umsetzung und Übersetzung der Lösung in ein rechtsverbindliches (Abschluss-)Dokument bildet den idealen Ausgang eines Mediationsprozesses.
Allgemein moderierte Gespräche können (je nach Schwerpunktsetzung) punktuelle Risse in einer Geschäftsbeziehung glätten – sie können diese Risse aber auch zu Gräben ausbauen. Denn dass zunächst „alles auf den Tisch“ kommt, ist an sich noch kein Erfolgsrezept. Wichtig ist, dass allen Parteien klar ist, dass dies der erste Baustein eines mehrstufigen Verfahrens ist. Es ist Teil des Erfolgs von Mediationsverfahren, dass die Parteien den gemeinsamen Weg zur Lösungsentwicklung zu Beginn eines Gesprächs kennenlernen und von Beginn an Vertrauen in das Verfahren und die Person des Mediators aufbauen.
Zeitpunkt
Eine Mediation scheitert häufig nicht am Verfahren, sondern am Zeitpunkt. Wenn die Fronten bereits allzu verhärtet sind, wird eine Mediation schwierig.
Initiative
Wenn eine Mediation seitens dritter (Konflikt-)Berater vorgeschlagen wird, ist es häufig bereits zu spät. Ergreifen Sie also schon in einer frühen Konfliktphase die Initiative und sprechen eine Mediation offensiv an – mit Verweis auf die lange und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die nicht gefährdet werden soll.
Neutraler Mediator
Entscheidend ist, dass die Person des Mediators von allen Parteien akzeptiert wird. Ein Anwalt, der bereits eine Seite beraten hat, wird regelmäßig als nicht neutral angesehen. Suchen Sie also idealerweise mit der Konfliktpartei gemeinsam einen geeigneten Mediator aus.
Keine Auslagerung auf Dritte
Mediation bedeutet häufig vor allem gehört werden. Behandeln Sie Mediationen daher als Priorität des Gesellschafters oder Geschäftsführers, da die andere Seite häufig auch von diesem gehört werden will – nicht von einer Rechtsabteilung, zu der im Zweifel kein persönlicher Bezug besteht.
Mediation ist kein Zeichen von Schwäche und keine bloße Alternative zum Gerichtsverfahren. Richtig eingesetzt ist sie ein strategisches Instrument des Konfliktmanagements. Sie hilft Unternehmen, wirtschaftliche Risiken zu reduzieren, langjährige Geschäftsbeziehungen zu sichern und Lösungen zu entwickeln, die vor Gericht häufig nicht erreichbar wären.
Wer Konflikte frühzeitig strukturiert angeht, erhöht nicht nur die Chance auf eine Einigung, sondern schafft häufig die Grundlage für eine weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit.
Falls Sie eine Mediation anstreben, mehr zum Thema Mediation erfahren wollen oder sich zum Thema Mediation coachen lassen wollen, ist das Team von UP Rechtsanwälte gern für Sie da. Nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.