Christoph von Külmer

Facebook und Instagram Shops: Chance für den Einzelhandel?

Auf Facebook und Instagram gibt es künftig Shopping Module. Was genau dahinter steckt und ob Facebook damit den Einzelhandel digitalisieren kann, verrät Christoph von Külmer, Geschäftsführer der SportBrain Social Media & Web Agentur.

Wir haben in der Agentur lange darauf gewartet und jetzt ist es soweit. Der Facebook Konzern laucht in der Corona Zeit die Shopping Module für Facebook und Instagram – auch in Deutschland. Warum ist das für uns so interessant? Die Shops ermöglichen Unternehmen jeder Größe und Branche, über Facebook und Instagram unkompliziert Produkte zu verkaufen – und im Gegensatz zu Amazon absolut kostenlos.

Laut Facebook soll die neue Funktion vor allem Einzelhändlern und kleinen Unternehmen helfen, die Corona-Krise zu überstehen. Dahinter steckt aber natürlich noch mehr. Facebook bemüht sich schon länger, im E-Commerce Fuß zu fassen und den anderen großen Playern Amazon, Etsy, eBay und Google Konkurrenz zu machen. Die eigenen Shopsysteme sind ein gewaltiger Schritt in diese Richtung und wurden in den Medien in der vergangenen Woche richtig gefeiert.

Aber was steckt denn genau dahinter und kann Facebook den Einzelhandel digitalisieren? Gemeinsam mit dem Social Media-Team von SportBrain habe ich die Shops genau unter die Lupe genommen und die wichtigsten Fakten zu der gehypten neuen Funktion für Sie zusammengefasst.

Sind Facebook Shops wirklich neu?

Grundsätzlich ist es schon länger so, dass sich Facebook und Instagram in Richtung E-Commerce orientieren. Auf Facebook ist vielen sicher der Marketplace geläufig, der ähnlich funktioniert wie eBay Kleinanzeigen. Ebenfalls schon länger gibt es die Facebook-Seitenshops. Dabei können Betreiber von Unternehmensseiten Produktkataloge inklusive Beschreibungen und Preisangaben anlegen. Nutzer können diese Produkte dann kaufen – allerdings nur im tatsächlichen Online-Shop des Unternehmens. Ähnlich funktioniert Instagram Shopping. Auch hier können Produkte direkt in Postings verlinkt werden, allerdings läuft der Kaufabschluss dann über den Online-Shop ab.

Warum sind Facebook und Instagram Shops also so besonders?

Bei den neuen Shops gibt es im Verglich hierzu ein paar entscheidende Änderungen. Mehrere Punkte machen Facebook und Instagram Shops so interessant:

  •  Die Einrichtung der Shops ist völlig kostenfrei. Facebook will nur für die Bezahlfunktion Gebühren erheben.

  • Händler können nun direkt in Facebook oder Instagram Shops erstellen, die den gesamten Kaufprozess abbilden. Das heißt, der Kunde muss das Facebook-Ökosystem auch für den Kaufabschluss nicht verlassen. Der Händler kann damit (theoretisch) auf einen Online-Shop beziehungsweise eine Website verzichten.

  • Die neuen Shops fühlen sich tatsächlich wie Shops an. Dazu tragen vor allem die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten bei: Händler können Texte, Buttons und Farben beliebig gestalten und den eigenen Shop somit der Corporate Identity ihres Unternehmens anpassen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Produkte in Kollektionen zu gruppieren und eigene Produktbilder zu hinterlegen. Das Ganze ist obendrein auch noch relativ einfach bedienbar und funktioniert nach dem Baukasten-Prinzip; Programmierkenntnisse sind also nicht erforderlich.

  • Die Shops sind sowohl über Facebook als auch über Instagram erreichbar. Händler müssen als nur einen Shop einrichten, der dann über beide Netzwerke erreichbar ist.

  • Die Shops können mit weiteren Facebook-Produkten verknüpft werden: WhatsApp, der Facebook Messenger und der Instagram Messenger können dann eine schnelle und einfache Kommunikation zwischen Kunden und Händlern ermöglichen.

  • Ein weiteres neues Feature ist „Live Shopping“. Dabei können Händler, die einen Shop betreiben, ihre Produkte direkt aus einem Live-Video heraus verkaufen.

  • Auch die Anbindung von externen Shop-Systemen wird mit großer Wahrscheinlichkeit möglich sein. Dazu arbeitet Facebook laut einem Artikel im eigenen Newsroom „eng mit Partnern wie Shopify, BigCommerce, WooCommerce, Channel Advisor, CedCommerce, Cafe24, Tienda Nube und Feedonomics zusammen“. Händler können ihre Shops dann vermutlich auf Facebook oder Instagram spiegeln und müssen so nicht mehrere Kataloge pflegen.

Welche Vorteile hat das für Händler?

Grundsätzlich haben Händler zwei Möglichkeiten, um Produkte online zu verkaufen. Möglichkeit eins ist ein eigener Online-Shop, über den der Händler seine Produkte selbst vertreibt. Möglichkeit zwei ist die Nutzung von Online-Marktplätzen wie Amazon oder Etsy. In beiden Fällen kommen Kosten auf den Händler zu. Ein Online-Shop muss mit der Hilfe eines Programmierers entwickelt, gestaltet und gepflegt werden. Wer Produkte über einen Online-Marktplatz verkauft, muss dafür Gebühren zahlen.

Die Shops sind allerdings kostenlos und aufgrund ihrer Einfachheit quasi für jeden bedienbar. Zwei enorme Kostenpunkte, die Händler hier also einsparen können!

Ist ja toll – aber warum gleich so hohe Erwartungen?

Neben den genannten Besonderheiten tragen weitere Faktoren zum Hype um die Shops bei.

Zum einen begründen sich die hohen Erwartungen aus der extrem günstigen Ausgangslage: Facebook hat aktuell 2,6 Milliarden Nutzer weltweit, Instagram kommt auf eine Milliarde. All diese Menschen sind potenzielle Shop-Nutzer. Händler können mit den Shops die Kunden dort ansprechen, wo sie sich aufhalten.

Hinzu kommen die technischen Stärken von Facebook und Instagram: Viele der tollen Features, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, lassen sich auch für die Shops nutzen. Hier sind zum Beispiel Augmented Reality, Künstliche Intelligenz und Personalisierung sowie Chatbots im Gespräch. Zudem punktet das Unternehmen natürlich mit seinem etablierten und ausgeklügelten Werbesystem.

Und was hat Facebook davon?

Natürlich profitiert auch Facebook selbst. Denn: Facebooks Geschäft basiert auf Nutzerdaten. Mit den Shops bekommt Facebook mehr wertvolle Daten, nämlich über das Kaufverhalten seiner Nutzer. Außerdem möchte das Unternehmen die Werbeeinnahmen ankurbeln und setzt darauf, dass Händler ihre Shops direkt über Facebook und Instagram bewerben.

Wird Facebook jetzt das neue Amazon?

Nein, soweit würde ich nicht gehen. Amazon ist weitaus mehr als ein Marktplatz und hat sich so etabliert, dass mittlerweile über 50 Prozent aller Produktsuchen im Netz direkt auf der E-Commerce-Plattform stattfinden. Dennoch bin ich mir sicher, dass die Shops bald eine ernstzunehmende E-Commerce-Plattform werden.

Kann ich die neuen Shops schon nutzen?

Theoretisch ja. Deutschland ist unter den ersten Ländern, in denen die Shops ausgerollt werden. Der Rollout hat am 19. Mai 2020 begonnen. Inzwischen können einige Händler die Shops bereits nutzen – bei anderen funktionieren sie allerdings noch nicht. Hier werden wir uns noch eine Weile gedulden müssen, bis der Rollout komplett ist.

Wie erstelle ich einen Shop?

Ein vollständiges Tutorial kann ich an dieser Stelle (noch) nicht liefern, zumal die Shops sich noch im Rollout befinden. Fakt ist aber: Die Shops benötigen einiges an Vorarbeit. Was Sie für einen Shop auf jeden Fall benötigen, sind ein Unternehmensaccount und Zugang zum Facebook Business Manager – über diesen werden die Shops nämlich verwaltet. Außerdem muss die Facebook-Seite professionell eingerichtet werden, Produktkataloge müssen angelegt werden und Bilder müssen geshootet werden. Wenn Sie planen, einen Facebook oder Instagram Shop einzurichten, können (und sollten) Sie an diesen Stellen definitiv ansetzen!

Falls Sie zu diesen Themen Unterstützung benötigen, wenden Sie sich gerne an mich und das Social Media-Team von SportBrain. Wir freuen uns, wenn wir Sie unterstützen können!

Ihr

Christoph von Külmer

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
Christoph von Külmer

Facebook und Instagram Shops: Chance für den Einzelhandel?

Auf Facebook und Instagram gibt es künftig Shopping Module. Was genau dahinter steckt und ob Facebook damit den Einzelhandel digitalisieren kann, verrät Christoph von Külmer, Geschäftsführer der SportBrain Social Media & Web Agentur.

Wir haben in der Agentur lange darauf gewartet und jetzt ist es soweit. Der Facebook Konzern laucht in der Corona Zeit die Shopping Module für Facebook und Instagram – auch in Deutschland. Warum ist das für uns so interessant? Die Shops ermöglichen Unternehmen jeder Größe und Branche, über Facebook und Instagram unkompliziert Produkte zu verkaufen – und im Gegensatz zu Amazon absolut kostenlos.

Laut Facebook soll die neue Funktion vor allem Einzelhändlern und kleinen Unternehmen helfen, die Corona-Krise zu überstehen. Dahinter steckt aber natürlich noch mehr. Facebook bemüht sich schon länger, im E-Commerce Fuß zu fassen und den anderen großen Playern Amazon, Etsy, eBay und Google Konkurrenz zu machen. Die eigenen Shopsysteme sind ein gewaltiger Schritt in diese Richtung und wurden in den Medien in der vergangenen Woche richtig gefeiert.

Aber was steckt denn genau dahinter und kann Facebook den Einzelhandel digitalisieren? Gemeinsam mit dem Social Media-Team von SportBrain habe ich die Shops genau unter die Lupe genommen und die wichtigsten Fakten zu der gehypten neuen Funktion für Sie zusammengefasst.

Sind Facebook Shops wirklich neu?

Grundsätzlich ist es schon länger so, dass sich Facebook und Instagram in Richtung E-Commerce orientieren. Auf Facebook ist vielen sicher der Marketplace geläufig, der ähnlich funktioniert wie eBay Kleinanzeigen. Ebenfalls schon länger gibt es die Facebook-Seitenshops. Dabei können Betreiber von Unternehmensseiten Produktkataloge inklusive Beschreibungen und Preisangaben anlegen. Nutzer können diese Produkte dann kaufen – allerdings nur im tatsächlichen Online-Shop des Unternehmens. Ähnlich funktioniert Instagram Shopping. Auch hier können Produkte direkt in Postings verlinkt werden, allerdings läuft der Kaufabschluss dann über den Online-Shop ab.

Warum sind Facebook und Instagram Shops also so besonders?

Bei den neuen Shops gibt es im Verglich hierzu ein paar entscheidende Änderungen. Mehrere Punkte machen Facebook und Instagram Shops so interessant:

  •  Die Einrichtung der Shops ist völlig kostenfrei. Facebook will nur für die Bezahlfunktion Gebühren erheben.

  • Händler können nun direkt in Facebook oder Instagram Shops erstellen, die den gesamten Kaufprozess abbilden. Das heißt, der Kunde muss das Facebook-Ökosystem auch für den Kaufabschluss nicht verlassen. Der Händler kann damit (theoretisch) auf einen Online-Shop beziehungsweise eine Website verzichten.

  • Die neuen Shops fühlen sich tatsächlich wie Shops an. Dazu tragen vor allem die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten bei: Händler können Texte, Buttons und Farben beliebig gestalten und den eigenen Shop somit der Corporate Identity ihres Unternehmens anpassen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Produkte in Kollektionen zu gruppieren und eigene Produktbilder zu hinterlegen. Das Ganze ist obendrein auch noch relativ einfach bedienbar und funktioniert nach dem Baukasten-Prinzip; Programmierkenntnisse sind also nicht erforderlich.

  • Die Shops sind sowohl über Facebook als auch über Instagram erreichbar. Händler müssen als nur einen Shop einrichten, der dann über beide Netzwerke erreichbar ist.

  • Die Shops können mit weiteren Facebook-Produkten verknüpft werden: WhatsApp, der Facebook Messenger und der Instagram Messenger können dann eine schnelle und einfache Kommunikation zwischen Kunden und Händlern ermöglichen.

  • Ein weiteres neues Feature ist „Live Shopping“. Dabei können Händler, die einen Shop betreiben, ihre Produkte direkt aus einem Live-Video heraus verkaufen.

  • Auch die Anbindung von externen Shop-Systemen wird mit großer Wahrscheinlichkeit möglich sein. Dazu arbeitet Facebook laut einem Artikel im eigenen Newsroom „eng mit Partnern wie Shopify, BigCommerce, WooCommerce, Channel Advisor, CedCommerce, Cafe24, Tienda Nube und Feedonomics zusammen“. Händler können ihre Shops dann vermutlich auf Facebook oder Instagram spiegeln und müssen so nicht mehrere Kataloge pflegen.

Welche Vorteile hat das für Händler?

Grundsätzlich haben Händler zwei Möglichkeiten, um Produkte online zu verkaufen. Möglichkeit eins ist ein eigener Online-Shop, über den der Händler seine Produkte selbst vertreibt. Möglichkeit zwei ist die Nutzung von Online-Marktplätzen wie Amazon oder Etsy. In beiden Fällen kommen Kosten auf den Händler zu. Ein Online-Shop muss mit der Hilfe eines Programmierers entwickelt, gestaltet und gepflegt werden. Wer Produkte über einen Online-Marktplatz verkauft, muss dafür Gebühren zahlen.

Die Shops sind allerdings kostenlos und aufgrund ihrer Einfachheit quasi für jeden bedienbar. Zwei enorme Kostenpunkte, die Händler hier also einsparen können!

Ist ja toll – aber warum gleich so hohe Erwartungen?

Neben den genannten Besonderheiten tragen weitere Faktoren zum Hype um die Shops bei.

Zum einen begründen sich die hohen Erwartungen aus der extrem günstigen Ausgangslage: Facebook hat aktuell 2,6 Milliarden Nutzer weltweit, Instagram kommt auf eine Milliarde. All diese Menschen sind potenzielle Shop-Nutzer. Händler können mit den Shops die Kunden dort ansprechen, wo sie sich aufhalten.

Hinzu kommen die technischen Stärken von Facebook und Instagram: Viele der tollen Features, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, lassen sich auch für die Shops nutzen. Hier sind zum Beispiel Augmented Reality, Künstliche Intelligenz und Personalisierung sowie Chatbots im Gespräch. Zudem punktet das Unternehmen natürlich mit seinem etablierten und ausgeklügelten Werbesystem.

Und was hat Facebook davon?

Natürlich profitiert auch Facebook selbst. Denn: Facebooks Geschäft basiert auf Nutzerdaten. Mit den Shops bekommt Facebook mehr wertvolle Daten, nämlich über das Kaufverhalten seiner Nutzer. Außerdem möchte das Unternehmen die Werbeeinnahmen ankurbeln und setzt darauf, dass Händler ihre Shops direkt über Facebook und Instagram bewerben.

Wird Facebook jetzt das neue Amazon?

Nein, soweit würde ich nicht gehen. Amazon ist weitaus mehr als ein Marktplatz und hat sich so etabliert, dass mittlerweile über 50 Prozent aller Produktsuchen im Netz direkt auf der E-Commerce-Plattform stattfinden. Dennoch bin ich mir sicher, dass die Shops bald eine ernstzunehmende E-Commerce-Plattform werden.

Kann ich die neuen Shops schon nutzen?

Theoretisch ja. Deutschland ist unter den ersten Ländern, in denen die Shops ausgerollt werden. Der Rollout hat am 19. Mai 2020 begonnen. Inzwischen können einige Händler die Shops bereits nutzen – bei anderen funktionieren sie allerdings noch nicht. Hier werden wir uns noch eine Weile gedulden müssen, bis der Rollout komplett ist.

Wie erstelle ich einen Shop?

Ein vollständiges Tutorial kann ich an dieser Stelle (noch) nicht liefern, zumal die Shops sich noch im Rollout befinden. Fakt ist aber: Die Shops benötigen einiges an Vorarbeit. Was Sie für einen Shop auf jeden Fall benötigen, sind ein Unternehmensaccount und Zugang zum Facebook Business Manager – über diesen werden die Shops nämlich verwaltet. Außerdem muss die Facebook-Seite professionell eingerichtet werden, Produktkataloge müssen angelegt werden und Bilder müssen geshootet werden. Wenn Sie planen, einen Facebook oder Instagram Shop einzurichten, können (und sollten) Sie an diesen Stellen definitiv ansetzen!

Falls Sie zu diesen Themen Unterstützung benötigen, wenden Sie sich gerne an mich und das Social Media-Team von SportBrain. Wir freuen uns, wenn wir Sie unterstützen können!

Ihr

Christoph von Külmer

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben