101 Köpfe, Folge 115

Gregor Peter Schmitz: Berufskrankheit „Allrounder“

Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen. Foto: Daniela Kreisl
Seit einem Dreivierteljahr ist Gregor Peter Schmitz Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen. Welchen Tipp er bei Schreibblockaden hat und welche Lieblingsspeise er in Bayern wiederentdeckt hat, erklärt er im 101 Köpfe-Interview.

Name: Gregor Peter Schmitz

Alter: 43

Position: Chefredakteur

Unternehmen: Augsburger Allgemeine

Hobbies: Tennis, Kino, Wandern


Sie haben sich schon früh für die journalistische Branche interessiert. Was ist es, das Sie an diesem Bereich so fasziniert?

Ich kann mir keinen Beruf mit größerer Freiheit vorstellen. Rausgehen und schreiben, was gibt es Tolleres?

Wohin denken Sie, dass sich der Journalismus verändert?

Er wird interaktiver – und das ist auch gut so. Denn spätestens durch die Digitalisierung sind wir Journalisten gezwungen, unseren Lesern auf Augenhöhe zu begegnen.

Gibt es etwas, das Sie an der Augsburger Allgemeinen ändern wollen?

Mein Motto lautet BBB: Bewahren, Binden, Beschleunigen. An einer so gut aufgestellten Zeitung wie der Augsburger gilt es ganz viel zu bewahren. Aber wir müssen unsere Leser und Abonnenten noch enger an uns binden, das Abo noch mehr „aufladen“. Und wir müssen in einer Medienwelt, die sich rasant verändert, noch schneller werden, auf allen Kanälen.

Sie waren auch im Ausland journalistisch tätig. Wie unterscheiden sich die dortigen Medien von deutschen?

Ihnen geht es wirtschaftlich viel schlechter. Das gilt vor allem für die Tages- und Regionalzeitungen.

Gibt es ein Ressort, das Ihnen gar nicht liegt?

Nein, da gibt es keines. Journalisten sind Allrounder, eine echte Berufskrankheit.

Haben Sie Ihren Wikipedia-Eintrag schon einmal selbst ausgebessert, wenn ja was?

Nein, das Vergnügen hatte ich noch nicht.

Nach Stationen wie Harvard, dem SPIEGEL, der Bertelsmann Stiftung und der Süddeutschen Zeitung sind Sie nach Augsburg gezogen. Was hat Sie an der Fuggerstadt so begeistert?

Die Aufgabe. Die Augsburger Allgemeine ist eine der größten deutschen Tageszeitungen, mit einer extrem schlagkräftigen Redaktion von fast 200 Mitarbeitern, traditionsbewusst und zugleich innovativ. Wer wäre da nicht begeistert?

An welchen Orten Augsburgs verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?

Vorrangig auf dem Stadtmarkt. Außerdem bin ich gern im Restaurant „Färberei“ oder dem Biergarten „Drei Königinnen“.

Mit Ihrem Umzug nach Augsburg sind Sie auch den Alpen ein großes Stück näher gekommen. Sind Sie ab und zu in den Bergen unterwegs?

Nicht nur ab und zu. Die Berge näher an mich zu rücken, sehe ich als meine persönliche Kernaufgabe.

Haben Sie schon eine bayerische Lieblingsspeise für sich entdeckt?

Ich habe eine wiederentdeckt: Die Leberknödelsuppe.

In Ihrer Laufbahn waren Sie viel investigativ unterwegs. Wären Sie auch ein guter Privat-Detektiv geworden?

Ich halte es dazu mit Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière: „Ein Teil dieser Antwort würde die Bevölkerung verunsichern.“

Welche Zeitungs- und Magazin-Abos haben Sie privat?

Die Frage ist eher, welche nicht?

Welcher Ihrer Texte bedeutet Ihnen besonders viel?

Die Team-Leistung zu den Wikileaks- und NSA-Enthüllungen beim SPIEGEL. Schon deshalb, weil es echte Teamarbeit war.

Wenn Sie eine Schreibblockade haben, wie lösen Sie diese?

Ich lese den bisherigen Text sehr laut vor.

Ganz spontan in 30 Sekunden: Drei tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben?

Der Fotograf Daniel Biskup, seit langem in Augsburg ansässig, hat mich mit seiner Arbeit sehr begeistert. Rainer Bonhorst, ehemaliger Chefredakteur und ebenfalls „Zugereister“, gibt mir viele kluge Tipps. Und Kurt Idrizovic, Betreiber der Buchhandlung am Obstmarkt, versorgt mich mit gutem Lesestoff.

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