Jubiläum, Nachfolge, Heuschrecken

Interview: So blieb PFEIFER 440 Jahre am Markt erfolgreich

Geschäftsführer Gerhard Pfeifer. Foto: PFEIFER Holding GmbH & Co. KG
Wie ein Unternehmen 440 Jahre erfolgreich bleibt, wie Unternehmensnachfolge richtig geht und was er sich für den deutschen Mittelstand wünscht, erzählt Gerhard Pfeifer im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wo kommt PFEIFER her?

Gerhard Pfeifer: PFEIFER kommt aus der Seilerei, ein sehr altes Handwerk aus der Zeit der Zünfte. Genau genommen ist das Seil ein noch viel älteres Produkt. Die ersten Seile gab es schon vor 13.000 Jahren, aus Naturfasern. Aus dieser Tradition heraus ist das Seilerhandwerk entstanden.

Unternehmensführer in 12. Generation: Hat das mehr Vor- oder Nachteile?

(lacht) Es ist auf der einen Seite ein sehr schönes Gefühl, auf der anderen Seite natürlich auch eine Verpflichtung und eine Herausforderung.

Wo liegen Herausforderungen?

Die heutige Zeit ist eine Zeit, in der sich Dinge sehr schnell ändern. Infolgedessen muss man das Unternehmen stetig weiterentwickeln und immer wieder neu erfinden. Das ist für ein Unternehmen mit einer gewissen Altersstruktur eine Herausforderung. Aber bisher haben wir das gut gemeistert.

Und wie?

Im Bereich der Seil- und Hebetechnik haben wir uns produktseitig weiterentwickelt. Von den Naturfasern zum heutigen Drahtseil, vor allem in der Anwendung für Kranseile, Aufzüge und das Bauen mit Seilen. In diesen drei Anwendungen sind wir zwischenzeitig international tätig. Wir sind mit über 30 Gesellschaften in 19 Ländern unterwegs. Das bedeutet, dass wir es geschafft haben, eine Leistung anzubieten, die sich internationalisieren lässt. Heute geht die Entwicklung hin zu neuen Technologien, beispielsweise Seile aus hochfesten Kunststoff-Fasern.

Neben internationalisieren – kann man das Seil auch digitalisieren?

Das Seil lässt sich als solches – bisher zumindest – nicht digitalisieren. Was wir aber schon bieten, ist beispielsweise ein patentierte Seilendverbindung zur Verankerung von Seilen in Bauwerken, mit der bestimmte Leistungs- und Belastungadaten der Seile aufgezeichnet und nachvollzogen werden können. . Die Seiltechnik von heute hat also bereits digitale Aspekte.

Haben Sie ein Lieblings-Projekt, in dem Seil- und Hebetechnik von PFEIFER eingesetzt wird?

Für uns waren die beiden Stadien in Durban und Kapstadt, die wir für die Fußball Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gebaut haben, sehr große Herausforderungen. Letzteres ist beispielsweise auch auf vielen Anischten und Postkarten-Motiven der Stadt zu sehen.  Das ist schon ein gewisses „Zeichen in der Welt“, wenn man so möchte.

Gibt es auch in Schwaben Projekte, in denen PFEIFER-Technik zum Einsatz kommt?

Ja, natürlich. Ein Beispiel ist die Memminger Eissporthalle. Da hängt das Dach an Seilen und das durften wir installieren.

Was verbindet Sie mit dem Standort Memmingen?

Wir sind als Familie hier verwurzelt. Man muss sich auch immer vorstellen, dass das Unternehmen bis zu meinem Großvater ein Handwerksbetrieb gewesen ist mit wenigen Mitarbeitern. Auch mein Vater ist hier groß geworden, er war noch Seilermeister. Ich fühle mich dieser Stadt zugehörig.

Bei 12 Generationen: Sie wissen wie Unternehmensnachfolge geht, oder?

Eine Unternehmens-Nachfolge hängt immer von den einzelnen Menschen ab. Natürlich bin ich selbst durch einen Nachfolgeprozess gegangen. Insofern habe ich da Erfahrung und bin natürlich dabei, mir Gedanken darüber zu machen, wie es weiter gehen kann.

Wie würden Sie sagen, gestaltet man das richtig?

Wenn es gelingt, dass man ein Miteinander zustande bringt, ist das das Allerbeste. Ich habe mit meinem Vater eine gewisse Zeit verbracht. Das war zwar nicht immer spannungsfrei, aber es war insgesamt sehr konstruktiv. Ich glaube, es ist wichtig, dass man von beiden Generationen aus aufeinander zugeht, zuhört, den anderen respektiert und Räume schafft, in denen ein Nachfolger sich entfalten und entdecken kann. Ich glaube, man kann kein Unternehmen führen, ohne dass man einen gewissen persönlichen Reifungsprozess durchschreitet. Der ist nicht immer einfach, aber für mich eine Grundvoraussetzung.

Wie sieht es aktuell aus: Bereiten Sie die Unternehmens-Nachfolge schon vor?

In unserem Fall ist es so, dass meine Kinder 40 Jahre jünger sind als ich – ein großer zeitlicher Abstand. Das bedeutet, dass es in jedem Fall auch ein Fremd-Management geben wird. Wenn meine Kinder Interesse haben, das Unternehmen weiter zu leiten, wird das auf jeden Fall mit einer Übergangszeit erfolgen müssen. Daher haben wir vor zwei Jahren ein breites Management und einen starken und mehrköpfigen Beirat etabliert, sodass eine insgesamt stabile Struktur geschaffen wurde. Da haben wir, denke ich, ganz gute Vorkehrungen getroffen.

Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für den Deutschen Mittelstand?

Wofür ich wirklich eintrete, ist die lokale Verantwortung, die ein Familien-Unternehmen wahrnimmt. Ich glaube, das ist zwar etwas, dass immer wieder benannt wird, aber über dessen Bedeutung man sich nicht ausreichend im Klaren ist. Gerade bei Familien-Unternehmen gibt es immer wieder Generations-Wechsel. Aber überall dort, wo es keinen Nachfolger gibt, steht man vor der Frage: Wohin geht das Unternehmen? Hier schlagen immer öfter sehr große, international aktive Equity-Gesellschaften, Hedgefonds und ähnliches zu, die sich insbesondere auf den deutschen Mittelstand konzentrieren. Das ist ein großes Risiko für den Mittelstand, der gleichzeitig prägend für Innovationen und Arbeitsplätze ist.

Da möchte ich ausdrücklich eine Lanze für viele mittelständische und eigentümergeführte Unternehmer-Kollegen brechen, die fast alle eine lokale, soziale und kulturelle Verantwortung  übernehmen, die sich um ihre Mitarbeiter kümmern und die das Regionale in aller Regel unterstützen und fördern. Deswegen kann ich unsere Gesellschaft nur aufrufen, sich dessen wirklich bewusst zu werden und positiv dafür einzutreten, diese Art von Unternehmen wertzuschätzen. Ich möchte an das von Herrn Müntefering geprägte Wort der Heuschrecken erinnern. Da gibt es einfach sehr viele, kritische Beispiel. Die muss man sich vor Augen führen und wertschätzen, was wir gerade auch in Bayerisch-Schwaben ganz besonders haben: einen starken eigentümergeführten Mittelstand.

Ich verfolge diesbezüglich nicht eine bestimmt politische Linie. Es geht darum, dass wir das Phänomen des Wirtschaftens und seine sozialen Folgen betrachten und aus dieser Perspektive entdecken müssen, was das wirklich bedeutet.

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Unternehmensführer in 12. Generation: Hat das mehr Vor- oder Nachteile?

(lacht) Es ist auf der einen Seite ein sehr schönes Gefühl, auf der anderen Seite natürlich auch eine Verpflichtung und eine Herausforderung.

Wo liegen Herausforderungen?

Die heutige Zeit ist eine Zeit, in der sich Dinge sehr schnell ändern. Infolgedessen muss man das Unternehmen stetig weiterentwickeln und immer wieder neu erfinden. Das ist für ein Unternehmen mit einer gewissen Altersstruktur eine Herausforderung. Aber bisher haben wir das gut gemeistert.

Und wie?

Im Bereich der Seil- und Hebetechnik haben wir uns produktseitig weiterentwickelt. Von den Naturfasern zum heutigen Drahtseil, vor allem in der Anwendung für Kranseile, Aufzüge und das Bauen mit Seilen. In diesen drei Anwendungen sind wir zwischenzeitig international tätig. Wir sind mit über 30 Gesellschaften in 19 Ländern unterwegs. Das bedeutet, dass wir es geschafft haben, eine Leistung anzubieten, die sich internationalisieren lässt. Heute geht die Entwicklung hin zu neuen Technologien, beispielsweise Seile aus hochfesten Kunststoff-Fasern.

Neben internationalisieren – kann man das Seil auch digitalisieren?

Das Seil lässt sich als solches – bisher zumindest – nicht digitalisieren. Was wir aber schon bieten, ist beispielsweise ein patentierte Seilendverbindung zur Verankerung von Seilen in Bauwerken, mit der bestimmte Leistungs- und Belastungadaten der Seile aufgezeichnet und nachvollzogen werden können. . Die Seiltechnik von heute hat also bereits digitale Aspekte.

Haben Sie ein Lieblings-Projekt, in dem Seil- und Hebetechnik von PFEIFER eingesetzt wird?

Für uns waren die beiden Stadien in Durban und Kapstadt, die wir für die Fußball Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gebaut haben, sehr große Herausforderungen. Letzteres ist beispielsweise auch auf vielen Anischten und Postkarten-Motiven der Stadt zu sehen.  Das ist schon ein gewisses „Zeichen in der Welt“, wenn man so möchte.

Gibt es auch in Schwaben Projekte, in denen PFEIFER-Technik zum Einsatz kommt?

Ja, natürlich. Ein Beispiel ist die Memminger Eissporthalle. Da hängt das Dach an Seilen und das durften wir installieren.

Was verbindet Sie mit dem Standort Memmingen?

Wir sind als Familie hier verwurzelt. Man muss sich auch immer vorstellen, dass das Unternehmen bis zu meinem Großvater ein Handwerksbetrieb gewesen ist mit wenigen Mitarbeitern. Auch mein Vater ist hier groß geworden, er war noch Seilermeister. Ich fühle mich dieser Stadt zugehörig.

Bei 12 Generationen: Sie wissen wie Unternehmensnachfolge geht, oder?

Eine Unternehmens-Nachfolge hängt immer von den einzelnen Menschen ab. Natürlich bin ich selbst durch einen Nachfolgeprozess gegangen. Insofern habe ich da Erfahrung und bin natürlich dabei, mir Gedanken darüber zu machen, wie es weiter gehen kann.

Wie würden Sie sagen, gestaltet man das richtig?

Wenn es gelingt, dass man ein Miteinander zustande bringt, ist das das Allerbeste. Ich habe mit meinem Vater eine gewisse Zeit verbracht. Das war zwar nicht immer spannungsfrei, aber es war insgesamt sehr konstruktiv. Ich glaube, es ist wichtig, dass man von beiden Generationen aus aufeinander zugeht, zuhört, den anderen respektiert und Räume schafft, in denen ein Nachfolger sich entfalten und entdecken kann. Ich glaube, man kann kein Unternehmen führen, ohne dass man einen gewissen persönlichen Reifungsprozess durchschreitet. Der ist nicht immer einfach, aber für mich eine Grundvoraussetzung.

Wie sieht es aktuell aus: Bereiten Sie die Unternehmens-Nachfolge schon vor?

In unserem Fall ist es so, dass meine Kinder 40 Jahre jünger sind als ich – ein großer zeitlicher Abstand. Das bedeutet, dass es in jedem Fall auch ein Fremd-Management geben wird. Wenn meine Kinder Interesse haben, das Unternehmen weiter zu leiten, wird das auf jeden Fall mit einer Übergangszeit erfolgen müssen. Daher haben wir vor zwei Jahren ein breites Management und einen starken und mehrköpfigen Beirat etabliert, sodass eine insgesamt stabile Struktur geschaffen wurde. Da haben wir, denke ich, ganz gute Vorkehrungen getroffen.

Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für den Deutschen Mittelstand?

Wofür ich wirklich eintrete, ist die lokale Verantwortung, die ein Familien-Unternehmen wahrnimmt. Ich glaube, das ist zwar etwas, dass immer wieder benannt wird, aber über dessen Bedeutung man sich nicht ausreichend im Klaren ist. Gerade bei Familien-Unternehmen gibt es immer wieder Generations-Wechsel. Aber überall dort, wo es keinen Nachfolger gibt, steht man vor der Frage: Wohin geht das Unternehmen? Hier schlagen immer öfter sehr große, international aktive Equity-Gesellschaften, Hedgefonds und ähnliches zu, die sich insbesondere auf den deutschen Mittelstand konzentrieren. Das ist ein großes Risiko für den Mittelstand, der gleichzeitig prägend für Innovationen und Arbeitsplätze ist.

Da möchte ich ausdrücklich eine Lanze für viele mittelständische und eigentümergeführte Unternehmer-Kollegen brechen, die fast alle eine lokale, soziale und kulturelle Verantwortung  übernehmen, die sich um ihre Mitarbeiter kümmern und die das Regionale in aller Regel unterstützen und fördern. Deswegen kann ich unsere Gesellschaft nur aufrufen, sich dessen wirklich bewusst zu werden und positiv dafür einzutreten, diese Art von Unternehmen wertzuschätzen. Ich möchte an das von Herrn Müntefering geprägte Wort der Heuschrecken erinnern. Da gibt es einfach sehr viele, kritische Beispiel. Die muss man sich vor Augen führen und wertschätzen, was wir gerade auch in Bayerisch-Schwaben ganz besonders haben: einen starken eigentümergeführten Mittelstand.

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