Interview

Werbeagentur Resi will am Image der Landwirtschaft arbeiten

Die Landwirte in Deutschland kämpfen um ihrem Ruf. Umweltfrevel und fragwürdige Tierhaltung sind die häufigsten Vorwürfe. Ein Generalverdacht sei fatal, sagt Carolin Nuscheler. Mit ihrer Agentur „Resi“ unterstützt sie einzelne Landwirte im Bereich Marketing – und gleichzeitig will sie der gesamten Branche beim Imagewandel helfen. Wie, das hat sie uns im Interview erklärt.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wieso brauchen Landwirte eine Werbeagentur?

Carolin Nuscheler: Für einen zukunftsfähigen Betrieb wollen sich viele Landwirte unabhängiger von der Lebensmittelindustrie und dem Handel machen. Die Bauern entwickeln eigene Ideen, bauen zum Beispiel Mini-Molkereien oder bieten Selbstpflückfelder an – sie steigen also in die Direktvermarktung ein. Dadurch halten sie die Preise für ihre Produkte konstant höher und erfahren mehr Wertschätzung für ihre Arbeit. Doch wer direkt auf den Verbraucher zugehen will, muss sichtbar sein, online wie offline. Landwirte, die ihre Direktvermarktung professionell ausbauen wollen, brauchen besser früher als später einen guten Webauftritt, einen Eintrag bei Google, sie sollten Soziale Medien nutzen, aber auch den etwaigen Hofladen an der Straße vernünftig ausschildern, damit potenzielle Kunden auf sie aufmerksam werden. Weil Landwirte ohnehin chronisch zu wenig Zeit haben und sich die nötigen Marketing-Fähigkeiten nicht auch noch aneignen können, helfen wir.

Was steckt hinter dem Namen Resi?

Die einzelnen Buchstaben stehen für Regionale Erzeugnisse, starkes Image. Mir ist nicht nur wichtig, die Produkte der Landwirte zu bewerben. Ich möchte auch an der Außenwirkung der Branche arbeiten. Die Landwirtschaft hat seit Jahren keinen guten Ruf – in einigen Punkten zu Unrecht. Deswegen betreiben wir mit unseren Kunden auch immer Aufklärungsarbeit gegenüber den Verbrauchern. Wir erklären Hintergründe, Arbeitsweisen und geben Einblick in den Alltag auf dem Hof – für mehr gegenseitiges Verständnis. Und: Resi ist ein gängiger Name für eine Kuh in Bayern oder Süddeutschland. Der Bezug zur Landwirtschaft wird dadurch schon im Namen transportiert. Das war mir sympathisch. 

Welchen Bezug haben Sie zur Landwirtschaft?

Ich bin auf einem Milchviehbetrieb in Altenstadt bei Schongau aufgewachsen. Mittlerweile betreibt mein Vater eine Rindermast und ich wohne und arbeite auf dem Hof. Den Bezug zur Branche hatte ich daher schon von klein auf. Durch meinen Papa bekomme ich die Herausforderungen des Berufsstandes auch heute noch aus erster Hand mit. 

Was haben Sie vor Ihrer Selbständigkeit gemacht?

Ich habe als Redakteurin beim Deutschen Landwirtschaftsverlag in München gearbeitet und mich hier vor allem mit bäuerlicher Lebensmittelerzeugung und Vermarktung beschäftigt. Ich war also Journalistin – und bin es auch immer noch. Das legt man nicht einfach ab. 

In einem Interview mit Allgäu Digital haben Sie gesagt, Sie wollen der „Landwirtschaft ein Gesicht geben“. Was meinen Sie genau damit? 

In vielen Medien und Debatten ist immer die Rede von DER Landwirtschaft. Dabei kann man die Branche – genau wie andere Branchen auch – nicht einfach über einen Kamm scheren. Alleine der Graben zwischen ökologischer Landwirtschaft und konventioneller Wirtschaftsweise ist (leider) groß. Auch die Struktur der Landwirtschaft im Norden und Süden, Osten und Westen Deutschlands ist enorm. Wer DIE Landwirtschaft kritisiert, macht es sich etwas zu leicht. Um dem Thema Herr zu werden, müssen wir genauer hinschauen, die Menschen, die dahinterstecken, sehen und verstehen. Deswegen animieren wir unsere Bauern immer dazu, mutig zu sein und sich zu zeigen. Verbraucher sollen die Landwirte ihrer Region kennen und zumindest im Groben wissen, was sie tun. Auf diese Weise geben wir der Landwirtschaft ein Gesicht und sorgen dafür, dass sich Landwirte und Verbraucher zunächst auf regionaler Ebene näherkommen. 

Ihre erste Idee war eine Plattform zur Vermarktung. Wieso haben Sie diese wieder verworfen?

Beim genaueren Zuhören habe ich gemerkt, dass die Landwirte individuelle Lösungen bevorzugen und sich und ihren Betrieb auf eigenen Kanälen zeigen wollen. 

Die Landwirtschaft hat in der Öffentlichkeit immer wieder mit ihrem Image zu kämpfen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich denke, einige Politiker und auch wir als Gesellschaft haben Vieles versäumt. Anstatt die teilweise skandalöse Lebensmittelindustrie zu kontrollieren und einen stabilen Markt für Rohstoffe zu unterstützen, wurden die landwirtschaftlichen Betriebe immer stärker subventioniert. Aus meiner Sicht wurde damit nicht die Ursache, sondern ein Symptom des wachsenden Problems behandelt. Und nun sind alle überrascht, wie wenig zeitgemäß auf manchen Höfen heute gearbeitet wird, während diese Bauern lediglich versucht haben, durch Pragmatismus ihre Existenzen zu erhalten. 

Derzeit ist Resi noch eine One-Woman-Show. Wird das auch in Zukunft so bleiben?

Nein. Im Oktober zieht Resi in größere Büroräume um. Erste Gespräche mit möglichen Mitarbeitern laufen bereits. 

Sie sind Teil von Allgäu Digital. Was schätzen Sie am Gründerzentrum besonders?

Ich war im ersten Gründerjahrgang dabei. Damals war ich auf der Suche nach einem Partner, der mich auf dem Weg in die Selbstständigkeit moralisch aber auch mit Tipps und Erfahrungen begleitet. Als Einzelgründerin habe ich mich manchmal alleine und alleingelassen gefühlt. Das Team des Gründerzentrums hat mich hier regelmäßig aufgefangen und mir geholfen, den richtigen Weg für mich zu finden. Unter anderem das Coaching-Angebot nehme ich noch immer gerne wahr und schätze den Austausch.

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Carolin Nuscheler: Für einen zukunftsfähigen Betrieb wollen sich viele Landwirte unabhängiger von der Lebensmittelindustrie und dem Handel machen. Die Bauern entwickeln eigene Ideen, bauen zum Beispiel Mini-Molkereien oder bieten Selbstpflückfelder an – sie steigen also in die Direktvermarktung ein. Dadurch halten sie die Preise für ihre Produkte konstant höher und erfahren mehr Wertschätzung für ihre Arbeit. Doch wer direkt auf den Verbraucher zugehen will, muss sichtbar sein, online wie offline. Landwirte, die ihre Direktvermarktung professionell ausbauen wollen, brauchen besser früher als später einen guten Webauftritt, einen Eintrag bei Google, sie sollten Soziale Medien nutzen, aber auch den etwaigen Hofladen an der Straße vernünftig ausschildern, damit potenzielle Kunden auf sie aufmerksam werden. Weil Landwirte ohnehin chronisch zu wenig Zeit haben und sich die nötigen Marketing-Fähigkeiten nicht auch noch aneignen können, helfen wir.

Was steckt hinter dem Namen Resi?

Die einzelnen Buchstaben stehen für Regionale Erzeugnisse, starkes Image. Mir ist nicht nur wichtig, die Produkte der Landwirte zu bewerben. Ich möchte auch an der Außenwirkung der Branche arbeiten. Die Landwirtschaft hat seit Jahren keinen guten Ruf – in einigen Punkten zu Unrecht. Deswegen betreiben wir mit unseren Kunden auch immer Aufklärungsarbeit gegenüber den Verbrauchern. Wir erklären Hintergründe, Arbeitsweisen und geben Einblick in den Alltag auf dem Hof – für mehr gegenseitiges Verständnis. Und: Resi ist ein gängiger Name für eine Kuh in Bayern oder Süddeutschland. Der Bezug zur Landwirtschaft wird dadurch schon im Namen transportiert. Das war mir sympathisch. 

Welchen Bezug haben Sie zur Landwirtschaft?

Ich bin auf einem Milchviehbetrieb in Altenstadt bei Schongau aufgewachsen. Mittlerweile betreibt mein Vater eine Rindermast und ich wohne und arbeite auf dem Hof. Den Bezug zur Branche hatte ich daher schon von klein auf. Durch meinen Papa bekomme ich die Herausforderungen des Berufsstandes auch heute noch aus erster Hand mit. 

Was haben Sie vor Ihrer Selbständigkeit gemacht?

Ich habe als Redakteurin beim Deutschen Landwirtschaftsverlag in München gearbeitet und mich hier vor allem mit bäuerlicher Lebensmittelerzeugung und Vermarktung beschäftigt. Ich war also Journalistin – und bin es auch immer noch. Das legt man nicht einfach ab. 

In einem Interview mit Allgäu Digital haben Sie gesagt, Sie wollen der „Landwirtschaft ein Gesicht geben“. Was meinen Sie genau damit? 

In vielen Medien und Debatten ist immer die Rede von DER Landwirtschaft. Dabei kann man die Branche – genau wie andere Branchen auch – nicht einfach über einen Kamm scheren. Alleine der Graben zwischen ökologischer Landwirtschaft und konventioneller Wirtschaftsweise ist (leider) groß. Auch die Struktur der Landwirtschaft im Norden und Süden, Osten und Westen Deutschlands ist enorm. Wer DIE Landwirtschaft kritisiert, macht es sich etwas zu leicht. Um dem Thema Herr zu werden, müssen wir genauer hinschauen, die Menschen, die dahinterstecken, sehen und verstehen. Deswegen animieren wir unsere Bauern immer dazu, mutig zu sein und sich zu zeigen. Verbraucher sollen die Landwirte ihrer Region kennen und zumindest im Groben wissen, was sie tun. Auf diese Weise geben wir der Landwirtschaft ein Gesicht und sorgen dafür, dass sich Landwirte und Verbraucher zunächst auf regionaler Ebene näherkommen. 

Ihre erste Idee war eine Plattform zur Vermarktung. Wieso haben Sie diese wieder verworfen?

Beim genaueren Zuhören habe ich gemerkt, dass die Landwirte individuelle Lösungen bevorzugen und sich und ihren Betrieb auf eigenen Kanälen zeigen wollen. 

Die Landwirtschaft hat in der Öffentlichkeit immer wieder mit ihrem Image zu kämpfen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich denke, einige Politiker und auch wir als Gesellschaft haben Vieles versäumt. Anstatt die teilweise skandalöse Lebensmittelindustrie zu kontrollieren und einen stabilen Markt für Rohstoffe zu unterstützen, wurden die landwirtschaftlichen Betriebe immer stärker subventioniert. Aus meiner Sicht wurde damit nicht die Ursache, sondern ein Symptom des wachsenden Problems behandelt. Und nun sind alle überrascht, wie wenig zeitgemäß auf manchen Höfen heute gearbeitet wird, während diese Bauern lediglich versucht haben, durch Pragmatismus ihre Existenzen zu erhalten. 

Derzeit ist Resi noch eine One-Woman-Show. Wird das auch in Zukunft so bleiben?

Nein. Im Oktober zieht Resi in größere Büroräume um. Erste Gespräche mit möglichen Mitarbeitern laufen bereits. 

Sie sind Teil von Allgäu Digital. Was schätzen Sie am Gründerzentrum besonders?

Ich war im ersten Gründerjahrgang dabei. Damals war ich auf der Suche nach einem Partner, der mich auf dem Weg in die Selbstständigkeit moralisch aber auch mit Tipps und Erfahrungen begleitet. Als Einzelgründerin habe ich mich manchmal alleine und alleingelassen gefühlt. Das Team des Gründerzentrums hat mich hier regelmäßig aufgefangen und mir geholfen, den richtigen Weg für mich zu finden. Unter anderem das Coaching-Angebot nehme ich noch immer gerne wahr und schätze den Austausch.

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