Jubiläum

Interview: Auch die Generation Z ist bereit, Leistung zu bringen

Simone Oßwald feiert mit ihrer Agentur SO.Beratung dieses Jahr 20. Firmenjubiläum. Im Interview blickt sie auf ihre eigenen Coaching-Entwicklungen zurück und erklärt, warum Sie sich gerade für Azubis engagiert.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: 20 Jahre Coaching und Beratung: Was hat sich für Sie verändert?

Simone Oßwald: In den letzten 20 Jahren hat sich die Wirtschaft immer wieder verändert. Dementsprechend habe auch ich mich immer wieder angepasst. 1999 fing ich mit Farb- und Stilberatung an. Da war ich als Coach für die Themen Auftreten und Erscheinungsbild zuständig. Meine Kunden waren oft Menschen, die in Führungsposition gekommen sind oder deren Lebensumfeld sich verändert hat. Im Laufe der Zeit hat sich das dann hin zu Bewerbungs-Themen gewandelt, wobei ich zum Beispiel Seminare für die Arbeitsagentur gab. In den letzten 20 Jahren habe ich also eine Veränderung vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt erlebt. Schon damals war ich überzeugt, dass die Persönlichkeit jedes Einzelnen wichtig ist, um einen qualifizierten und passenden Job zu erhalten. Heute bin ich schwerpunktmäßig in den Unternehmen als Coach für die Persönlichkeitsentwicklung und die Kommunikation im Unternehmen und nach außen tätig.

Sie engagieren sich in einem Ihrer Programme speziell für Azubis. Warum?

Ich möchte dem Fachkräftemangel entgegenwirken, denn die Azubis von heute sind die Mitarbeiter von morgen. Deswegen bin ich überzeugt, wir sollten uns unsere Jugendlichen so heranbilden, dass sie als Mitarbeiter die gefragten sozialen Kompetenzen bereits mitbringen und weiterentwickeln können.

Der zweite Grund ist sehr pragmatisch: Es wird oft Geld für Auszubildende und für die Führungskräfte ausgegeben. Viele Mitarbeiter sind teilweise der Überzeugung, Schulungen seien nicht mehr nötig. Meiner Überzeugung nach kann und sollte sich jeder weiterbilden und – entwickeln.

Mein Herz schlägt für alle, die etwas lernen wollen, gerade die jungen Leute haben sehr gute Ideen, die häufig nicht gehört werden. Deswegen bieten wir in unserem Programm auch einen begleitenden Teil für die Ausbilder.

Die dann parallel mitlernen?

Genau. Wenn die Ausbilder von dem Azubi-Programm hören, finden sie es toll. Gleichzeitig möchten sie gerne wissen, was wir da machen und was sie für sich tun können, um das Gelehrte nachzuhalten. So wird aus dem Programm eine runde Sache. Die Ausbilder sind fachlich sehr gut, haben aber diese Soft-Skill-Schulungen, die ich als fehlend in Mitarbeiter-Kreisen empfinde, nicht erhalten. Sie sind dabei oftmals außen vor, weil Sie einen Sonderstatus im Unternehmen haben.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Punkte, die man Azubis heute mitgeben kann und muss?

Grundsätzlich denke ich, dass jede Persönlichkeit, so wie sie ist, gut ist. Was man ihnen mitgeben kann, ist ein Stück weit Sicherheit, gerade im Auftreten mit anderen Personen. Im ersten Ausbildungsjahr ist noch alles neu für sie, da lernen die Azubis von uns, wie sie sich im Geschäftsleben verhalten sollen. Dann geht es im zweiten Jahr weiter mit Kompetenzen wie Kommunikation und Konfliktmanagement. Wenn die Prüfungen ins Haus stehen, folgen Präsentationstraining und der Rollenwechsel zum vollwertigen Mitarbeiter. In vielen Unternehmen werden einzelne Aspekte davon separat geschult. Was ich sehr schade finde, weil die Zusammenhänge so schwerer zu verstehen sind.

Schulungen dieser Art geben Sie ja auch an Hochschulen….

Bei den Duale Hochschulen in Ravensburg und Villingen-Schwenningen gebe ich für verschiedene Fachbereiche sowohl Impulse zum Thema Kommunikation, Konfliktmanagement und Umgangsformen im Geschäftsleben. In diesen Seminaren schauen wir, wie die tägliche Praxis aussieht und was die einzelnen Studierenden daran für sich ändern können und wie sie damit in Zukunft als Führungskräfte agieren möchten. Das ist sehr spannend, denn ich habe inzwischen viele Personalentwickler, die mich in ihr Unternehmen holen, weil sie mich aus einem dieser Tage kennen. Das ist total schön!

Und in Bayerisch-Schwaben?

An der Hochschule in Kempten bin ich lange Jahre im Bayern Mentoring für Frauen in MINT-Bereichen dabei gewesen. Neben Trainings habe ich dort auch Impulsvorträge gehalten. Für den Career-Service bin ich seit vielen Jahren im Bereich Knigge, Persönlichkeitsentwicklung und ähnlichen Themen aktiv.

Hier handelt es sich ja um ganz viele junge Menschen aus der Generation Z. Diese kommen auf einen Markt mit lauter Babyboomern. Was bringen sie diesen bei, um mit den „alten Hasen“ zusammenarbeiten zu können? 

Die Generation Z hat ja Eltern und Großeltern aus der Babyboomer Zeit. Daher wissen sie bereits, wie diese Generation tickt. Die Menschen, auf die sie im Unternehmen treffen, sind sehr pragmatisch. Für diese ist Arbeiten ein Stückweit auch immer Leistung. Sie erwarten ein hohes Engagement – auch in der Freizeit. Die Babyboomer sind gefühlt rund um die Uhr beim Arbeiten und finden das auch normal, während die junge Generation sehr auf sich achtet und sagt „Genau das wollen wir nicht mehr“. Doch in der Zeit, in der sie im Unternehmen sind, sind sie entgegen der Meinung vieler anderer meines Alters, sehr wohl bereit, Leistung zu bringen. Sie möchten aber einen Sinn darin sehen, verstehen, worum es geht. Sie wollen wertschöpfend aber auch wertschätzend behandelt werden.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ich mach es mal ganz plakativ: Als ich meine Ausbildung absolvierte, hieß es, stellen Sie das nach rechts. Warum, wurde nicht gesagt, das durfte man zu meiner Zeit auch nicht hinterfragen. Das war einfach so. Wenn der Chef das so wollte, war das zu tun. Das ist heute anders. Die heutigen Azubis fragen nach: „Warum? Was bringt das? Was soll das bewirken?“. Der Wirkungsgrad ist wichtiger geworden.

Sie coachen außerdem auch Führungskräfte und Mitarbeiter im Allgemeinen…

Genau. Dabei geht es um „Energiespritzen“. Ich habe viele immer gleichbleibende Gruppen. Das können Innen- oder Außendienstteams sein oder zum Beispiel eine gesamte Abteilung. Gruppen mit den immer gleichen Teilnehmern. Da muss man dann nicht immer ganz von vorne anfangen, man kennt sich und die Vertrauensbasis ist hoch.

Viermal im Jahr trifft man sich und bespricht aktuelle Themen, was gerade eben so anliegt. Die Teams bringen „ihre“ Themen mit und wir arbeiten gemeinsam daran. Ich gebe Input und sie erarbeiten ihre individuellen Lösungen. Das wirkt wie Energiespritzen, weil diese Dinge anschließend auch sofort in die Praxis umgesetzt werden können.

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Sie engagieren sich in einem Ihrer Programme speziell für Azubis. Warum?

Ich möchte dem Fachkräftemangel entgegenwirken, denn die Azubis von heute sind die Mitarbeiter von morgen. Deswegen bin ich überzeugt, wir sollten uns unsere Jugendlichen so heranbilden, dass sie als Mitarbeiter die gefragten sozialen Kompetenzen bereits mitbringen und weiterentwickeln können.

Der zweite Grund ist sehr pragmatisch: Es wird oft Geld für Auszubildende und für die Führungskräfte ausgegeben. Viele Mitarbeiter sind teilweise der Überzeugung, Schulungen seien nicht mehr nötig. Meiner Überzeugung nach kann und sollte sich jeder weiterbilden und – entwickeln.

Mein Herz schlägt für alle, die etwas lernen wollen, gerade die jungen Leute haben sehr gute Ideen, die häufig nicht gehört werden. Deswegen bieten wir in unserem Programm auch einen begleitenden Teil für die Ausbilder.

Die dann parallel mitlernen?

Genau. Wenn die Ausbilder von dem Azubi-Programm hören, finden sie es toll. Gleichzeitig möchten sie gerne wissen, was wir da machen und was sie für sich tun können, um das Gelehrte nachzuhalten. So wird aus dem Programm eine runde Sache. Die Ausbilder sind fachlich sehr gut, haben aber diese Soft-Skill-Schulungen, die ich als fehlend in Mitarbeiter-Kreisen empfinde, nicht erhalten. Sie sind dabei oftmals außen vor, weil Sie einen Sonderstatus im Unternehmen haben.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Punkte, die man Azubis heute mitgeben kann und muss?

Grundsätzlich denke ich, dass jede Persönlichkeit, so wie sie ist, gut ist. Was man ihnen mitgeben kann, ist ein Stück weit Sicherheit, gerade im Auftreten mit anderen Personen. Im ersten Ausbildungsjahr ist noch alles neu für sie, da lernen die Azubis von uns, wie sie sich im Geschäftsleben verhalten sollen. Dann geht es im zweiten Jahr weiter mit Kompetenzen wie Kommunikation und Konfliktmanagement. Wenn die Prüfungen ins Haus stehen, folgen Präsentationstraining und der Rollenwechsel zum vollwertigen Mitarbeiter. In vielen Unternehmen werden einzelne Aspekte davon separat geschult. Was ich sehr schade finde, weil die Zusammenhänge so schwerer zu verstehen sind.

Schulungen dieser Art geben Sie ja auch an Hochschulen….

Bei den Duale Hochschulen in Ravensburg und Villingen-Schwenningen gebe ich für verschiedene Fachbereiche sowohl Impulse zum Thema Kommunikation, Konfliktmanagement und Umgangsformen im Geschäftsleben. In diesen Seminaren schauen wir, wie die tägliche Praxis aussieht und was die einzelnen Studierenden daran für sich ändern können und wie sie damit in Zukunft als Führungskräfte agieren möchten. Das ist sehr spannend, denn ich habe inzwischen viele Personalentwickler, die mich in ihr Unternehmen holen, weil sie mich aus einem dieser Tage kennen. Das ist total schön!

Und in Bayerisch-Schwaben?

An der Hochschule in Kempten bin ich lange Jahre im Bayern Mentoring für Frauen in MINT-Bereichen dabei gewesen. Neben Trainings habe ich dort auch Impulsvorträge gehalten. Für den Career-Service bin ich seit vielen Jahren im Bereich Knigge, Persönlichkeitsentwicklung und ähnlichen Themen aktiv.

Hier handelt es sich ja um ganz viele junge Menschen aus der Generation Z. Diese kommen auf einen Markt mit lauter Babyboomern. Was bringen sie diesen bei, um mit den „alten Hasen“ zusammenarbeiten zu können? 

Die Generation Z hat ja Eltern und Großeltern aus der Babyboomer Zeit. Daher wissen sie bereits, wie diese Generation tickt. Die Menschen, auf die sie im Unternehmen treffen, sind sehr pragmatisch. Für diese ist Arbeiten ein Stückweit auch immer Leistung. Sie erwarten ein hohes Engagement – auch in der Freizeit. Die Babyboomer sind gefühlt rund um die Uhr beim Arbeiten und finden das auch normal, während die junge Generation sehr auf sich achtet und sagt „Genau das wollen wir nicht mehr“. Doch in der Zeit, in der sie im Unternehmen sind, sind sie entgegen der Meinung vieler anderer meines Alters, sehr wohl bereit, Leistung zu bringen. Sie möchten aber einen Sinn darin sehen, verstehen, worum es geht. Sie wollen wertschöpfend aber auch wertschätzend behandelt werden.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ich mach es mal ganz plakativ: Als ich meine Ausbildung absolvierte, hieß es, stellen Sie das nach rechts. Warum, wurde nicht gesagt, das durfte man zu meiner Zeit auch nicht hinterfragen. Das war einfach so. Wenn der Chef das so wollte, war das zu tun. Das ist heute anders. Die heutigen Azubis fragen nach: „Warum? Was bringt das? Was soll das bewirken?“. Der Wirkungsgrad ist wichtiger geworden.

Sie coachen außerdem auch Führungskräfte und Mitarbeiter im Allgemeinen…

Genau. Dabei geht es um „Energiespritzen“. Ich habe viele immer gleichbleibende Gruppen. Das können Innen- oder Außendienstteams sein oder zum Beispiel eine gesamte Abteilung. Gruppen mit den immer gleichen Teilnehmern. Da muss man dann nicht immer ganz von vorne anfangen, man kennt sich und die Vertrauensbasis ist hoch.

Viermal im Jahr trifft man sich und bespricht aktuelle Themen, was gerade eben so anliegt. Die Teams bringen „ihre“ Themen mit und wir arbeiten gemeinsam daran. Ich gebe Input und sie erarbeiten ihre individuellen Lösungen. Das wirkt wie Energiespritzen, weil diese Dinge anschließend auch sofort in die Praxis umgesetzt werden können.

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