Interview

Dr. Ralf Held: So sollen künftige Unternehmensankäufe gelingen

Dr. Ralf Held, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Post Merger Integration. Foto: Ralf Held
Im Februar hat die Gesellschaft für Post Merger Integration (GfPMI) ein Forschungsprojekt mit der Universität Innsbruck angestoßen. Ziel ist es, Lösungswege für einen erfolgreichen Unternehmenskauf aufzuzeigen. Wie die Kooperation genau aussieht, erklärt Dr. Ralf Held, Vorstandsvorsitzender der GfPMI, im Interview.

Am 20. Februar 2018 hat die Augsburger Gesellschaft mit der Universität Innsbruck eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Konkret arbeitet die Gesellschaft mit dem SMA Research Lab und dem MCI Management Center zusammen. Beide Einrichtungen sind in den Themenbereichen Unternehmen und Unternehmensankäufe aktiv. Inhalt der neuen Kooperation ist ein Forschungsprojekt, um Abhängigkeiten von Akquisitionsstrategien und Integrationsmuster zu identifizieren.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was genau ist die Gesellschaft für Post Merger Integration?

Dr. Ralf Held: Die Gesellschaft für Post Merger Integration e.V. ist eine unabhängige Einrichtung, die sich mit dem Gebiet Unternehmensankäufe und angrenzende Themen befasst. Ihre Mitglieder sind Praktiker aus Unternehmen oder der Beratung. Wir verstehen uns als Denkfabrik mit dem Ziel, das Wissen um Transaktionen, Integrationsmanagement und dessen Anwendung in der Praxis und Wissenschaft zu fördern. Damit ist der Wunsch verbunden, Integrationsprozesse in den Unternehmen zu erleichtern.

Was ist der Kern Ihrer Forschungsarbeit mit der Universität Innsbruck?

In den Fachkreisen ist bekannt, dass viele Unternehmenskäufe nicht nur unbefriedigend verlaufen, sondern regelrecht Schaden anrichten. Unser Forschungsprojekt soll dabei helfen, die Erfolgsquote zu verbessern. Wir untersuchen den typischen Verlauf eines Unternehmenskaufs: von der Motivation für den Kauf, die gesteckten Ziele, den Plan für die Integration des gekauften Unternehmens, bis hin zur tatsächlichen Umsetzung und die erzielten Ergebnisse. Wir wollen dabei herausfinden, was Erfolgskonzepte sind und wo Fehler gemacht werden.

Was bringen die einzelnen Partner in die Zusammenarbeit ein?

Wir bringen in unserer Kooperation zwei Welten zusammen, Wissenschaft und Praxis. So erweitern wir stets unseren Horizont und können uns in der Sache weiterentwickeln. Seitens des SMA Research Lab ist Prof. Dr. Florian Bauer der Forschungsleiter. Bauer besitzt eine tiefe Expertise in den Bereichen Strategie und Transaktionen im Unternehmensbereich (Mergers and Acquisition – M&A). Seine diesbezüglichen Forschungsarbeiten wurden unter anderem mit dem „M&A Science Award“ 2010 und 2015 und dem „Best Paper Award“ der European Academy of Management ausgezeichnet. Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit hat er auch in der Praxis zahlreiche M&A-Prozesse mittelständischer und großer Unternehmen begleitet.

Welche Ziele verfolgt die Kooperation?

Die Kooperation verfolgt zwei Ziele: Know-how aus Wissenschaft und Praxis zu bündeln und Lösungswege für einen erfolgreichen Unternehmenskauf aufzuzeigen. In der Vergangenheit wurde deutlich, dass Forschungsarbeiten und Studien für uns Praktiker zur Orientierung sehr wichtig sind.

Wie fiel die Wahl auf Vertragspartner aus Innsbruck?

Die Universität Innsbruck ist unter anderem mit ihrem SMA Research Lab und dem MCI Management Center sehr gut im Bereich Strategie und M&A aufgestellt und genießt einen exzellenten Ruf. Dies und die Person von Prof. Florian Bauer waren für uns ausschlaggebend, das Projekt gemeinsam anzustoßen.

Wie fügt sich die Forschungsarbeit in die Arbeit der GfPMI ein?

Unser Satzungsgemäßer Auftrag ist es, Integrationsmanagement und dessen Anwendung in der Praxis und Wissenschaft zu fördern. Dazu haben sich in der GfPMI vor allem zwei Instrumente herausgebildet, mit denen wir gute Ergebnisse erzielen: Bildungsarbeit und Netzwerkveranstaltungen. Zum Bereich Bildung zählen beispielsweise Lehraufträge wie an der Frankfurt School of Business, der Universität Münster / JurGrad und der IHK Schwaben. Ein Beispiel für Netzwerkveranstaltungen wären unser Jahresevent „Denkfabrik Wirtschaft“ am 24./25. April in Augsburg sowie die Arbeit in unseren Arbeitsgruppen.

Gibt es bereits erste Ergebnisse?

Das Projekt ist bis zum Herbst veranschlagt und es laufen gerade die ersten Interviews an. Insoweit ist es noch zu früh für erste Ergebnisse. Was ich aber sagen kann ist, dass es eine große Bereitschaft von Unternehmen zur Mitwirkung gibt. Daher bin ich fest davon überzeugt, dass wir ein aussagekräftiges Ergebnis erzielen werden. Unternehmen, die an der Studie teilnehmen, erhalten im Gegenzug ebenfalls Zugang zu den Forschungsergebnissen.

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