Verwüstete Zimmer

Betreiber des „Übernacht“-Hostel kämpft gegen Party-Tourismus

Philipp Sturz betreibt nicht nur eine Zahnarztpraxis, sondern auch das „Übernacht“-Hostel in der Augsburger Innenstadt. Er hat uns erzählt, wie er dazu kam und in welchem erschreckenden Zustand er eines seiner Apartments vorfand.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was bewegt einen Zahnarzt dazu, ein Hotel zu eröffnen?

Dr. Dr. Philipp Sturz: Als Freiberufler bin ich selbst für meine Altersvorsorge verantwortlich. Um mich abzusichern, wollte ich etwas Außergewöhnliches machen. Also entschied ich mich, ein Hotel zu eröffnen. Außerdem wollte ich ein zweites Standbein, falls ich den Beruf des Zahnarztes aus irgendwelchen Gründen nicht mehr ausüben kann.

Aus Ihrer Idee ist dann auch bald Realität geworden. Wie sahen die Anfänge vom „Übernacht“-Hostel aus?

Die Immobilie in der Karlstraße, in der auch meine Praxis ist, hatte ich bereits. Ich habe dort mit zwei Apartments angefangen und geschaut, wie hoch die Nachfrage ist. Viele Dinge muss man einfach testen. Danach hab ich das „Übernacht-Hostel“ an seinem jetzigen Standort eröffnet. Dort bin ich mit 68 Betten gestartet. Ich habe aber bald gemerkt, dass sich das nicht rechnet. Also sind wir weiter gewachsen. Nun haben wir 215 Betten und elf Apartments.

Wie häufig passiert es, dass Gäste die Zimmer verwüstet hinterlassen?

Bei uns steigen immer mal wieder illegale Partys. Der Gipfel des Eisbergs war aber im November 2018. Unser größtes Apartment mit 120 Quadratmetern wurde komplett verwüstet. So etwas habe ich noch nie gesehen. An den Wänden war Erbrochenes, die Matratzen waren voller Flecken und an der Heizung klebte Blut. Außerdem war der Boden total verschmutzt und einige der Möbel waren demoliert.

Der Schaden beläuft sich auf mindestens 8000 Euro, ich musste das komplette Apartment renovieren lassen. Doch nur kurze Zeit später, an Silvester, eskalierte dort erneut eine Party und ich musste die Wohnung wieder sanieren.

Welche Maßnahmen wollen Sie gegen „ungebetene Gäste“ ergreifen? 

Wir vermieten bereits nicht mehr an Augsburger am Wochenende, um solche Partys zu vermeiden. Ich habe mein Hotel auch von sämtlichen Online-Plattformen genommen. So müssen Interessierte direkt mit uns Kontakt aufnehmen, wenn sie buchen wollen. Da die letzten zwei Vorfälle aber gezeigt haben, dass das nicht reicht, wird es jetzt auch eine elektronische Überwachung geben. 

Ich habe vor, das Haus, in dem meine Praxis und die zwei Apartments sind, videoüberwachen zu lassen, so dass ich sehe, wer reinkommt und ich werde einen Lärmpegelmesser installieren. Dieser gibt Alarm, wenn nachts eine Party stattfindet.

Wollen Sie die Apartments in Ihrem Geschäftshaus trotzdem weiterhin betreiben?

Wir haben überwiegend tolle Gäste, auch aus allen Ländern. Familien, Hochzeitsgäste, Handwerker und jede Art von Reisegruppen. Wegen diesen zwei Vorfällen will ich nicht gleich mein Geschäftsmodell ändern.

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was bewegt einen Zahnarzt dazu, ein Hotel zu eröffnen?

Dr. Dr. Philipp Sturz: Als Freiberufler bin ich selbst für meine Altersvorsorge verantwortlich. Um mich abzusichern, wollte ich etwas Außergewöhnliches machen. Also entschied ich mich, ein Hotel zu eröffnen. Außerdem wollte ich ein zweites Standbein, falls ich den Beruf des Zahnarztes aus irgendwelchen Gründen nicht mehr ausüben kann.

Aus Ihrer Idee ist dann auch bald Realität geworden. Wie sahen die Anfänge vom „Übernacht“-Hostel aus?

Die Immobilie in der Karlstraße, in der auch meine Praxis ist, hatte ich bereits. Ich habe dort mit zwei Apartments angefangen und geschaut, wie hoch die Nachfrage ist. Viele Dinge muss man einfach testen. Danach hab ich das „Übernacht-Hostel“ an seinem jetzigen Standort eröffnet. Dort bin ich mit 68 Betten gestartet. Ich habe aber bald gemerkt, dass sich das nicht rechnet. Also sind wir weiter gewachsen. Nun haben wir 215 Betten und elf Apartments.

Wie häufig passiert es, dass Gäste die Zimmer verwüstet hinterlassen?

Bei uns steigen immer mal wieder illegale Partys. Der Gipfel des Eisbergs war aber im November 2018. Unser größtes Apartment mit 120 Quadratmetern wurde komplett verwüstet. So etwas habe ich noch nie gesehen. An den Wänden war Erbrochenes, die Matratzen waren voller Flecken und an der Heizung klebte Blut. Außerdem war der Boden total verschmutzt und einige der Möbel waren demoliert.

Der Schaden beläuft sich auf mindestens 8000 Euro, ich musste das komplette Apartment renovieren lassen. Doch nur kurze Zeit später, an Silvester, eskalierte dort erneut eine Party und ich musste die Wohnung wieder sanieren.

Welche Maßnahmen wollen Sie gegen „ungebetene Gäste“ ergreifen? 

Wir vermieten bereits nicht mehr an Augsburger am Wochenende, um solche Partys zu vermeiden. Ich habe mein Hotel auch von sämtlichen Online-Plattformen genommen. So müssen Interessierte direkt mit uns Kontakt aufnehmen, wenn sie buchen wollen. Da die letzten zwei Vorfälle aber gezeigt haben, dass das nicht reicht, wird es jetzt auch eine elektronische Überwachung geben. 

Ich habe vor, das Haus, in dem meine Praxis und die zwei Apartments sind, videoüberwachen zu lassen, so dass ich sehe, wer reinkommt und ich werde einen Lärmpegelmesser installieren. Dieser gibt Alarm, wenn nachts eine Party stattfindet.

Wollen Sie die Apartments in Ihrem Geschäftshaus trotzdem weiterhin betreiben?

Wir haben überwiegend tolle Gäste, auch aus allen Ländern. Familien, Hochzeitsgäste, Handwerker und jede Art von Reisegruppen. Wegen diesen zwei Vorfällen will ich nicht gleich mein Geschäftsmodell ändern.

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