Handwerkskammer für Schwaben

Bau-Boom birgt Risiko für Unternehmen

Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben. Foto: HWK Schwaben
Seit Monaten melden die Bau-Unternehmer in Bayerisch-Schwaben eine extrem hohe Auslastung. Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben, erklärt, welche Gefahr sich hinter dem anhaltenden Boom verbirgt.

Das Jahr 2016 ist für das schwäbische Handwerk gut verlaufen. Auf den ersten Blick gibt es hinsichtlich der vierten Quartals-Umfrage der Handwerkskammer für Schwaben keine Überraschungen. Wer die Zahlen genauer betrachtet, stellt jedoch fest, dass die vermeintlich sehr gute Lage auch Grund zur Sorge birgt.

Baugewerbe liegt im Branchen-Ranking weit oben

Mit 100 Prozent sind die Nahrungsmittel-Betriebe derzeit die zufriedensten in Schwaben. Die Konkurrenz durch Discounter ist weiter stark. Trotzdem können sich die Firmen am Markt behaupten. Dies liegt auch an der derzeit allgemein starken Konjunktur. „Wenn die Kaufkraft da ist, geben die Menschen mehr Geld für qualitativ hochwertiges Essen aus“, erklärt Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben. Gleich danach im Ranking kommt das Baugewerbe. Hier geht es über 90 Prozent der Befragten gut. Dahinter liegen das Kfz-Gewerbe, die gewerblichen Zulieferer und die verbrauchernahen Dienstleistungen. Die Zahlen sind gut, die Stimmung optimistisch. Also kein Grund zur Sorge?

Baubranche unter Druck

Es ist gerade der anhaltende Bauboom, der Ulrich Wagner, Haupt-Geschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben, aufhorchen lässt. „Extreme sind nicht immer gut“, erklärt Wagner. „Das explosionsartige Wachstum der letzten Monate setzt die Bauunternehmer unter Druck. Die sehr hohe Auslastung ist enorm anstrengend für die Betriebe.“ Hinzu kommt, dass es für viele Unternehmer nicht so leicht ist, neue Mitarbeiter einzustellen – selbst wenn dies zum Teil aufgrund der guten konjunkturellen Lage sicherlich möglich wäre. Denn die Baubranche bekommt den Fachkräftemangel bereits stark zu spüren. Viele Betriebe arbeiten daher seit Monaten am Limit. Nicht planbare Ereignisse wie der unerwartet starke Kälteeinbruch in diesem Jahr haben die Lage weiter zugespitzt. „Ein langsameres, kontinuierliches Wachstum wäre besser“, erklärt Wagner deshalb, „hinzu kommt, dass der Boom irgendwann enden wird. Beide Extreme sind schwierig für die Branche.“

Welche Rahmen-Bedingungen setzt die Politik im Wahljahr 2017?

Auch die europäischen Krisen bereiten der Handwerkskammer für Schwaben Sorge. „Die Finanz-Krise ist nicht gelöst. Laut Experten kann sie jederzeit wieder ausbrechen“, so Wagner. Zudem verunsichern die wirtschaftspolitischen Äußerungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump und der Brexit die Märkte. Bei anderen Themen, vor allem in den Bereichen Steuern und Energie, wünscht man sich ebenfalls Lösungen. Große Weichen-Stellungen erwartet Wagner im Wahljahr 2017 jedoch nicht – „obwohl dies wichtig wäre“, wie er betont.

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