Cyber-Attacken

fly-tech: „Erpresser-Software WannaCry ist Gefahr für alle“

Tobias Wirth, Gründer und Geschäftsführer der fly-tech  IT GmbH & Co. KG. Foto: Isabell Walter/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Am Donnerstag, 1. Juni, lud die Meringer fly-tech IT GmbH & Co. KG zum Unternehmer-Frühstück ins Steigenberger Hotel Drei Mohren ein. Schwerpunkt der Veranstaltung war IT-Sicherheit. Wie brisant das Thema gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen ist, erklärt Geschäftsführer Tobias Wirth im Interview mit unserer Redaktion.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Wirth, der Trojaner WannaCry hält mittelständische Unternehmen schon lange in Atem. Was genau ist es, das diesen Virus so gefährlich macht?

Tobias Wirth: Bei WannaCry handelt es sich um eine sogenannte Ransomware. Das ist eine Schadsoftware, die Rechner infiziert, Daten verschlüsselt und erst wieder freigibt, wenn ein Lösegeld gezahlt wird. Das Phänomen an sich ist nicht neu. Schon seit Jahren haben wir es immer wieder mit Erpresser-Software zu tun. Was sich verändert und die Sache gefährlicher macht, ist die rasante Verbreitung. Wir sind heute alle wie selbstverständlich im Internet unterwegs, kommunizieren online und vernetzen unsere Geräte. Damit können sich solche Trojaner natürlich rasend schnell verbreiten.

Welche Unternehmen können von solchen Cyber-Angriffen betroffen sein?

Im Prinzip alle. Und das ist das Gefährliche. Wenn über Hacker-Angriffe und Cyber-Kriminalität gesprochen wird, dann standen in der Vergangenheit immer große Konzerne oder Sicherheits-Behörden im Fokus. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt dagegen oft noch das Bewusstsein, dass es sie auch treffen könnte. Und damit letztlich auch jeden Einzelnen von uns. Man stelle sich vor, eine Arztpraxis wird Opfer einer Attacke und plötzlich sind unsere Patientendaten in der Hand von Kriminellen. Oder die Unterlagen eines Anwaltes über seine Mandanten. Oder der Handwerker kann seine Kunden-Termine nicht wahrnehmen, weil seine Systeme von Hackern lahmgelegt werden. Wir hatten in den vergangenen Monaten allein bei unseren Kunden im Raum Augsburg sieben Fälle solcher Cyber-Attacken. Es besteht also eine reelle Gefahr für alle Unternehmen – egal wie groß sie sind.

Beim fly-tech Unternehmer-Frühstück im Steigenberger Hotel Drei Mohren

Wie können sich die Unternehmen davor schützen?

Die meisten Trojaner gelangen über E-Mail-Anhänge oder manipulierte Websites auf die Rechner. Deswegen sollten Unternehmen auf jeden Fall ihre Mitarbeiter für die Gefahr sensibilisieren, insbesondere im Umgang mit unbekannten E-Mail-Absendern. Parallel müssen Sicherheits-Lücken in der Technik geschlossen werden. Dazu sind regelmäßige System-Updates unerlässlich, auch wenn sie manchmal lästig sind. Ein aktueller Virenschutz ist ein Muss. Erweiterte E-Mail-Filter können zusätzliche Sicherheit bieten. Außerdem sollten für den Fall der Fälle alle Daten mehrfach gesichert sein. Wichtig ist, dass mithilfe von Rücksicherungs-Tests sichergestellt wird, dass sich diese Dateien auch wieder herstellen lassen.

Wie steht es um die Finanzierung solcher Sicherheits-Konzepte?

Zugegeben, all diese Maßnahmen sind nicht ganz billig. Aber sie sind immer noch günstiger, als die Folgen eines möglichen Hackerangriffs zu beseitigen. Und damit meine ich nicht nur die Schäden, die entstehen, weil Systeme ausfallen und IT-Experten sie wieder in Gang bringen müssen. Schwerwiegender ist oft der Schaden für das Image eines Unternehmens, wenn bekannt wird, dass sensible Daten öffentlich wurden. Deshalb empfehlen wir jedem Unternehmen eine umfassende Schwachstellen-Analyse – und zwar bevor die Hacker zugeschlagen haben. So kann man in aller Ruhe Maßnahmen ergreifen und Sicherheits-Konzepte erarbeiten, die auf die jeweiligen Risiken und Anforderungen hin abgestimmt sind. Das spart auf jeden Fall viel Geld.

Man darf das Thema aber nicht nur negativ betrachten. Trotz aller Risiken, die mit der Digitalisierung einhergehen, muss man vor allem die Vorteile im Blick haben. Ich kann alle kleinen und mittelständischen Unternehmen nur ermutigen, Neues auszuprobieren. Wichtig ist dabei ein IT-Partner, der aufzeigt, welche digitalen Möglichkeiten für das jeweilige Unternehmen passen. Bei der Umsetzung bietet der Freistaat mit dem Digitalbonus zudem finanzielle Hilfe an.

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