B4B Schwaben

Holen Sie sich B4BSCHWABEN.de auf Ihr Smartphone.
Klicken Sie auf das Symbol zum „Teilen” in der Toolbar von Safari. Finden Sie die Option „Zum Home-Bildschirm”. Mit einem Klick auf „Hinzufügen” ist die Installation abgeschlossen! Schon ist die Website als App auf Ihrem iOS-Gerät installiert.

B4B Schwaben
 / 
Themen  / 
NIS2-Deadline verpasst: Warum 60 Prozent der Unternehmen nicht compliant sind
Adam Adach, Cyber Security Consultant, Netz16 GmbH

NIS2-Deadline verpasst: Warum 60 Prozent der Unternehmen nicht compliant sind

Adam Adach ist Cyber Security Consultant bei der Netz16 GmbH. Foto: Netz16 GmbH
Adam Adach ist Cyber Security Consultant bei der Netz16 GmbH. Foto: Netz16 GmbH

Nach Ablauf der NIS2-Registrierungsfrist sind rund 60 % der betroffenen Unternehmen nicht compliant. Warum jetzt Umsetzung, Nachweise und Managementverantwortung entscheidend werden.

Der 6. März 2026 war keine weiche Zielmarke, sondern eine gesetzliche Deadline. Mit diesem Datum endete die Registrierungsfrist nach NIS2 beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Die Zahlen danach sind eindeutig, ca. 29.000 Unternehmen in Deutschland gelten als registrierungspflichtig. Tatsächlich registriert: etwa 11.500 Organisationen. Was bedeutet das? Sind nun die knapp 60 % der betroffenen Unternehmen nicht compliant? Ist das ein Randphänomen? Oder ist das ein struktureller Befund?

NIS2-Registrierung: Ein strukturelles Problem statt Einzelfall

Die Faktenlage zeigt ein klares Bild: Noch zwei Wochen vor Frist lag die Zahl der Registrierungen bei unter 5.000. Dann folgte ein deutlicher Anstieg – ein klassischer Endspurt. Doch selbst dieser hat nicht ausgereicht. Die Lücke ist zu groß, um sie mit Einzelfällen zu erklären. Sie zeigt vielmehr, wie in der Breite mit regulatorischen Anforderungen umgegangen wird: Zögern. Priorisieren. Reagieren.

Warum Unternehmen bei NIS2 zögern

Ein wesentlicher Faktor ist Unsicherheit. Die Einordnung, ob ein Unternehmen unter NIS2 fällt, ist für viele nicht trivial. Größe, Branche und Rolle in der Lieferkette spielen eine entscheidende Rolle. In der Praxis führt das jedoch nicht zu Klarheit – sondern zu Verzögerung.

Gleichzeitig wird die Komplexität häufig unterschätzt: Die Registrierung wirkt wie ein klarer, abschließender Schritt. Tatsächlich ist sie nur der Einstieg in ein deutlich umfangreicheres Pflichtenprogramm.

Nach der Frist: Fokus auf Umsetzung und Nachweisbarkeit

Mit Ablauf der Frist verschiebt sich die Perspektive. Es geht nicht mehr um Information, sondern um konkrete Umsetzung und belastbare Nachweise. Damit rückt ein Aspekt in den Fokus, der in vielen Organisationen bislang zu wenig Beachtung findet: die Verantwortung der Führungsebene.

NIS2 und die Rolle der Geschäftsleitung

NIS2 fordert ausdrücklich, dass Leitungsorgane in die Lage versetzt werden:

  • Cyberrisiken zu verstehen
  • Sicherheitsmaßnahmen zu bewerten
  • fundierte Entscheidungen zu treffen

Dazu gehört auch die verpflichtende Schulung der Geschäftsleitung. Cybersicherheit wird damit formal das, was sie längst sein sollte: eine klare Managementverantwortung.

Die eigentliche Lücke: Governance statt IT

Die aktuelle Situation zeigt kein primär technisches Defizit. Sie offenbart vielmehr eine Lücke in Steuerung und Verantwortung. Wenn bereits die Registrierung – als einfachster Schritt – nicht flächendeckend erfolgt ist, stellt sich eine zentrale Frage:

  • Wie belastbar sind Entscheidungen auf Führungsebene ohne ausreichendes Verständnis?
  • Wie wirksam sind Maßnahmen ohne klar verankerte Verantwortung?

Ohne eine befähigte und eingebundene Geschäftsleitung bleiben zentrale Elemente wirkungsschwach:

  • Risikomanagement bleibt operativ statt strategisch
  • Ein ISMS wird zum Projekt statt zum Führungsinstrument
  • Nachweise entstehen reaktiv statt systematisch

Mehr Transparenz, mehr Druck: Die neue Realität nach NIS2

Mit dem Fristablauf entsteht erstmals Transparenz: Es ist sichtbar, welche Unternehmen ihre Pflichten erfüllt haben und welche nicht.

Gleichzeitig steigt der Druck:

  • Aufsichtsbehörden können gezielter prüfen
  • Unternehmen stehen in einer klaren Nachweispflicht
  • Versäumnisse werden konkret bewertbar

Die Herausforderung liegt damit nicht in der Registrierung selbst, sondern im Aufbau tragfähiger Strukturen – im laufenden Betrieb und unter steigenden Anforderungen.

NIS2 erfolgreich umsetzen: 3 pragmatische Ansätze

1. Klarheit vor Perfektion

Nutzen Sie offizielle Online-Self-Checks der Verbände. In wenigen Minuten lässt sich klären, ob Ihr Unternehmen unter NIS2 fällt – und Unsicherheit wird reduziert.

2. Ressourcen bündeln

Niemand erwartet, dass Sie Ihre IT-Sicherheit über Nacht neu aufbauen. Setzen Sie auf branchenspezifische Standards oder externe Partner, die den Prozess modular unterstützen.

3. Risikomanagement strategisch denken

NIS2 ist kein Selbstzweck. Eine strukturierte Umsetzung wird zunehmend zum Wettbewerbsvorteil – etwa bei Versicherungen und in der Lieferkette.

Fazit: NIS2 als strategische Chance nutzen

Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in einzelnen Maßnahmen, sondern in der strategischen Verankerung von Cybersicherheit. Unternehmen, die jetzt handeln, schaffen nicht nur Compliance – sondern stärken langfristig ihre Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.

Was bremst Sie aktuell am meisten aus?

Ist es die unklare Rechtslage, der Fachkräftemangel oder die Priorisierung im Tagesgeschäft?

Sie haben Rückfragen zum Thema an Adam Adach oder wünschen eine persönliche Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

Artikel zum gleichen Thema