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Goldschmiedefamilie Bartel-Zwack von der „Alten Silberschmiede“

„Schmuck ist für Menschen!“

Gold, Silber, Diamanten – edle Rohstoffe haben in jüngster Zeit eine schier unglaubliche Renaissance erlebt. Es gibt nicht wenige, die sich solche Kostbarkeiten nicht nur in den Safe legen wollen, sondern nach einer veredelten Form suchen. Die Augsburger Goldschmiedefamilie Bartel-Zwack von der traditionsreichen „Alten Silberschmiede“ sieht derlei Wertanlage durchaus differenziert.

Grundsätzlich ja“, meint Patrick Bartel-Zwack, wenn man ihn auf die Tauglichkeit von Gold, Silber und Co. als Sachwertanlage anspricht. Ganz so nüchtern möchte er diese Aussage dann aber doch nicht im Raum stehen lassen: „Wenn man langfristig auch über Generationen hinweg denkt. Wer Schmuck zur kurzfristigen Sicherung des Vermögens mit der Hoffnung auf kurzfristige Rendite kauft, irrt natürlich.“

Nachhaltigkeit, Tradition: Die Silberschmiede selbst ist lebendiges Zeugnis für die Werthaltigkeit solchen Denkens. Seit 1977 bewahren die Bartel-Zwacks in der Pfladergasse den Geist bekannter Augsburger Goldschmiedefamilien wie der Bruglocher, Drentwett und Neuss. Im denkmalgeschützten Handwerkerhaus betreibt die Familie ein „Schmuckhaus für Gold, Silber und Platin“. Was dort an Kunstwerken entsteht, erhebt durchaus den Anspruch, über Tag und Jahr hinaus seinem Besitzer – und erst recht seiner Besitzerin – Freude zu machen. Form und Material vereinigen sich dabei zum doppelten Gut, weshalb Patrick Bartel-Zwack in Sachen Wertanlage denn auch einräumt: „Wer zum einen die persönliche Freude am Schmuck und den gestalterischen Wert als Nutzen erkennt, kann diesem langfristigen Gedanken folgen. Denn der Wunsch nach Schmuck definiert sich zwar in seiner Gestaltung von Generation zu Generation neu, die gewünschten Materialien wie Gold und Diamanten sind jedoch meist die gleichen.“

Schmuckstück mit Mehrwert

Reines Renditedenken weist der Goldschmied von der Hand. Die Hoffnung, durch Einschmelzen alle Einstandskosten zum Beispiel von vor 20 Jahren wieder zu bekommen, könne nicht funktionieren, meint er. „Einen schönen Oldtimer fährt man ja auch nicht zum Schrotthändler und wundert sich, dass der Preis nicht dem Wunsch entspricht.“ Je mehr Mühe man sich mit dem Verkauf mache, desto besser werde der zu erzielende Preis sein. Am meisten Sinn mache es jedoch, solche Werte in der Familie zu halten und weiterzuentwickeln. Was er derzeit am Markt beobachtet und als „ungeduldige Phase“ bezeichnet, rührt aus dem hastigen Umgang vor allem mit Erbschaften her. So sieht er Ware aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren zahlreich auf dem Markt, die zum Teil um fast jeden Preis verkauft werde. „Viele entledigen sich um des Aufräumen willens großer Werte, weil die Vorstel-lung nicht ausreicht, um sich eventuell selbst einmal ein modernes Schmuckstück gestalten zu lassen mit genau den weggegebenen Zutaten Gold, Silber und Edelsteinen aus der Erbschaft.“

Der Mehrwert eines Schmuckstücks, so Bartel-Zwack, entsteht durch die künstlerische Leistung. Für ihn hat seine Kreativität, sein Können deshalb vor allem mit jenen zu tun, die seine Arbeiten tragen. „Schmuck ist für Menschen!“ Fast ruft er es hinaus. „Das ist das A und O meiner künstlerischen Philosophie“. Er will den Kunden und Träger der Schmuckstücke, die in der Silberschmiede entstehen, beim Gestalten und Schaffen der Pretiosen mit einbeziehen. Und das nicht nur im exklusiven High-End-Bereich, sondern durchgängig durch das ganze Sortiment.

Das ist alles andere als selbstverständlich. Der Markt teilt sich heute auf. Dort die industriell geplanten großen Marken, hier der individuell gefertigte Schmuck. Bei den Marken, meist im Trendbereich preiswert wie exklusiv, wird dem Kunden durch entsprechendes Marketing die Kaufentscheidung bestätigt. Das Markenstatement ist dabei oft wichtiger als individueller künstlerischer Wert. „Durch die knallharten Kalkulationen im Markenschmuckbereich und steigende Rohstoffkosten ist kein Platz mehr in der Wertschöpfungskette für den Faktor faires und gutes Handwerk“, analysiert der Goldschmied und warnt: „So wird der Kunde gar nicht zur künstlerisch wertvollen Individualität geführt, sondern durch starke Marken im massentauglichen Bereich gehalten.“

Individueller Schmuck

Bei den Kollektionen seines Hauses ist das genau umgekehrt. Wichtiger noch: „Wir hören unseren Kunden zu, wenn sie ihre Wünsche äußern.“ Das bedeute nicht, dass die Kunden selbst wissen müssten, was sie wollen. Ihnen werde nur die Freiheit eingeräumt, fast das ganze Sortiment nach ihren Wünschen selbst zu gestalten. „Wir haben Der winterliche Innenhof verzaubert seine Besucher in der Vorweihnachtszeit. speziell für diesen Anspruch unsere neue Schmuckkollektion ,collection i‘ entwickelt“, berichtet Bartel-Zwack. „Das ,i‘ steht für individuell, innovativ, ich – Schmuck von mir für mich.“ In einer Art Baukastensystem könne hier auch ohne große Vorstellungskraft Schmuck selbst gestaltet werden. Vom Design über das Material bis zu den verwendeten Edelsteinen entspringen die Grundlagen der Kunst dem Wunsch dessen, der sie sich zu eigen machen will.

Der Künstler sieht darin keine Eingrenzung seiner Kreativität. Im Gegenteil, er fühlt sich durch die Unmittelbarkeit zum Kundenwunsch inspiriert: „Durch die einzigartige Freiheit in der Entscheidung von Design und Materialien können wir exakt auf den Kundenwunsch in Bezug auf Preis und Styling eingehen.“ Damit sei die Legende widerlegt, dass künstlerischer Wert und Individualität nur im Hochpreissegment möglich sind. „collection i“ soll nicht zuletzt all denen, die alten Schmuck geerbt haben, Alternativen zeigen. Sie sollen sich trauen, die wertvollen Zutaten Stück für Stück weiterzuverarbeiten und daraus zeitgemäßen Schmuck arbeiten zu lassen. Bartel-Zwack: „Ist es nicht einfach schön, wenn aus dem Trauring vom Uropa ein Taufkreuzchen für die Enkelin wird? Wie viel künstlerischer und emotionaler Mehrwert in einem solchen Schmuckstück steckt, kann jeder selbst abschätzen.“