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Die Grenzen zwischen innen und außen lösen sich immer mehr auf. Transparenz, Offenheit und großzügig geschnittene Lebensbereiche kennzeichnen diese Entwicklung. Es entsteht ein Mehr an Raum und Luft. In fließendem Übergang wird die Terrasse zum zweiten Wohn- und Esszimmer – und das nicht nur an heißen Sommertagen. Petra Herzner vom Ideenhaus „Samt & Seide“ in Neusäß fasst die aktuelle Entwicklung in einem Satz zusammen: „Trend für das Gartenleben 2011 ist auf jeden Fall ein Hang zum Schlichten, zum Klaren. Weniger Grün, mehr gestalteter, parkähnlicher Gartenraum. Dazu eine große Terrasse, auf die sich der Wohnraum nach außen erweitert.“ Und Thomas Eberle von der Eberle Gartenund Poolbau GmbH in Gersthofen spricht vom „Homing“: „Die Menschen investieren heute mehr in den Außenbereich. Sie wollen dort wohnen und leben. Sie genießen es, an warmen Sommertagen im eigenen Pool ein paar Runden zu schwimmen und sich zu erholen. Das ist wie im Wellnesshotel, nur zu Hause und damit ganz ohne Reisestress. Wenn es regnet, können sie es sich unter einem überdachten Freisitz gemütlich machen und entspannt den Regentropfen zusehen. Durch die Überdachung gibt es kein lästiges Kissen rein- und raustragen mehr.
Das ist echter Wohnkomfort.“ Freiluftdächer tragen dazu bei, die frische Luft und die wärmenden Sonnenstrahlen des „Open-Air-Wohnzimmers“ bis in den Herbst hinein genießen zu können. Die Vielfalt mit Falt- und Schiebewänden gibt individuellen Gestaltungsideen jede Menge Raum. Das weiß auch Martina Jochum, Assistentin der Geschäftsführung der Jochum Holzwerke in Zusmarshausen: „Die Kunden verlangen vermehrt Terrassenüberdachungen mit Schiebe- und Faltelementen zum Verschließen. So haben sie einen Kaltwintergarten, der zu jeder Jahreszeit flexibel nutzbar ist.“
Wohlfühl-Ambiente dank neuer Technologien
Beim Sichtschutz ist Mix aus Materialien wie Holz, Stein und Glas gewünscht. Zudem sind heimische Hölzer wie Lärche gefragt. „Das Terrassenholz soll pflegeleicht sein. Beliebt ist ein splitterfreies Holz-Kunststoffgemisch, das zu drei Viertel aus Holz und ein Viertel Kunststoff besteht. Das Material ermöglicht ein sorgenfreies Barfußlaufen auf der Terrasse“, erzählt Martina Jochum. Neben Markisen erweitern Naturliebhaber ihren Lebensbereich nach außen mit Heizstrahlern und sind damit wetterunabhängig.
Für kühle Nächte gibt es innovative Extras wie einen Tisch mit Heizung im Standbein. Wetterfeste Produkte sind quer durch alle Angebotssegmente absoluter Trend. Die Outdoorbranche lebt von Innovationen und hat erfolgreiche Zukunftsaussichten. Denn ob Privatleute oder Restaurantbesitzer – sie alle setzen verstärkt auf eine erholsame Auszeit unter freiem Himmel. „Die Terrassen werden immer größer und die Gärten kleiner. Dadurch haben die Menschen weniger Gartenarbeit und nutzen die Fläche stattdessen als Lounge. Häufig besitzen sie mehrere Garnituren an Sitz- oder Liegegarnituren“, erläutert Stefan Herdelt, der ein Fachgeschäft für Strandkörbe und Gartenmöbel in Gersthofen besitzt. Petra Herzner von „Samt & Seide“ sieht das ähnlich und betont die ganzheitliche Betrachtung des Lebensraums Garten: „Echter Wohnkomfort im Garten ist für mich, dass man sich an allen Stellen, aus allen Perspektiven betrachtet wohl und zu Hause fühlt.“
Der Trend geht zum Wohnzimmer im Grünen
Einrichtungsgegenstände, die bislang nur für Wohnräume üblich waren, werden heute als robustes Gartenmobiliar angeboten. Die individuelle Vielfalt erobert den Außenbereich. Dieser wird immer hochwertiger und damit langlebiger ausgestattet.
Grund dafür ist die Sehnsucht der Menschen nach Sonne und Rückzugsmöglichkeiten in der Natur. „Wir sind im Premiumsegment tätig. Die Bereitschaft, für Qualität tiefer in die Tasche zu greifen, nimmt zu. Für unsere Kunden ist es wichtig, dass neben Design, Optik und Verarbeitung auch die Werte und Nachhaltigkeit der Produkte stimmen“, so Rainer Halbich, Geschäftsführer des Augsburger Einrichtungshauses Bittner³.
Bei Gartenmöbeln gibt es gleich mehrere Neuheiten: In diesem Jahr sind – wie bei der Inneneinrichtung – Möbel mit Gebrauchsspuren und Unebenheiten angesagt. Kubische Gartenmöbel aus Kunststoffgeflecht bringen Komfort und Eleganz auf die Terrasse. „Das Gartenmobiliar soll heute witterungsbeständig und pflegeleicht sein. Die Menschen wollen die Möbel nicht lange ölen oder streichen. Statt Rattanmöbel kaufen die Kunden Kunststoffgeflechte, die nicht nur täuschend echt aussehen, sondern auch Frost- und UVbeständig sind“, erklärt Stefan Herdelt. In seinem Fachgeschäft bietet er eine riesige Auswahl an Strandkörben an. „Strandkörbe sind ideal für den Garten, weil sie an Funktionalität kaum zu überbieten sind“, sagt Stefan Herdelt.
Edle Akzente setzen
Im Kommen sind auch zwei- und dreifarbige Geflechtmöbel sowie schimmernde Metalltöne. Farblich führt 2011 kein Weg an Weiß vorbei. Daneben gibt es eine große Vielfalt an Beige- und Brauntönen. Neu sind Möbel mit Auflagen aus der Gurtweberei. Der Gurt-Look wird häufig auf einem Aluminiumrahmen als Sitzfläche und als Rückenlehne straff geflochten. Eine breite Bespannung ermöglicht ein bequemes Sitzen. Die Gurte sind witterungsbeständig. Überhaupt besitzen viele der neuen Möbel ein Gewebe, das wasserabweisend und schimmelresistent ist. „Sofagarnituren, Matratzen oder Teppiche bestehen heute aus speziellen Hightechmaterialien. Wenn es regnet, läuft das Wasser sofort ab und 30 Minuten später ist die Sitzgarnitur bereits wieder trocken“, versichert Rainer Halbich. Auch das Zubehör ist heute witterungsbeständig. Darunter edle Wasserbehälter, farbenfrohe Textilauflagen oder Kunststofftöpfe mit LED-Beleuchtung. Akzente setzen auch Kissen, Kerzen und Leuchten. All diese Accessoires tragen zum Wohlfühlambiente auf Balkon, Terrasse und im Garten bei.
Behaglich wie am Kaminfeuer
Immer mehr Designer spielen mit einem Mix aus verschiedenen Materialien. Hier dominiert die Kombination aus Edelstahl, Holz und Textilien. Diesen Dreifach-Mix gibt es vor allem bei Liegen und Stühlen. Ergänzt wird die Kombination mit einem Glastisch. Gefragt sind auch Stapel- und Klappsessel sowie stapelbare Liegen mit verstellbaren Rücken- und Fußteilen. Daneben setzen Hersteller wieder auf traditionelle Stücke, denen sie eine moderne Optik verpassen.
Dazu gehört zum Beispiel eine Biergarten-Garnitur in modernem Lounge-Design. Der Ansturm auf große Sofalandschaften bleibt ungebrochen. Diese sind meistens modular aufgebaut, sodass sie sich flexibel – je nach Situation – den Bedürfnissen anpassen können. Dank Hightechmaterialien eignen sich die Polster für den ganzjährigen Einsatz im Freien. „Unsere Wohngärten werden immer beliebter. Die Kunden wünschen sich einen gemütlichen Lounge- Bereich, der beispielsweise so ausgerichtet ist, dass Sonnenanbeter abends im Garten die letzten Strahlen genießen können“, betont Thomas Eberle.
Auch die richtige Beleuchtung macht den Garten zum Wohnzimmer. Terrassen und Wege, Sträucher und Steine sollen dezent ins rechte Licht gerückt werden. Moderne Beleuchtungstechnik verbreitet eine behagliche Atmosphäre und ist energiesparend. Stimmungsvoll werden die Abende mit flackerndem Feuerschein, der über die Gesichter tanzt. Elegant für den Einsatz im Freien sind Glaskamine oder Feuergläser, deren faszinierendes Flammenspiel dem eines Holzfeuers ähnelt. Der Sommer kann kommen und mit ihm die langen Stunden im Garten oder auf dem Balkon. Dort wird es von nun an bis in den späten Herbst hinein genauso gemütlich sein wie drinnen.