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Allein schon die Antwort auf die Frage: „Was mogsch zum Friaschdigg?“ ist in ihrer Singularität nur noch vom Zauber einer Primzahl zu überbie- ten: „Oy Oy!“ Nur durch sich selbst und durch Oyns teilbar. Wunderbar. Sehen wir uns die Worte an, in denen das Oy eine tragende Rolle spielt, so erkennen wir, dass es sich um Schlüsselbegri!e unserer Mundart handelt. Wie arm wären wir dran, könnten wir nicht über die mannigfaltigen Varianten von „Moynsch?“ unseren Gefühlen Ausdruck verleihen.
Vom Zweckpessimismus bis zur ernsthaften Entrüstung erstreckt sich hier die Bandbreite und findet ihren Ausdruck insbesondere in der Dehnungsdauer des Oy. Im Status größter Skepsis erstreckt sich der Vokal über den etwa gleichen Zeitraum wie das nachlaufende „n“. In tiefster Unsicherheit des Fragenden dagegen kann das Oy schon mal so weit und tief ausfallen wie der Bodensee. Ganz genauso verhält es sich mit seinem Pen- dant, dem „Woysch!“. Vollmundig, kräftig und be- tont verfügt es über einen deutlich au!ordernden Charakter: „Schließ dich jetzt besser meiner Mei- nung an, denn das Wissen ist auf meiner Seite.“ Das abschätzig, dahingebellte, im spitzen Zisch- laut mündende „Woysch“ dagegen lässt den Angeredeten darüber sinnieren, ob er vielleicht lieber erst gar nicht wüsste … Und dann gibt es da noch das tief aus der Seele aufkeimende „Woysch“ mit vorgeschobener Unterlippe und Circumflex, das Raum gibt für Nachdenklichkeit, Forscherdrang und Grundsatzzweifel. Nur eine andere Hoch- kultur kannte Ähnliches: die Griechen mit dem „iota subscriptum“.
Das stand bei Bedarf unter dem Omega, dem Ende, dem Abschluss, wie uns die Bibel lehrt. Während die „1“ in verschiedenen Klangfar- ben auftritt, ist die „2“ im ganzen Sprachraum eine „Zwoy“. Das ist auch besser so, weil dann „oyner“ nie „alloy“ ist. Das ist gottgewollt. Kurzum: Eine Fu- ge von Bach kann keine solchen Tongebäude und Gedankenwelten scha!en wie das Oy im Munde eines Schwaben, gar eines Allgäuers. Es ist sozu- sagen der Kitt der heimatlichen Kultur. Das ver- bindende Element in der zwischenmenschlichen Chemie. Das unsichtbare Nummernschild dieses Volkes. Koyner. Dahoym. Hoy?