Glosse

Glosse

WOW!-Chefredakteur Ulrich Pfaffenberger über die Vorzüge seiner Muttersprache und hebt besonders schöne, schwäbische Worte hervor.

Was ich an meiner Muttersprache so schätze, das ist ihre rebellische Sanftheit. Die äußert sich am spürbarsten dann, wenn wir einen anderen schelten. Wo weiter nördlich oder östlich angesiedelte Volksstämme mit barschen Lauten und gebellten Konsonanten ihr Missfallen ausdrücken, schleicht das schwäbische Schimpfen und Tadeln auf Samtpfoten daher.

Nehmen wir einmal den „Gloifi“. Da hat sich einer begriffsstutzig verhalten, tollpatschig sein Werk unverrichtet, sich einer unangebrachten Wortwahl bedient. Drei Silben – denn das vorangestellte „Du“ ist unverzichtbar – und die Dinge sind klargestellt. Dass der Begriff von den Agilofingern abgeleitet ist, dem grobschlächtigen ersten bayerischen Herrschergeschlecht, berührt uns dabei nur am Rande. Wir wissen, was und wer gemeint ist.

Nuancen milder in den Senkel gestellt darf sich fühlen, wem das Attribut „Soifasiadr“ zuteil wird. Während der so Bezeichnete selbst davon ausgeht, dass er lediglich mit gebührender Sorgfalt und Bedachtsamkeit zu Werke geht, empfinden ihn seine Opfer als über Gebühr beschränkt sowie die Zeitspanne zwischen Beginn und Abschluss
seiner Dienstleistung als übertrieben ausgedehnt. Zumal sie meist selbst zum untätigen Zuschauen verurteilt sind, möchten sie dem Gemächlichen sein Zeug am liebsten aus der Hand reißen. „Na ka ich’s ja glei selbr macha.“ Immerhin hat er es geschafft, von Schiller in „Wallensteins Lager“ verewigt zu werden.

Ein Sonderfall ist der „Hirabecker“. Ein Kopfmensch durch und durch ist er nicht gefeit gegen die Irrungen und Wirrungen des Alltags. Begeistert und von Überzeugung getrieben kommt er mit seinen Einfällen und Versuchsanordnung überallhin, allen in die Quere und nie zum Ziel. Anders als der „Soifasiadr“ legt er gelegentlich doch Tempo an den Tag, das jedoch in den seltensten Fällen zielführend ist. Kommt halt davon, wenn einer seine Semmeln nur im Hirn bäckt und nicht im Ofen. Anders als der „Gloifi“ tritt er wenigstens keinem zu nahe. Er nervt nur.

Bleibt der vermeintlich Harmloseste von allen, der „Drialar“. So langsam wie die Spucke aus dem Butzele seim Mund, so zögerlich und weltvergessen läuft er durchs Leben. So lange er läuft, stört er auch keinen. Erst wenn er zum automobilen Hindernis wird, fällt er auf. Dann aber so unangenehm, dass selbst Schwaben harsche Worte finden …

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WOW!-Chefredakteur Ulrich Pfaffenberger über die Vorzüge seiner Muttersprache und hebt besonders schöne, schwäbische Worte hervor.

Was ich an meiner Muttersprache so schätze, das ist ihre rebellische Sanftheit. Die äußert sich am spürbarsten dann, wenn wir einen anderen schelten. Wo weiter nördlich oder östlich angesiedelte Volksstämme mit barschen Lauten und gebellten Konsonanten ihr Missfallen ausdrücken, schleicht das schwäbische Schimpfen und Tadeln auf Samtpfoten daher.

Nehmen wir einmal den „Gloifi“. Da hat sich einer begriffsstutzig verhalten, tollpatschig sein Werk unverrichtet, sich einer unangebrachten Wortwahl bedient. Drei Silben – denn das vorangestellte „Du“ ist unverzichtbar – und die Dinge sind klargestellt. Dass der Begriff von den Agilofingern abgeleitet ist, dem grobschlächtigen ersten bayerischen Herrschergeschlecht, berührt uns dabei nur am Rande. Wir wissen, was und wer gemeint ist.

Nuancen milder in den Senkel gestellt darf sich fühlen, wem das Attribut „Soifasiadr“ zuteil wird. Während der so Bezeichnete selbst davon ausgeht, dass er lediglich mit gebührender Sorgfalt und Bedachtsamkeit zu Werke geht, empfinden ihn seine Opfer als über Gebühr beschränkt sowie die Zeitspanne zwischen Beginn und Abschluss
seiner Dienstleistung als übertrieben ausgedehnt. Zumal sie meist selbst zum untätigen Zuschauen verurteilt sind, möchten sie dem Gemächlichen sein Zeug am liebsten aus der Hand reißen. „Na ka ich’s ja glei selbr macha.“ Immerhin hat er es geschafft, von Schiller in „Wallensteins Lager“ verewigt zu werden.

Ein Sonderfall ist der „Hirabecker“. Ein Kopfmensch durch und durch ist er nicht gefeit gegen die Irrungen und Wirrungen des Alltags. Begeistert und von Überzeugung getrieben kommt er mit seinen Einfällen und Versuchsanordnung überallhin, allen in die Quere und nie zum Ziel. Anders als der „Soifasiadr“ legt er gelegentlich doch Tempo an den Tag, das jedoch in den seltensten Fällen zielführend ist. Kommt halt davon, wenn einer seine Semmeln nur im Hirn bäckt und nicht im Ofen. Anders als der „Gloifi“ tritt er wenigstens keinem zu nahe. Er nervt nur.

Bleibt der vermeintlich Harmloseste von allen, der „Drialar“. So langsam wie die Spucke aus dem Butzele seim Mund, so zögerlich und weltvergessen läuft er durchs Leben. So lange er läuft, stört er auch keinen. Erst wenn er zum automobilen Hindernis wird, fällt er auf. Dann aber so unangenehm, dass selbst Schwaben harsche Worte finden …

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