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Die einen, vertraut im Umgang mit fremdem Geld, hielten der Politik die Steigbügel. Die anderen, vertraut mit der Fürsorge fürs eigene Vermögen, stellten die aktuelle Politik infrage. Eine zugespitzte Analyse? Vielleicht. Aber auf jeden Fall ein Hinweis darauf, dass in kritischen Situationen auf Familienbetriebe Verlass ist. Sie verstecken sich nicht hinter anonymen Marken. Sie haben einen eigenen Namen.
Immer einen Schritt voraus sein
Alles begann mit einer Schlosserei, in der Laternen geschmiedet wurden. Damals hätte Gründer Johann Rußwurm wohl kaum gedacht, dass sein Unternehmen über 40 Jahre später so erfolgreich sein würde. Denn aus einem Blechverarbeiter, der als Zulieferer für eine Vielfalt von Branchen tätig war – auch für Hersteller von Ventilatoren – wurde im Lauf der Zeit ein Systemhersteller. Mitten in Meitingen ist „Ruwu Ventilatoren“ nunme hr zu einem international gefragten Unternehmen gewachsen.
Mehr als 40 Prozent des gesamten Umsatzes der Ventilatoren werden in die ganze Welt exportiert. Ob Istanbul, Wien, Secunderabad (Indien) oder Wuhan (China) – wo in der Wirtschaft ordentlich Wind gemacht werden soll, ist die nächste Rußwurm-Niederlassung nicht weit. Ob es sich dabei um einen kleinen tragbaren Ventilator oder einen speziell gefertigten Großventilator handelt – das nötige Gebläse wird direkt in Meitingen entwickelt. Heute führt Hans Rußwurm das Unternehmen in der dritten Generation. Ins Schwitzen gerät er dabei dank seiner Ventilatoren nicht. Denn das Geschäft rund um den Globus brummt und fordert das Familien unternehmen in all seinen Bestandteilen. Ob Mälzereien, Kläranlagen, Feuerwehren und Flughäfen – im industriellen Bereich sind Rußwurm- Produkte gefragt. Selbst der FC Red Bull Salzburg hat sich einen speziell entwickelten, mobilen, elektrisch betriebenen Hochleistungsventilator bestellt. Ein klassischer Hidden Champion, ein klassischer Familienbetrieb, ein klassischer Mittelständler aus Baye risch-Schwaben. Sein Leitsatz: „Unser Ziel ist es, durch Innovationen und Technologiekompetenz immer einen Schritt voraus zu sein, um für jeden Anwendungsfall die beste Lösung zur Verfügung stellen zu können.“
Einst warb eine Kreditkartenfirma für sich mit dem Slogan „Bezahlen Sie mit Ihrem guten Namen“. Für Firmen wie Rußwurm heißt es, wie der Blick auf die Marktposition zeigt, in einer Abwandlung: „Ein guter Name macht sich bezahlt.“ Und es kommt nicht von ungefähr, dass dies besonders für jene Unternehmen zutrifft, bei denen der Chef den gleichen Namen hat wie die Firma. Weshalb man auf der Suche nach Beispielen natürlich nicht nur in Meitingen fündig wird.
Ein Vater lebt den Unternehmer vor
Es sind nur wenige Kilometer von Meitingen bis Hamlar. Dort hat die Grenzebach Gruppe gerade ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Rudolf Grenzebach, der aus dem kleinen Landmaschinenbetrieb seines Vaters Josef ein international agierendes Hightechunternehmen geformt hat, das Automatisierungslösungen und ganze Fertigungslinien liefert, entschied sich einst gegen den Wunsch, Förster zu werden, und für die Übernahme des Familienbetriebs. „Eine meiner wichtigsten Entscheidungen“, wie er heute rückblickend sagt. Der 81-Jährige hat eine dezidierte Meinung über den Charakter von Familienunternehmen und ihre Führung: „Familie bedeutet ja eine enge Verbindung zwischen Menschen, die alle in Bewegung sind und sich gegenseitig beeinflussen, sich entwickeln“, sagt er. „Als Vater kann ich nur weitergeben, was ich auch vorlebe. Ich war immer Unternehmer mit ganzer Kraft. Doch wer als Unternehmer sagt, er habe die Firma für seine Kinder aufgebaut, dem glaube ich nicht wirklich. Ich sage ganz klar, dass ich es für mich selber getan habe, es hat mir einfach Freude gemacht. Erfolg macht Spaß, und in erster Linie macht man, was einem liegt. Wenn dann die nächste Generation auch Freude daran hat, ist das schön. Aber jeder sollte für sich entscheiden dürfen, welchen Weg er geht.“ Grenzebach ist erkennbar stolz darauf, dass seine Familie eng zum Unternehmen steht. Dass sie die Werte, die von vielen gemeinsam geschaffen wurden, weiterträgt.
Zumal der technische Hintergrund, den ein Hightechtunternehmen hat, gerade in der operativen Führung eine gewaltige Herausforderung darstellt. Weshalb man in Hamlar einen offenen Weg eingeschlagen hat, zu dem nicht jeder Familienbetrieb die Kraft findet: „Meine Frau und ich sind uns mit unseren Töchtern einig, dass in dieser Generation ein externer Geschäftsführer die beste Lösung für die Weiterentwicklung des Unternehmens ist.“ Bernd Minning sei ein Glücksfall und so macht ihm der Mann, der 39 Jahre lang seine Firma geführt hat und sie seit zwölf Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender führt, das Kompliment schlechthin. Er sei „ein visionärer Unternehmer im besten Sinne, vor allem mit viel Gespür für Menschen und Märkte“. Sprich: Er gehört zur Familie.
Nachhaltigkeit ist selbstverständlich Die Fähigkeit, immer wieder frisches Blut und frische Gedanken zu integrieren, wirkt sich nachhaltig auf die Lebensdauer von Familienbetrieben aus. Wie überhaupt Nachhaltigkeit schon lange, bevor sie zur unternehmensstrategischen Wunderwaffe deklariert wurde, eine gelebte Selbstverständlichkeit in familiengeführten Unternehmen war – angefangen bei den Landwirten, weiter bei den Handwerkern un d frühen Dienstleistern, mündend in die Industrie. Mit dem Gründungsjahr 1447 ist die Privatbrauerei Zötler in Rettenberg im Allgäu heute das älteste ununterbrochen bestehende Familienunternehmen Deutschlands und weltweit die Nummer zehn. Wer in die Geschichte der Brauerei hineinschaut, wird feststellen, dass sie sich vom ersten Tage an durch eines ganz besonders ausgezeichnet hat: „Immer war die Brauerei ein privat geführtes Familienunternehmen, hinter dem Menschen mit ihrem guten Ruf und ihrem guten Namen standen“, wie der „Bräu“ Herbert Zötler betont, der in der 20. Generation die Verantwortung für Betrieb und Haus innehat. „Man muss sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass die Brauerei Zötler seit 1447, also seit 564 Jahren, immer in Familienbesitz war und ist. Allein daran kann man ermessen, welch immense Bedeutung die Großfamilie Zötler heute sowohl im Innenbereich für die Mit arbeiter wie auch im Außenbereich für die vielen Kunden hat. Hier gilt noch ein Handschlag, hier hat ein Wort wie Vertrauen noch seine ursprüngliche Bedeutung.“ Und wenn man die Geschichte der einzelnen Bräu-Generationen nachlese, so macht Zötler aufmerksam, „dann fällt auf, dass die Bräu-Familien immer auch Verantwortung für den Ort Rettenberg und seine Bürger, aber auch für die umliegende Region übernommen haben. Davon zeugen die zahlreichen Ämter und Funktionen, die den jeweiligen Inhabern übertragen worden sind.“ Auch dass die Bräus und ihre Familien immer mit beiden Beinen auf dem Boden standen und ihr Handwerk zur besten Zufriedenheit der Gäste und Kunden ausgeübt haben, sei festzustellen. Ebenso wie die Tatsache, dass es oft die Frauen bzw. Witwen waren, die mit viel Geschick und Gespür für das Machbare – aber auch mit viel Weitblick – den Gasthof mit Brauerei und Landwirtschaft nach dem Tod ihrer Männer so lange fortführten, bis eines der Kinder erfahren genug war, um die Geschäfte weiterzuführen. Und nach dem Erfolgsrezept braucht er ebenfalls nicht lange zu suchen, dass es nämlich „vor allem drei Prädikate gab und gibt, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der 20 Bräu-Generationen in ihrem Verhalten gegenüber Kunden und Mitarbeiter ziehen: Aufmerksamkeit schenken, Wertschätzung entgegenbringen und Freundschaften pflegen.“
Auf dem Weg in die weite Welt
Gleich in der Nachbarschaft, in Kempten, kann man erleben, wie genau diese Werte taugen, um einen Weltkonzern zu führen. Und wie der typisch-untypische Lebenslauf eines Nachfolgers aussieht, der die traditionellen Werte der Familie in eine moderne, sich ständig ändernde Welt transformieren muss. Bernhard Simon, Jahrgang 1960, ist seit 1. Januar 2005 Sprecher der Geschäftsführung von Dachser. Als Enkel des Firmengründers Thomas Dachser rückte damit ein Vertreter der dritten Generation an die Unternehmensspitze. Nach dem Abitur in Kempten und einer Ausbildung zum Speditionskaufmann in der Dachser-Niederlassung in Kaufbeuren studierte Simon Betriebswirtschaft. Das Examen des Diplom- Kaufmanns gehörte zu den drei besten seines Jahrgangs. Schon damals war es sein Ziel, in die Geschäftsführung des familieneigenen Unternehmens einzusteigen. Daher absolvierte er 1996 auch noch ein Senior Executive Programm in Harvard/USA. Simons Lebenslauf ist geprägt von der Freiheit und Sicherheit, die eine Familie gewährt, aber auch von der unternehmerischen und gesellschaftlichen Verantwortungsbereitschaft, deren ein glaubwürdiger Vertreter der sozialen Marktwirtschaft bedarf. Während des Studiums engagierte sich Bernhard Simon zudem in der Entwicklungspolitik. Unter anderem war er ehrenamtlich für die gemeinnützige weltweite Hilfsorganisation „terre des hommes“ tätig. 1988 ging er für ein Jahr nach Brasilien, um dort für ein Entwicklungshilfeprojekt zu arbeiten. 1989 folgte ein Trainee-Aufenthalt beim französischen Logistikdienstleister Mory. Noch im selben Jahr trat er bei Dachser in Köln als Projektleiter für europäische Verkehre ein. Das Thema „Europäisierung des Unternehmens“ zieht sich seither durch seine verschiedenen Tätigkeitsfelder bei Dachser. 1993 wurde Bernhard Simon in die Konzernzentrale als Bereichsleiter für europäische Speditionsorganisation berufen. Er sollte von dort die bislang national geprägten Einheiten der Firma in eine einheitliche europäische Organisation überführen und dabei eine kulturelle Wende einleiten. So wurden unter Simons Leitung in einem wegweisenden Reengineering- Projekt die europäischen ablauforganisatorischen Prozesse neu gestaltet und die Produktivität um 30 Prozent erhöht. 1995, nun als Bereichsleiter Unternehmensentwicklung, entwickelte er die Internationalisierungsstrategie von Dachser mit. Dieses „Mobile“ (Mobilisierung für Europa) genannte Projekt ist bis heute Grundlage des Geschäftsmodells. Seit 1996 zeichnet er für die europäische Verkaufsorganisation von Dachser verantwortlich – zunächst als Bereichsleiter, seit 1999 als Mitglied der Geschäftsführung. Simon bleibt auch als Sprecher der Geschäftsführung weiterhin für den Vertrieb des Unternehmens zuständig. In seine Zeit als Verkaufschef fallen die weit über Branchendurchschnitt liegenden jährlichen organischen Umsatzsteigerungen von knapp zehn Prozent. Eine zentrale Aufgabe, die Simon seit 2001 mitgestaltet hat, war die Entwicklung einer modernen Governance-Struktur, die Bernhard Simon zusammen mit dem Verwaltungsrat, den Gesellschaftern und den Geschäftsführungskollegen vorangetrieben hat. Im November 2008 verlieh die Intes-Akademie für Familienunternehmen zusammen mit der Zeitschrift Impulse Bernhard Simon den Preis „Familienunternehmer des Jahres“. „Bernhard Simon ist eine der herausragendsten Unternehmerpersönlichkeiten der jüngeren Generation“, lobt Intes-Chef Professor Peter May. „Er hat das Familienunternehmen Dachser in den vergangenen Jahren sowohl unternehmens- als auch familienstrategisch ein großes Stück vorangebracht. Mit der ihm eigenen Bescheidenheit verkörpert Simon Familienunternehmertum von seiner besten Seite.