
Holen Sie sich B4BSCHWABEN.de auf Ihr Smartphone.
Klicken Sie auf das Symbol zum „Teilen” in der Toolbar von Safari. Finden Sie die Option „Zum Home-Bildschirm”. Mit einem Klick auf „Hinzufügen” ist die Installation abgeschlossen! Schon ist die Website als App auf Ihrem iOS-Gerät installiert.
Ist dies der viel beschworene Fachkräftemangel? Ja und nein.
Die Beurteilung der Situation erfordert die Analyse unterschiedlicher Faktoren. Der erste Faktor besteht in der zunehmenden Komplexität der Arbeitsaufgaben. Daraus resultieren höhere Anforderungen an die Fachqualifikationen der Mitarbeiter. Auch deshalb wollen zwei Drittel der Unternehmen mehr Hochschulabgänger einstellen. Gleichzeitig wächst der Mangel an jugendlichen Bewerbern, die den Anforderungen einer Ausbildung in den IT-Berufen gewachsen scheinen. Faktor drei: Die IT-Branche wird älter. So sind zum Beispiel mehr als die Hälfte der Mainframe-Experten über 50 Jahre alt. Weiterhin müssen die fachlichen Bedarfe betrachtet werden. Es besteht keine Gleichverteilung der fachlichen Engpässe: Vorrangig werden erfahrene SAP-Experten sowie Softwareentwickler für Web- Anwendungen gesucht. Die Herausforderung für die Beschäftigten besteht neben der technischen Entwicklung im permanenten Wandel der Organisationen. Die Veränderung der Geschäftsmodelle und -prozesse fordert die Flexibilität und Lernfähigkeit der Beschäftigten enorm.
Den qualitativ und quantitativ erhöhten Bedarfen der Unternehmen steht ein verändertes Potenzial an Fachkräften gegenüber. Die Zahl der Autodidakten sinkt kontinuierlich ab. Die Zahl der IT-Ausbildungsverträge ist fast konstant. Glücklicherweise hat die Anzahl der Studienanfänger in Informatik leicht zugenommen (2,9 Prozent in 2010). Leider ist die Abbruchsquote im Studium mit fast 50 Prozent unverändert hoch. Die Zusammenfassung der Fakten ergibt einen zukünftigen Fachkräftebedarf, der ohne Veränderungen kaum zu decken ist. Der Wettbewerb um Mitarbeiter und neue Fachkräfte wird zunehmen. Zumindest für einzelne Unternehmen wird der Fachkräftemangel Realität.
Grundsätzlich ergeben sich mehrere konkrete Handlungsfelder für Unternehmen
Für die meisten Unternehmen sind die Zeiten vorbei, in welchen die Besten aus den guten Bewerbern aussortiert werden konnten. Das System der Dualen Ausbildung ist nach wie vor ein wichtiges Element der Fachkräftebasis. Unternehmen müssen sich auf Auszubildende einstellen, welche ihre Begabungen noch nicht vollständig entwickelt haben. Diese Jugendlichen bedürfen einer intensiveren internen und externen Unterstützung während der Ausbildung – sie werden es mit gutem Erfolg und starker Bindung an das Unternehmen danken. Die aktuelle Arbeitsmarktlage stellt für viele Beschäftigte eine Chance auf Veränderung dar. Umso mehr müssen Arbeitgeber die potenziellen Abwanderungsgründe beachten. Aktuelle Umfragen haben ergeben, dass die meisten IT-Mitarbeiter ihr Unternehmen nicht wegen Konflikten oder grundsätzlicher Abneigung verlassen, sondern schlicht aus mangelnder Perspektive. Diesem Abwanderungsgrund können Unternehmen mit gezielten individuellen Entwicklungsplänen entgegenwirken. Die Alterklasse 50plus bedarf dabei besonderer Aufmerksamkeit: Auf der einen Seite verfügt sie in der Regel über großes Branchen-, Produkt-, Kundenund Prozesswissen. Gleichzeitig sind ältere Beschäftigte kaum noch in die Personalentwicklung einbezogen. Der grundsätzlich gestiegene Anspruch an die Qualifikation bzw. der Trend zur Akademisierung der IT kann teilweise durch bessere Nutzung bestehender Bildungssysteme erfüllt werden.
Bereits 2002 erließ die Bundesregierung die Regelung zur „ITWeiterbildung“. Die Rechtsverordnung regelt die Stufen der Aufstiegsfortbildungen im IT-Bereich vom „IT-Spezialisten“ bis hin zum „Strategischen Professional“. Damit wird für Absolventen der Berufsausbildung sowie für Quereinsteiger die Qualifizierung in drei Ebenen bis hin zur „Masterebene“ geregelt. Das System ist bis dato in der Breite noch nicht so verbreitet wie es analog im kaufmännischen oder handwerklichen Segment der Fall ist. Fachinformatiker kennen kaum den „IT-Meister“ (sogenannter Operativer Professional). Dabei bieten diese anerkannten IT-Fortbildungen alle wichtigen Optionen: Zugangsmöglichkeit zu Hochschulen auch ohne Abitur, Weiterentwicklung der Qualifikation bis auf Studienebene.
Durch die Unterstützung und Entwicklung geeigneter Mitarbeiter können Unternehmen damit Stellen besetzen, die üblicherweise nur von Informatikern eingenommen werden. Selbstverständlich lassen sich nicht alle Stellen mit Berufsanfängern besetzen. Bei der Suche und Auswahl nach geeigneten Mitarbeitern gibt es viele Möglichkeiten. Am effizientesten stellt sich meistens die Nutzung von persönlichen oder institutionellen Netzwerken heraus. Häufig führt auch die Suche in sozialen Netzen oder die Einbeziehung von Personalagenturen zum Ziel. Grundsätzlich sind die Ansprüche an Bewerber der Formulierung nach häufig höher als die realen Ansprüche an Mitarbeiter. Personalverantworliche sollten sich deshalb eine Frage stellen: Welche Alternative haben wir, falls die Suche erfolglos bleibt?
Von Volker Falch Dipl.-Ökonom, 47Jahre, 20 Jahre Berufliche Bildung, Leiter der it akademie bayern seit 2000, Geschäftsführer European Mainframe Academy GmbH, Mitarbeit in Projekten zur IT-Aus- und Weiterbildung im Auftrag verschiedener Bundesministerien.