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Ein Tag mit dem Allgäu Airport Geschäftsführer Ralf Schmid

Ein Tag mit dem Allgäu Airport Geschäftsführer Ralf Schmid

Der Geschäftsführer des Allgäu Airport in Memmingerberg hat zusammen mit engagierten Investoren aus einem alten Militärflugplatz ein florierendes Unternehmen gemacht. Ein Tag an „seinem“ Flughafen macht den Wandel sichtbar.

8:02 Uhr: Am Horizont schwenkt eine Boeing 737 der Ryanair zum Landeanflug auf der Runway zwo-vier des Allgäu Airport ein. „Wieder überpünktlich, die Ryanair aus Alghero“, konstatiert Flughafen-Geschäftsführer Ralf Schmid und nimmt einen ersten Schluck aus der Kaffetasse, die vor ihm auf dem Schreibtisch seines Büros am Flughafen steht. „Jetzt wird es dann voll auf dem Vorfeld“, sagt er. „Dienstag früh – das ist unser Peak schlechthin.“

8:52 Uhr: In Memmingerberg ist jetzt Action geboten. Kaum ist die Alghero-Maschine gestartet, setzt die Boeing aus Oslo auf. Und die ist gerade an ihrer Parkposition angekommen, da landet auch schon der Jet aus Trapani. „Wenn jetzt die Ryanair aus Alicante auch noch überpünktlich ist, dann wird’s eng hier“, meint Schmid. Inklusive Abholern tummeln sich jetzt rund 2.000 Reisende im Terminal. Gut, dass es sich in den Sommermonaten auch draußen warten lässt.

9:30 Uhr: Der Rückflug nach Alicante ist nur noch ein Punkt am Horizont. Schmid ist begeistert über seinen größten Partner. „Es ist wirklich bewundernswert, mit welcher Effizienz und Pünktlichkeit Ryanair ihre Flüge durchführt. Die kommen lieber ein paar Minuten zu früh als zu spät. Da ist es schon eine Ausnahme, dass eine Maschine am Ende des Tages eine Verspätung vor sich herschiebt.“ Auch in Sicherheitsfragen seien die Iren penibel: Grundsätzlich als erste Airline beginnen sie in der kalten Jahreszeit mit dem Enteisen der Jets.

10:11 Uhr: Mit dem Follow-Me-Bus dreht der Airport-Chef eine Runde über das Flughafenareal. Zuerst steuert er das holzverkleidete Gebäude auf der anderen Seite der Runway an. Hier hatte er damals sein erstes Büro, als er bei der Allgäu Air + Park als Geschäftsführer anheuerte. Heute sind dort die Sportflieger zu Hause. In den alten Bunkerhangaren der Luftwaffe parken ihre Piaggios, Pipers und Grobs. Im Gegensatz zu den beiden anderen „Großflughäfen“ im Freistaat, zu denen das Statistische Landesamt neben München und Nürnberg auch den Allgäu Airport zählt, ist hier am Memmingerberg noch genügend Platz für sie.

10:20 Uhr: In der Maschinenhalle laufen die ersten Vorbereitungen auf den Winter. Die Lkw, die dann als Schneepflüge die Rollwege und Startbahnen freihalten, durchlaufen den Fitnesscheck. „Die haben wir günstig gebraucht von Deutschlands größtem Flughafen gekauft, in Frankfurt.“ Ökonomisches Denken ist Pflicht im privatwirtschaftlich geführten Unternehmen Allgäu Airport. Die Gesellschafter tragen ihren Teil dazu bei, indem sie bei den Investitionen entgegenkommen. Heimat verbindet. In der Werkstatt stehen Wartungsgeräte von Maha, Haldenwang. Die großen Tore hat Butzbach geliefert. „Insgesamt haben wir für den Umbau des alten Bundeswehrbunkers um die 250.000 Euro ausgegeben. Neu kostet so etwas das Zehnfache“, rechnet Schmid vor.

10:45 Uhr: Schmid umkurvt das Südwestende des Airport. „Da drüben, das ist unsere absolute  Erfolgsgeschichte.“ Hinter dem Flughafenzaun  erhebt sich ein Fabrikgebäude: Magnet-Schultz, einer der Gesellschafter des Airport, hat hier ein neues Werk errichtet. Die Spezialfabrik für elek­tromagnetische Aktoren und Sensoren ist weltweit aktiv – da ist der unmittelbare Anschluss an den globalen Luftverkehr extrem wertvoll. Anfang Juni 2011 erfolgte schon der Spatenstich zur zweiten Werkshalle. Geschäftsführer Dipl.-Ing. Wolfgang E. Schultz kommentierte das so: „Obwohl die Gruppe 2008 an drei Standorten insgesamt 16.000 qm Fläche fertiggestellt hat, brauchen neue Projekte neue Flächen. Mit dieser Halle 12 werden auf zwei Geschossen rund 13.000 qm Fläche gebaut. Die Gesamtfläche in Memmingerberg erreicht damit bereits 2/3 der Fläche an der Allgäuer Straße. Die Halle 12 wird hochautomatisierte und prozesssichere Montagen sowie Logistik aufnehmen. Bis zu 350 Arbeitsplätze werden geschaffen.“

 11:09 Uhr: Ein Businessjet landet, eine „Global Express“. Bis zu 19 Passagiere finden darin Platz. Es könnte der Werksshuttle von Fendt-AGCO sein. Regelmäßig pendeln die Mitarbeiter eines der weltweit größten Hersteller und Anbieter von Traktoren und Landmaschinen zwischen Marktoberdorf und der Konzernzentrale in Duluth, Georgia.

12:40 Uhr: Mittagessen gleich „um die Ecke“ in BERGER’s Restaurant im Park. Es gibt Kässpätzle im Biergarten. „Dass wir im jüngsten Kluftinger verewigt sind, war für uns ein kleiner Ritterschlag“, freut sich Schmid. Restaurant und das Hotel BERGER’s Park gleich daneben sind aus dem ehemaligen Offizierskasino des Fliegerhorsts hervorgegangen. Hier hat ein anderer Gesellschafter des Airport investiert: Alois und Edith Berger, Gründer der Memminger Unternehmensgruppe Berger. „Das Schönste daran: der wunderbare Park mit Bäumen aus aller Welt. Die Samen dafür haben Piloten von ihren Einsätzen mitgebracht. Diese 7,5 Hektar sind ein echtes Schatzkästlein“, schwärmt Schmid beim Verdauungsspaziergang unter den schattigen Baumkronen.

14:00 Uhr: Besprechung mit Marcel Schütz, verantwortlich für den Bereich Controlling. Er hat die neuesten Statistiken zum bisherigen Verlauf des Sommerflugplans mitgebracht. „118 Passagiere pro Flug, sauber!“ freut sich Schmid. „Da liegen wir besser als Stuttgart oder München – und erst recht als Friedrichshafen.“ Das sei der Charme des Flugbetriebs am Allgäu Airport meint er. Wenig Flugbewegungen, die aber mit großem Fluggerät. „In dem Punkt sind wir richtig erwachsen …“

15:20 Uhr:  Vor dem Terminal fährt der Bus nach München ab. Bis zu fünf Mal täglich rollt der „Allgäu Airport Express“ in 95 Minuten in die Landeshauptstadt. „Ein perfekter Service, gut angenommen“, kommentiert Schmid die Passagierzahlen. Nebenan auf dem Parkplatz entladen zwei Großfamilien einen gefühlten Container Koffer, Pakete und Taschen. „Die Abendmaschine der Wizz-Air nach Kiew“, erläutert der Airport-Chef. „Klassischer ethnischer Verkehr, Familien, die den Sommerurlaub zu Hause verbringen.“

15:30 Uhr: Die nächste Besprechung. Diesmal mit dem Bauteam. Die Start- und Landebahn muss auf 45 Meter verbreitert werden – internationaler Standard für Jets der Größe, wie sie in Memmingerberg heute Stammgast sind. Auch eine Rollwegoptimierung soll dann erfolgen. „Wir müssen auch über eine Erweiterung des Terminals nachdenken“, sagt Schmid. „Wir haben ja heute früh gesehen, wie voll das ist.“ Und irgendwann in absehbarer Zeit wird es dann auch noch ein Parkhaus geben.

16:14 Uhr: Eine E-Mail lässt Ralf Schmid lächeln. Ein Allgäuer beschwert sich, dass der Flughafen sich als „München-West“ vermarkten lässt. Das sei unpatriotisch. „Für einen Italiener oder Briten gibt es zwei Marken, die sie kennen: Monaco-Munich und Bavaria. Wenn wir international wahrgenommen werden, ist München-West die beste Adresse“,
kommentiert Schmid diese immer wieder geäußerte Kritik gelassen. „Und der andere Flughafen ist München-Nord.“

16:50 Uhr: Der tägliche Rundgang durchs Terminal. In Kürze kommt die Ryanair-Maschine von und nach Palma de Mallorca. Aus dem Biergarten klingen fröhliche Abschiedsgesänge. Im Duty-free-Shop versorgen sich Passagiere mit frischen Düften. Wie die Geschäfte laufen? Die Dame an der Kasse hebt den Daumen. Es ist Ferienzeit, die Reisenden gönnen sich etwas. Überraschende Begegnung im Wartebereich am Gate: Peter Gutmann, Maschinenbau-Unternehmer aus Aletshausen und Flughafen-Gesellschafter, hat mit Familie für einen Urlaubsflug eingecheckt. „Sie sehen: Keine Privilegien für die Eigentümer“, kommentiert Schmid dessen Platz am Ende der Schlange.

 17:45 Uhr: Auf dem Vorfeld steht jetzt eine Sunexpress-Maschine aus Antalya, die 737 der Ryanair aus Palma rollt gerade vor dem Marshaller zum Stopp. „Und in einer halbe Stunde kommt der Jet aus Faro“, sagt Schmid. „Unser erster Abend-Peak.“ Der zweite folgt zwischen 20 und 21 Uhr: Valencia, Porto und Kiew.

18:00 Uhr: Der Flughafengeschäftsführer, der bis jetzt alle Türen bereitwillig geöffnet hat, muss jetzt die Tür zu seinem Büro schließen. Eine vertrauliche Besprechung mit einigen Gesellschaftern. Sie hat mit dem Wegfall der innerdeutschen Verbindungen nach Einführung der Flugverkehrssteuer zu tun. Und ob man da im Allgäu nicht etwas dagegen tun kann. Immerhin hat man schon einen Flug­hafen zum Fliegen gebracht. „Solch ein regionales Erfolgsmodell weckt natürlich Fantasien“, meint Schmid. Der Mann muss es wissen. Er hat selbst einen Berufspilotenschein.