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Folge 57: Dr. Bertram Rapp, CHARRIER RAPP & LIEBAU

101 Köpfe: Vom Physik-Labor in die Anwaltskanzlei Dr. Bertram Rapp Charrier Rapp & Liebau

Dr. Betram Rapp, Geschäftsführer Charrier Rapp & Liebau, Foto: Charrier Rapp & Liebau
Dr. Betram Rapp, Geschäftsführer Charrier Rapp & Liebau, Foto: Charrier Rapp & Liebau

Dr. Bertram Rapp ist Physiker – und Anwalt. Mit seiner Patentanwaltskanzlei Charrier, Rapp & Liebau ist er inzwischen die erste Adresse in der Fuggerstadt, wenn es um Markenrecht geht. Mit uns sprach er über seine Entscheidung als Physiker für die Juristerei und das Thema Markenrecht – und darüber, wie eine Tour durch Augsburg auf seinen Spuren aussehen könnte. 


Dr. Betram Rapp

Alter: 54
Position: Partner bei Charrier, Rapp & Liebau
Unternehmen: Charrier, Rapp & Liebau
Hobby: Oper, Theater, Sport, Reisen, Kultur




B4B SCHWABEN:Herr Rapp, Sie sind Patentanwalt der Augsburger Anwaltskanzlei Charrier, Rapp & Liebau. Wieso entscheidet man sich als Physiker ausgerechnet für eine juristische Laufbahn?

Dr. Bertram Rapp: In meinem Fall war das purer Zufall: Der Patentanwalt eines Freunds von mir hatte gerade seinen Ruhestand vorbereitet, als ich meine Doktorarbeit gemacht habe. Er hat mich gefragt, ob ich nicht die Nachfolge antreten möchte. Als in der Forschung tätiger Physiker konnte ich mir zunächst unter dem Beruf gar nichts vorstellen. Eine Woche später saß ich mit dem Kollegen Charrier zusammen – und eine weitere Woche später waren wir handelseinig, dass ich die Ausbildung mache und seine Kanzlei übernehme.

B4B SCHWABEN:Sie haben Physik an der Uni Ulm mit den Schwerpunkten Biophysik und Flüssigkristalle studiert, Haben Sie sich ursprünglich in der Forschung gesehen oder war von Anfang an klar, dass Sie einen anderen Weg einschlagen werden?

Dr. Bertram Rapp: Am Anfang meines Physikstudiums habe ich mich in der Forschung gesehen – in der universitären Forschung, in der universitären Lehre oder eben in der Industrieforschung. Die Möglichkeit, das Generalistentum zu leben, das ich jetzt als Patentanwalt habe, ist mir im Grunde erst dadurch eröffnet worden, dass ich mit dem Beruf des Patentanwalts konfrontiert worden bin. Und ich habe es auch nicht bereut - bis heute. Die Überlegung „Wo stehe ich in 20 Jahren, wenn ich in der Forschung bin?“, war für mich unattraktiv, weil ich dann wahrscheinlich der einzige Spezialist auf der Welt gewesen wäre, der von einem winzig kleinen Gebiet alles gewusst hätte. Auf dem Gebiet, auf dem ich jetzt arbeite, bin ich Generalist und verstehe von sehr vielen Dingen etwas.

B4B SCHWABEN:Als Patentanwalt befassen Sie sich ausführlich mit der Thematik „Markenrecht“. Wie könnte eine Stadtführung auf den Spuren des Herrn Rapp aussehen?

Dr. Bertram Rapp: Ich kann kaum durch irgendeine Stadt auf der Welt gehen, ohne nicht ständig mit Dingen konfrontiert zu sein, mit denen ich beruflich zu tun habe. Das sind Patente, Gebrauchsmuster, Geschmacksmuster, Marken. Im Grunde ist unsere gesamte industrielle Umgebung davon geprägt. Das heißt, wenn Sie jetzt vor die Tür gehen, laufen Sie als erstes über die Fußgängerampel – da ist die Ampelsteuerschaltung patentiert oder Einspruch dagegen erhoben worden – dann geht es über Straßenbahnschienen, über Fensterbehänge, Mauereinfassungen, bis hin zu Pflastersteinen. Natürlich die gesamten Bereiche der Konsumgüter, die Marken. Ich kann kaum durch ein Kaufhaus gehen oder durch einen Supermarkt, ohne nicht bei jedem zweiten Regal stehen zu bleiben, weil ich da gerade einen aktuellen Markenverletzungsprozess oder ein Widerspruchverfahren habe. Die Welt da draußen spiegelt im Grunde die angeblich so trockene Welt hier am Schreibtisch wider und so ein Spaziergang mit mir würde wirklich dazu führen, gerade in Augsburg, dass ich alle fünf Meter stehen bleibe und eine Geschichte erzählen würde – bis es langweilt.

B4B SCHWABEN:Als einer der führenden Patentanwälte in Augsburg haben Sie sich einen Namen gemacht. Bereits im 21. Jahr sind Sie in dieser Funktion tätig. Was hat Sie denn eigentlich nach Augsburg gebracht und gehalten?

Dr. Bertram Rapp: Ich komme ursprünglich aus Augsburg. Die Entscheidung, mich in Augsburg niederzulassen, war dennoch eine ganz bewusste Entscheidung – die im Übrigen schon mein Vorgänger bewusst getroffen hatte, der nicht aus Augsburg kam. In München besteht eine sehr hohe Dichte an Patentanwälten, da mag man nicht noch einer unter vielen sein. In Augsburg mit diesem riesengroßen Wirtschaftsbereich Augsburg-Schwaben haben wir eine unglaublich starke, mittelstandsorientierte, forschungsintensive und auch gut situierte Industrie- und Mittelstandskultur, die natürlich patentanwaltliche Dienstleistungen benötigt. Darüber hinaus haben wir den Vorteil, dass München, wo das Deutsche Patentamt, das Markenamt, das Bundespatentgericht und weitere wichtige Behörden sowie das europäische Patentamt, das Max-Planck Institut für geistiges Eigentum sitzen, nur eine halbe Stunde mit dem Zug entfernt ist. Das heißt, im Grunde sind wir hier genauso nah an den Münchner Behörden wie die Münchner Kollegen, aber dennoch in unserem eigenen Augsburg-Schwäbischen Wirtschaftsraum.

B4B SCHWABEN:Wie und wann kam die Gründung der Anwaltskanzlei zustande und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Ihrem Kollegen genau?

Dr. Bertram Rapp: Die Kanzlei wurde gegründet, indem wir 1998 zwei alte Kanzleien zusammengefasst haben: die Kanzlei Charrier und die Kanzlei von Herrn Liebau, die bis ins Jahr 1935 zurückreicht, also schon über 75 Jahre alt ist. Da die Kollegen Charrier und Liebau inzwischen beide ausgeschieden sind, kamen neue, jüngere Partner dazu. Inzwischen sind wir acht im technischen Bereich und ungefähr zehn Fachangestellte im Büro. Die tägliche Zusammenarbeit ist wunderbar, weil jeder ein anderes Fachgebiet hat. Wir tauschen uns dauernd über unsere Fälle, über unsere Fachgebiete aus. Entweder beim täglichen Mittagessen oder einfach auf dem Flur. Für die Mandanten bedeutet dies einen echten Vorteil: Man beauftragt einen Patentanwalt, bekommt aber viele, denn das Wissen der anderen fließt ständig in die Sachbearbeitung von jedem Einzelnen mit ein.

B4B SCHWABEN: Diese Frage haben Sie bestimmt bereits einige Male gehört, dennoch bleibt sie weiter spannend: Berichten Sie uns von Ihrem bisher aufregendsten Fall.

Dr. Bertram Rapp: Das Problem ist, dass ich diese Frage nie richtig beantworten kann, weil wir in unserem Beruf sehr zur Diskretion gehalten sind. Ich kann aber von einem sehr lustigen Fall berichten: Ich war vor zehn Jahren etwa zu einem der Höhepunkte der Terrorwelle in Frankfurt am Landgericht –und zwar für einen Sportwaffenhersteller –und hatte zehn Langwaffen dabei. Als ich mit den zehn Langwaffen ins Gerichtsgebäude hinein wollte, das hochgesichert war, fragten mich die Polizisten „Was ist da drin?“ und ich antwortete „Zehn Gewehre.“. Mit einem Schlag hatte ich vier bewaffnete Beamte mit Pistole im Anschlag vor mir und die Sache konnte erst dadurch aufgelöst werden, dass der Vorsitzende Richter von seinem Sitzungssaal herunter kam, die Gewehre in Augenschein nahm und uns den Zutritt gewährte – mit den Waffen.

B4B SCHWABEN: Wo sehen Sie Ihre Anwaltskanzlei in fünf oder zehn Jahren? Gibt es da Pläne?

Dr. Bertram Rapp: Wir verfolgen den Weg eines langsamen, aber stetigen Wachstums. Wir möchten nichts übertreiben, wir sind jetzt sehr gut aufgestellt und möchten sehr langsam weiter wachsen. In fünf Jahren könnte es sein, dass wir von 20 auf 23 oder 24 wachsen, in zehn Jahren vielleicht auf 30, also sehr moderat und gesund.

B4B SCHWABEN: Viele Mittelständler haben oft nicht die Zeit sich Gedanken über Markenrecht oder ähnliches zu machen. Wann und warum lohnt es sich für einen Mittelständler, zum Patentanwalt zu gehen?

Dr. Bertram Rapp: Das Markenrecht ist ein ganz wichtiger Punkt, gerade für kleinere Unternehmen, für Mittelständler oder auch für Start-ups, der leider häufig noch zu wenig beachtet wird. Wenn man sich einen Unternehmensnamen sucht oder seinem Produkt oder seiner Dienstleistung einen Namen gibt und den darunter vermarktet, dann besteht immer das Risiko, dass man damit bestehende Rechte von Dritten verletzt. Das Handelsgericht, bei dem man eine Eintragung vornimmt, zum Beispiel eine GmbH, führt da keine richtige Prüfung durch. Die prüfen nur lokal. Aber ältere Rechte können bundesweit bestehen und dann gibt es häufig die Situation, dass ein Unternehmen Jahre nach seiner Gründung einen Markenverletzungsprozess überstehen muss und sich umfirmieren, aber vor allem auch Schadensersatz für die bisherigen Markenverletzungen leisten muss, wenn ein anderer erst zum späteren Zeitpunkt darauf kommt, dass seine Marke verletzt worden ist. Deshalb lautet der einfache Rat: Wenn man ein Unternehmen gründet oder eine neue Produkt- oder Dienstleistungsmarke in Benutzung nimmt, zunächst zu recherchieren, ob sie bereits von jemandem geschützt ist – die Recherchen sind nicht teuer und sehr wichtig – und hinterher für sich anzumelden, um zu verhindern, dass ein Dritter sie anmeldet. Denn auch eine eigene Benutzung schützt nicht davor, von Anderen verklagt zu werden. Selbst wenn der andere erst später ein Markenrecht anmeldet, kann man sich nicht auf seine ältere Benutzung berufen.

B4B SCHWABEN: Wohin geht der Trend beim Thema Markenrecht? Kann man da etwas feststellen?

Dr. Bertram Rapp: Ja, es gab vor Jahren einen Trend zu neuen, alternativen Markenformen, der ist aber fast schon wieder abgeebbt, weil er auch ein wenig überschätzt wurde. Da gab es beispielweise haptische Marken, Geruchsmarken, Klangmarken und solche Dinge. Was aktuell mehr kommt ist eine Europäisierung des Markenrechts. Während früher gerade kleine und mittelständische Unternehmen ihre Marken meist nur in Deutschland angemeldet haben, ist ein Trend erkennbar, dass man sofort auf die europäische Ebene geht und mit Wirkung für die ganze EU anmeldet. Das ist so ein bisschen ein Auswuchs der Globalisierung in klein, also eine Europäisierung. Das ist auch ein Indikator dafür, dass selbst kleine, mittelständische Unternehmen häufig europaweit tätig sind. Es hat auch eine Schattenseite, denn die Gerichtsbarkeit auf der Europäischen Ebene hat bei weitem noch nicht die Qualität, wie wir sie aus Deutschland kennen.

B4B SCHWABEN: Ganz spontan – drei für Sie ganz persönlich tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben:

Dr. Bertram Rapp: Natalie Böck, große Tänzerin, Tanzsolistin und inzwischen auch höchst erfolgreiche Betreiberin der größten Tanzschule in Bayerisch-Schwaben, mit Schwerpunkt auf klassischem Ballett. Da habe ich das Vergnügen im Beirat ihres Ballettfördervereins zu sein und einmal im Jahr eine Veranstaltung abhalten zu dürfen. Dann Max Schuster, der Gründer und Initiator des Therapiezentrums Burgau, der es wirklich als einzelner Mann aufgrund eines Unfalls in der Familie geschafft hat, ein komplettes Krankenhaus, das es vom Typus her noch nicht gab, in Bayern hinzustellen. Ich finde das ist eine fantastische Leistung, dass so etwas einem einzelnen Menschen gelingt. Als drittes würde mir Ulrich Kubak einfallen, der Geschäftsführer von Klassik Radio, der Inhaber und Gründer, der es immerhin geschafft hat, ein bundesweit bekanntes Unternehmen hier in Augsburg zu etablieren.

B4B SCHWABEN: Mit welcher Person – weg von Bayerisch-Schwaben – wollten Sie schon immer einmal zu Abend essen, Herr Rapp?

Dr. Bertram Rapp: Also ich entscheide mich für Sarah Harrison, eine intelligente, mutige und schöne Frau – googlen Sie mal.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!