Dr. Bertram Rapp

Wie man als Unternehmer gestärkt aus der Krise hervorgeht

Patentanwalt Dr. Bertram Rapp. Foto: CHARRIER RAPP & LIEBAU
Vor genau elf Jahren, zum Höhepunkt der damals durch die Insolvenz der Lehman Bank eingeläuteten Weltfinanzkrise, veröffentlichte ich in der Bayerisch-Schwäbischen Wirtschaft einen Artikel unter der Überschrift „Not macht erfinderisch“. Die damals geäußerten Gedanken könnten, wie ich finde, auch in der Krise, in der wir uns heute befinden, von Interesse sein. Daher eine kurze und an die Lage der Dinge angepasste Zusammenfassung.

Wenn Unternehmer in diesen Tagen des „physical distancing“ telefonieren, skypen oder chatten, ist das erste und meist einzige Thema die Gesundheitskrise, in der sich die gesamte Menschheit befindet. Auf die schrecklichen menschlichen Schicksale möchte ich hier nicht eingehen. Das in wirtschaftlicher Hinsicht Gefährliche an dieser Krise ist aber nicht die vorübergehende Abkühlung der Konjunktur, was ja kein völlig ungewöhnlicher Vorgang ist. Zur wirklichen Krise für die Unternehmen und die gesamte Wirtschaft wird die Situation durch die einsetzende Lethargie. Sinkende Auftragseingänge und Umsätze führen zum Erlahmen des unternehmerischen Denkens; der Unternehmer agiert nicht mehr, er reagiert nur noch, und das mit kurzfristig wirksamen Mitteln wie Kurzarbeit oder gar Entlassungen.

Dabei wird übersehen, dass aller Erfahrung nach auf jede wirtschaftliche Schwächeperiode ein Aufschwung folgt. Wer hätte 1945 das Wirtschaftswunder vorausgeahnt? Und damals lag Deutschland in Trümmern! Die Börse ist zwar eingebrochen, hält sich nun aber relativ stabil, so dass viele bereits von Einstiegskursen sprechen. Die Krankenhäuser füllen sich noch, aber fest steht auch, dass die momentane Bedrohung nicht von Dauer sein wird.

Wenn also im Spätsommer die wirtschaftlichen Signale wieder auf grün stehen, die Auftragseingänge und Exporte wachsen und Industrie und Handwerk händeringend nach Fachkräften suchen werden, sind nur diejenigen Unternehmen gut gerüstet, welche jetzt die Weichen auf Zukunft stellen. Der Unternehmer muss anstelle der kurzfristigen Probleme wieder die mittel- und langfristige Perspektive sehen und ein zukunftsorientiertes Betriebsklima schaffen.

In den vergangenen Jahren hatten die Leistungsträger in den Unternehmen, die innovativen Köpfe und Erfinder, kaum Zeit, sich neuen Produktideen zuzuwenden, weil sie vollständig von der täglichen Auftragsabwicklung und Projektarbeit vereinnahmt wurden. Jetzt, wo das Tagesgeschäft ruhiger verläuft, wird der zukunftsorientierte Unternehmer dafür sorgen, dass die Denkfabrik anläuft, dass Probleme erkannt und gelöst werden, neue Produkte und betriebliche Abläufe entstehen. Die kurzfristig Denkenden, die ihre Entwickler und Erfinder jetzt nicht fördern oder gar in die Kurzarbeit schicken, stehen zum Ende der „Krise“ mit leeren Händen und demotivierten Mitarbeitern da, während ihre zukunftsorientierten Wettbewerber dann über neue Lösungen, neue Technologien und neue Patente verfügen. Was könnte eine bessere Voraussetzung für den erhofften Aufschwung sein?

Für die weltweite Patentierung neuer Produkte und Verfahren kommt den Unternehmen, die jetzt Patentschutz beantragen, das Prioritätssystem zugute. Zur Wahrung der Rechte genügt eine geringe Investition in eine deutsche Patentanmeldung. Mit den Auslandsanmeldungen kann man sich dann zwölf Monate Zeit lassen, bei Hinterlegung einer internationalen Patentanmeldung sogar bis zu 31 Monate, also bis Ende 2022. Bis dahin dürften sich die Auftragsbücher gefüllt haben und die Maschinen hierzulande wieder auf Hochtouren laufen!

In freier Abwandlung eines alten schwäbischen Sprichworts heißt die Devise: „Erfinde in der Not, dann verdienst Du in der Zeit!“

Ihr

Dr. Bertram Rapp

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Dr. Bertram Rapp

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Patentanwalt Dr. Bertram Rapp. Foto: CHARRIER RAPP & LIEBAU
Vor genau elf Jahren, zum Höhepunkt der damals durch die Insolvenz der Lehman Bank eingeläuteten Weltfinanzkrise, veröffentlichte ich in der Bayerisch-Schwäbischen Wirtschaft einen Artikel unter der Überschrift „Not macht erfinderisch“. Die damals geäußerten Gedanken könnten, wie ich finde, auch in der Krise, in der wir uns heute befinden, von Interesse sein. Daher eine kurze und an die Lage der Dinge angepasste Zusammenfassung.

Wenn Unternehmer in diesen Tagen des „physical distancing“ telefonieren, skypen oder chatten, ist das erste und meist einzige Thema die Gesundheitskrise, in der sich die gesamte Menschheit befindet. Auf die schrecklichen menschlichen Schicksale möchte ich hier nicht eingehen. Das in wirtschaftlicher Hinsicht Gefährliche an dieser Krise ist aber nicht die vorübergehende Abkühlung der Konjunktur, was ja kein völlig ungewöhnlicher Vorgang ist. Zur wirklichen Krise für die Unternehmen und die gesamte Wirtschaft wird die Situation durch die einsetzende Lethargie. Sinkende Auftragseingänge und Umsätze führen zum Erlahmen des unternehmerischen Denkens; der Unternehmer agiert nicht mehr, er reagiert nur noch, und das mit kurzfristig wirksamen Mitteln wie Kurzarbeit oder gar Entlassungen.

Dabei wird übersehen, dass aller Erfahrung nach auf jede wirtschaftliche Schwächeperiode ein Aufschwung folgt. Wer hätte 1945 das Wirtschaftswunder vorausgeahnt? Und damals lag Deutschland in Trümmern! Die Börse ist zwar eingebrochen, hält sich nun aber relativ stabil, so dass viele bereits von Einstiegskursen sprechen. Die Krankenhäuser füllen sich noch, aber fest steht auch, dass die momentane Bedrohung nicht von Dauer sein wird.

Wenn also im Spätsommer die wirtschaftlichen Signale wieder auf grün stehen, die Auftragseingänge und Exporte wachsen und Industrie und Handwerk händeringend nach Fachkräften suchen werden, sind nur diejenigen Unternehmen gut gerüstet, welche jetzt die Weichen auf Zukunft stellen. Der Unternehmer muss anstelle der kurzfristigen Probleme wieder die mittel- und langfristige Perspektive sehen und ein zukunftsorientiertes Betriebsklima schaffen.

In den vergangenen Jahren hatten die Leistungsträger in den Unternehmen, die innovativen Köpfe und Erfinder, kaum Zeit, sich neuen Produktideen zuzuwenden, weil sie vollständig von der täglichen Auftragsabwicklung und Projektarbeit vereinnahmt wurden. Jetzt, wo das Tagesgeschäft ruhiger verläuft, wird der zukunftsorientierte Unternehmer dafür sorgen, dass die Denkfabrik anläuft, dass Probleme erkannt und gelöst werden, neue Produkte und betriebliche Abläufe entstehen. Die kurzfristig Denkenden, die ihre Entwickler und Erfinder jetzt nicht fördern oder gar in die Kurzarbeit schicken, stehen zum Ende der „Krise“ mit leeren Händen und demotivierten Mitarbeitern da, während ihre zukunftsorientierten Wettbewerber dann über neue Lösungen, neue Technologien und neue Patente verfügen. Was könnte eine bessere Voraussetzung für den erhofften Aufschwung sein?

Für die weltweite Patentierung neuer Produkte und Verfahren kommt den Unternehmen, die jetzt Patentschutz beantragen, das Prioritätssystem zugute. Zur Wahrung der Rechte genügt eine geringe Investition in eine deutsche Patentanmeldung. Mit den Auslandsanmeldungen kann man sich dann zwölf Monate Zeit lassen, bei Hinterlegung einer internationalen Patentanmeldung sogar bis zu 31 Monate, also bis Ende 2022. Bis dahin dürften sich die Auftragsbücher gefüllt haben und die Maschinen hierzulande wieder auf Hochtouren laufen!

In freier Abwandlung eines alten schwäbischen Sprichworts heißt die Devise: „Erfinde in der Not, dann verdienst Du in der Zeit!“

Ihr

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